Waldschutz

Bundeswehr stellt Lagerplatz bereit

Standortübungsplatz-Bogen_ke
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am Freitag, 21.08.2020 - 10:33

Die Forstwirtschaftliche Vereingung Niederbayern und das Dienstleistungszentrum Boden der Bundeswehr treffen Vereinbarung.

Verheerend – nicht anders kann die derzeitige Situation für die Waldbesitzer aus Sicht des Vorsitzenden der Forstwirtschaftlichen Vereinigung (FV) Niederbayerns Georg Huber bezeichnet werden. Die Wälder leiden trotz der Niederschläge an der Trockenheit und Hitze der letzten Jahre und Schädlinge haben leichtes Spiel. Gewaltige Schadholzmengen überschwemmen die Holzmärkte, die Preise liegen am Boden.

Zwar zeigt sich 2020 die Borkenkäfersituation in einigen Teilen Niederbayerns entspannter als die letzten Jahre. Im Bayerischen Wald und südlich von Passau ist dies anders, hier vernichtet der Käfer auch 2020 in unverminderten Geschwindigkeit erbarmungslos große Fichtenwälder.

Wenn Resignation sich breit macht, siegt der Borkenkäfer

Die Waldbesitzer stehen fassungslos vor der Situation, dass einerseits die Preise für ihren eigentlich wertvollen Rohstoff schlichtweg miserabel sind und andererseits die Holzerntekosten gleich bleiben oder tendenziell sogar steigen.

Der Deckungsbeitrag aus der notwendigen Schadholzernte geht gegen null oder ist sogar negativ. Die wirtschaftliche Lage vieler Waldbesitzer ist desaströs und die ganze Forstbranche stemmt sich gegen die Resignation, damit Waldbesitzer ihr Käferholz nicht einfach stehen lassen und dadurch die Schadholzmengen noch weiter explodieren.

Holzmarkt am Boden

Durch verschiedenste Schadereignisse in Mitteleuropa, darunter Stürme, Trockenheiten und Hitzewellen mit nachfolgenden Borkenkäfermassenvermehrungen will und will der Holzmarkt nicht zur Ruhe kommen. Verzögerte Abfuhr aus dem Wald und unsäglich niedrige Holzpreise sind die Folgen, die jedem Waldbesitzer das Leben schwer machen und die Freude an der Arbeit im Wald vergällen.

Damit das Schadholz auch in Phasen fehlender Aufnahmekapazitäten bei den Sägewerken schnell aus dem Wald verbracht werden kann und der Käfer nicht noch mehr Unheil anrichtet, wurde 2020 auf Initiative der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern, der Waldbesitzervereinigung Mitterfels und des Bundestagsabgeordneten Alois Rainer und mit tatkräftiger Unterstützung und Mitwirkung des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Bogen eine waldschutzwirksame Zwischenlagermöglichkeit für Schadholz auf Grünflächen des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums in der Nähe der Autobahnausfahrt Bogen geschaffen.

Stefan Treppnau, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Mitterfels freut die Möglichkeit, im Bedarfsfall vom Käfer befallene Schadhölzer schnell aus dem Wald hier weitab von den nächsten Fichtenwäldern zwischenzulagern. „Wenn die Sägewerke nicht aufnahmefähig sind, das Holz nicht abfließen kann, können wir das Holz hier zwischenlagern und müssen nicht im Wald die Holzpolter mit Insektiziden behandeln, damit der Käfer nicht ausfliegt.“
Der Mehraufwand für den gebrochenen Transport, den der Waldbesitzer tragen muss, wird derzeit mit bis zu 12 €/fm vom Freistaat Bayern gefördert.

An einem Strang ziehen

Für den Vorsitzenden der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern Georg Huber ist das Zusammenwirken von Bundeswehr und Forstwirtschaft beispielhaft. „Die Bundeswehr hilft im Katastrophenfall. Auf sie ist Verlass und die Verantwortlichen haben ein offenes Ohr und zeigen Verständnis für unsere Lage.“
Für den Verantwortlichen vor Ort, den stellvertretenden Leiter des Dienstleistungszentrums Bogen, Thomas Piendl eine Selbstverständlichkeit. „Da die Zwischenlagerung des Schadholzes auf den Grünflächen am Rand des Übungsplatzes den Übungsbetrieb der Bundeswehr nicht stört, war es klar, dass wir uns mit der Forstwirtschaftlichen Vereinigung einigen. Wir unterstützen, dass die Schadsituation im Wald eingedämmt werden kann und hierzu muss das Schadholz raus aus dem Wald.“

Kein weiterer Schaden

Für Alois Rainer, selbst Waldbesitzer, ist dies letztendlich auch ein Beitrag dafür, dass intakte Wälder erhalten werden können. „Hier ziehen alle an einem Strang und so haben Bundeswehr, Dienstleistungszentrum, Forstwirtschaftliche Vereinigung und Forstverwaltung einen Beitrag geleistet, um in Hochphasen des Waldschutzes bei nicht abfließenden Schadholzbergen eine kleine Entspannung zu schaffen.“

„Die Lagerkapazitäten in Bogen nicht zu brauchen oder nicht ausnutzen zu müssen“, wäre für Bernhard Bielmeier ein Zeichen, dass die Holzmärkte wieder funktionieren und eine Zwischenlagerung nicht notwendig ist. Aber dass sich die Verhältnisse im Wald und auf den Holzmärkten wieder normalisieren, ist leider noch nicht in Sicht. Und bis dahin ist die Zwischenlagermöglichkeit ein wertvolles Ventil, um die Wälder vor weiterem Schaden zu bewahren.