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Waldschutz

Auf Borkenkäferjagd per Satellit

Borkenkäfer_B3
Lorenz Märtl
am Freitag, 03.06.2022 - 07:00

Nach der erfolgreich verlaufenen Pilotphase weitet das Projekt „Waldstolz“ das Monitoring weiter aus.

Nach einer erfolgreichen Pilotphase mit 48 Waldbesitzern aus dem Allgäu im letzten Jahr weitet das Stuttgarter Start-up „Waldstolz“ seinen Monitoring-Service zur Bekämpfung des Borkenkäfers per Satellitentechnik aus. Zwölf neue Partnerschaften mit forstlichen Vereinigungen sind bereits abgeschlossen, weitere im Gespräch. Zu den neuen Partnern zählen die 26 WBV der Forstlichen Vereinigung Oberpfalz (FVO), darunter die WBV Berching-Neumarkt, deren 2100 Mitglieder in den letzten drei Jahren auf einer Fläche von 11 500 ha einen Käferschadholzanteil von 15 000 m3 zu beklagen hatten.

Um weiteren Befall rechtzeitig zu erkennen und großflächige Schäden zu vermeiden, ist jede Hilfe willkommen. Besonders viel verspricht man sich vom satellitengestützte Frühwarnsystem der Firma Waldstolz, dessen Funktionen und Möglichkeiten bei einer Waldbegehung am Buchberg vorgestellt wurden.

Der Erfolg der Pilotphase stimmt die Entwickler des Systems, Tobias Jäger und Fabian Gärtner, zuversichtlich. „700 Warnungen sind ein Erfolg“, resümiert Gärtner und sieht dies auch dadurch bestätigt, dass 85 Prozent der Pilotphasenteilnehmer weiter mitmachen.

Satellitenbilder als Grundlage

Grundlage des Monitorings sind Bilder von Satellitenkameras, die nicht nur optische Daten übermitteln, sondern gleichzeitig messen, wie stark die Waldoberfläche Infrarotwellen reflektiert. Genutzt werden die Daten des EU-Programms Copernicus, dessen Satelliten alle fünf Tage neue Bilder liefern.

Das Rechenmodell von Waldstolz wertet die Satellitenaufnahmen aus und erkennt dabei Veränderungen im Farbspektrum des Gipfelbereichs. Verfärbt sich ein Teil eines Nadelholzbestandes in kurzer Zeit rötlich oder bräunlich, deutet dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Borkenkäferbefall oder eine andere Erkrankung hin. In diesem Fall erhält der jeweilige Kunde dann automatisch per SMS und E-Mail den Hinweis, dass sich in seinem Wald offenbar etwas zum Schlechten verändert hat.

Kontrollgang an den vermerkten Stellen

An den mit genauen Koordinaten vermerkten Stellen kann dann beim Kontrollgang geprüft werden, ob Fichten vom Borkenkäfer befallen sind oder sonst in ihrer Vitalität leiden. Dank der hohen Genauigkeit mit nur wenigen Metern Abweichung ist die Suche nach einem möglichen Käfernest zielgerichtet möglich. Dass die Borkenkäfer aus dem All erst erkannt werden, wenn sich die Farbe der Baumkrone verändert, sehen die Forstfachleute nicht als Nachteil. Der Befall könne dann immer noch recht früh eingedämmt und größere Schäden verhindert werden.

„Unser Monitoring macht vor allem mit lokalen Partnern Sinn“, ist sich Gärtner mit Daniel Rübens von der WBV Berching-Neumarkt einig. Ist nämlich Befall festgestellt, müssen die Bäume rasch gefällt und aus dem Wald entfernt werden, was gerade kleinere Waldbesitzer oft vor enorme Probleme stellt. Viele von ihnen haben deswegen Serviceverträge mit der WBV.

Angesichts des Klimawandels und der damit verbundenen Trockenheit in den Wäldern stellt der Borkenkäfer eine immer größer werdende Bedrohung dar, sodass die frühzeitige Erkennung oberstes Gebot bleibt. „Eine tolle Hilfestellung für die Waldbesitzer“, findet Hans-Dieter Fuhrmann, Bereichsleiter Forst beim AELF Amberg-Neumarkt. So sieht es auch Martina Möhl, Geschäftsführerin der FVO: „Die zeitnahe Feststellung kritischer Veränderungen ist für uns eine sinnvolle Ergänzung, weil wir zielgerichtet Hinweisen nachgehen können.“

Der Monitoring-Service ist zu einem Fixpreis von 72 €/Jahr für bis zu 4 Hektar erhältlich, jedes weitere Hektar kostet 6 €. Buchbar ist der Service über die teilnehmenden forstlichen Partner oder auf der Internetseite von Waldstolz (www.waldstolz.de).