Kalamitäten

„Borkenkäfer“ der Grünlandbauern

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Eleonore Ladebeck
am Montag, 02.09.2019 - 15:17

Engerlingsschäden bereiten im Bayerischen Wald große Sorgen.den

Klafferstraß-Neureichenau/Lks. Freyung-Grafenau Langsam komme es ihm schon fast wie die „sieben mageren Jahre“ vor, sagte der stellvertretende Ortsobmann des BBV im Gemeindebereich Breitenberg im Landkreis Passau, Reinhard Hoffmann. Die Bauern kämen nicht mehr zur Ruhe: „In den Wäldern breitet sich der Borkenkäfer aus, dazu die Dürre, die das Wachstum der Pflanzen behindert und jetzt auch noch die Engerlinge“, zählte er auf.
Der Landkreis Passau ist am massivsten von diesem Schädling betroffen, aber auch in den Landkreisen Regen und Deggendorf machen sich die Engerlinge breit. So sind im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Deggendorf, bereits die ersten Meldungen aus Lalling und Schöllnach mit ca. 10 ha eingegangen.
So hat es vor zwei Jahren auch in Breitenberg begonnen, daher muss jetzt etwas dagegen unternommen werden, erklärte das Amt. Im Landkreis Passau sind es schon über 1000 ha, Tendenz steigend. Die Engerlinge vermehren sich rasant, waren es vor zwei Wochen etwa 50 bis 100 Engerlinge pro m2, sind es derzeit bis zu 230. „Diese Bereiche sind damit auf Dauer nicht mehr verwertbar“, sagen die betroffenen Landwirte. Die Hitze und Trockenheit heuer habe diese Situation noch verschärft.

138 Meldungen im
Kreis Freyung-Grafenau

Es ist wie eine Invasion und die Landwirte sind verzweifelt. Bereits 138 Meldungen im Landkreis Freyung-Grafenau sind bis jetzt eingegangen. Daher traf man sich in der Gastwirtschaft Kani in Klafferstraß in Neureichenau zu einer Informationsveranstaltung des AELF Regen, um sich über die Engerlingsbekämpfung zu informieren. Wie brisant das Thema war, zeigte der Andrang: Im Gang und an den Fenstern standen die Landwirte, die im Saal keinen Platz mehr finden konnten.
Nach der Begrüßung durch den Behördenleiter Christian Loibl unterrichtete Berater Johann Zimmermann die Landwirte über die derzeitigen Bekämpfungsarten. Eine davon ist ein mindestens 6 cm tiefes Fräsen des Bodens. Dies sei eine sinnvolle Vorgehensweise, da man den Boden nur einmal bearbeiten müsse und die Maschinen dazu seien bereits vorhanden, erläuterte der Experte. Der Nachteil sei ein enges Zeitfenster, Probegrabungen seien notwendig und auch das Wetter spiele dabei eine Rolle.
Eine weitere Methode der Bekämpfung ist die Pilzgerste. Diese Gerste ist mit Pilzsporen belegt, die die Engerlinge vernichten. In Versuchen ergab es einen Wirkungsgrad von bis zu 65 %. „Allerdings ist die Pilz- gerste in Deutschland nicht zugelassen, es bräuchte eine Ausnahmegenehmigung“, erklärte Zimmermann.
Jedenfalls benötigen die Landwirte dringend Hilfe von der Regierung, wurde in der anschließenden Diskussion betont, da die Bekämpfung und die Wiederherstellung der Wiesen mit gut 1000 €/ha zu Buche schlagen – plus der Beschaffung der Futtermittel wie Heu für die Tiere, welches in diesem Jahr durch die Dürre sich schwer gestalten wird.