Ausbildung

„Das bisschen Haushalt“ wie ein Profi

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Bernhard Brunner
am Mittwoch, 29.07.2020 - 09:02

Der Studiengang Hauswirtschaft startet an der Landwirtschaftsschule Passau wieder ab September.

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„Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann.“ So trällerte Schauspielerin und Sängerin Johanna von Koczian 1977 und schuf damit ein bis heute „geflügeltes Wort“. Von wegen: In den eigenen vier Wänden für Ordnung und Sauberkeit sorgen, stets was Gesundes und Schmackhaftes für die Familie auf den Tisch bringen, Lagerhaltung in Kühlschrank und Speisekammer nebst schonender Wäschepflege im Blick haben – dies alles und noch viel mehr will professionell gelernt sein.

Gelegenheit dazu besteht beim einsemestrigen Studiengang Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule Passau. „Es ist wirklich eine Bereicherung“, schwärmt Sabrina Kristl, Absolventin des jüngsten Kurses, die namens ihrer Kolleginnen versichert: „Alle würden wieder anfangen.“

Den Entschluss zum Schulbesuch nicht bereut

Die 30-jährige Mutter zweier strammer Buben hat ursprünglich die Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten gemacht. „Einfach was anderes kennenlernen“, nennt sie als Motivation dafür, noch einmal die Schulbank zu drücken – ein Entschluss, den die auf einem kleinen Nebenerwerbs-Bauernhof in der Marktgemeinde Untergriesbach (Lks. Passau) lebende junge Frau noch zu keiner Sekunde bereut hat, wie sie unterstreicht. Im Gegenteil: „Ich habe so viel Sinnvolles gelernt“, betont Kristl.
Zum Beispiel achtet sie nun mehr als bisher beim Einkaufen auf Qualität. Nur noch einmal pro Woche werden die Vorräte aufgefüllt – „mit mehr Planung und Verstand“, erzählt die frisch ausgebildete Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung, die nach dem eineinhalbjährigen Studiengang auch gleich noch die Abschlussprüfung zur Hauswirtschafterin nach dem Berufsbildungsgesetz drangehängt hat und somit nun einen zweiten Beruf vorweisen kann.

Schule und Ausbildung sind kein „Honiglecken“

Freilich waren Schule und Ausbildung kein Honiglecken, wie Sabrina Kristl einräumt. „Ohne Unterstützung durch die Familie, besonders die Schwiegereltern und Eltern, wäre es nicht gegangen“, sagt sie unter Hinweis auf den vier- und zweijährigen Nachwuchs. Doch letztlich profitieren alle im unmittelbaren Umfeld vom zusätzlichen Wissen und Können der Absolventin. So entstehen in der Küche wie von Profi-Hand neben selbstgebackenen Brot-Variationen allerlei kulinarische Köstlichkeiten und Leckereien – auch sehr zur Freude von Ehemann Martin (35), der als Maschinenbau-Ingenieur in einem großen Betrieb arbeitet und die Färsenmast im landwirtschaftlichen Nebenerwerb betreibt. „Es gibt jetzt bei uns einen Wochenplan, was das Essen betrifft, und alle dürfen mitentscheiden“, hebt Kristl hervor. Doch nicht nur im Haushalt kommt ihr das Erlernte zugute, sondern auch in der Landwirtschaft. Als Beispiel nennt sie die Unterrichtsinhalte zur Direktvermarktung und zur Hofübergabe, die erst kürzlich erfolgt ist.

Alltagskompetenzen bringen weiter

„Ein wichtiges Schlüsselwort ist Alltagskompetenzen“, erklärt Schulleiterin Sieglinde Preuß, die mit ihrem Team großen Wert auf die Kontaktpflege mit den Angehörigen der Teilnehmerinnen legt. So gibt es einmal jährlich einen Familientag, wobei das Miterleben eines Unterrichtstages – immer dienstags von 8.15 bis 17.15 Uhr – angesagt ist. Im Mittelpunkt stehen nach Preuß’ Worten neben der Theorie die drei Fächer Haus- und Textilpraxis, Küchenpraxis und Hausgartenbau.
Die Vielfalt ist das Zauberwort, ebenso die Gemeinschaft beim Essen und beim Feiern, wobei richtig enge Freundschaften entstehen. Der Vorteil daraus, wie die Hauswirtschaftsoberrätin feststellt: „Jeder lernt von jedem.“ Denn alle bringen ihre Erfahrungen mit ein. Als großes Plus erweist sich die Heterogenität der Gruppe. „Die Schülerinnen kommen aus den verschiedensten Berufen und befinden sich in unterschiedlichen Lebensphasen. Im letzten Semester war die jüngste Anfang 20, die älteste Anfang 60“, blickt Preuß zurück.

Der Studiengang Hauswirtschaft ist gefragt

Die Nachfolgerinnen von Sabrina Kristl und ihrer Kolleginnen beginnen am 15. September 2020 – aus Rücksicht auf Mütter schulpflichtiger Kinder bewusst eine Woche nach dem allgemeinen Unterrichtsbeginn an Regelschulen. Die einsemestrige Fachschule in Teilzeitform ist für dieses Jahr bereits ausgebucht.
Als Zugangsvoraussetzung, um Hauswirtschaft von Grund auf zu lernen und sich bei Bedarf beste Zukunftsperspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu erschließen, gilt der Abschluss in einem anderen Beruf. Weil es sich um eine staatliche Schule handelt, ist kein Schulgeld fällig, lediglich Bücher und Arbeitskleidung sind zu bezahlen. Und mit ein bisschen Planung, davon haben sich viele bisherige Teilnehmerinnen überzeugt, sind Unterricht, Familie und Job gut unter einen Hut zu bringen.