Biolandbau

Biorüben - Eine Nische mit guter Aussicht

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Hannelore Summer
am Montag, 20.08.2018 - 15:13

Benjamin Kirchberger, Leiter der Rohstoffabteilung Bayern der Südzucker AG, sucht in Niederbayerns Zuckerrübengebieten Landwirte, die ab der Kampagne 2019 Biorüben liefern.

In den vergangenen Jahren hat der Konzern Biorüben in Warburg in Nordrhein-Westfahlen zwischen Kassel und Paderborn gelegen, verarbeitet. Ab 2019 sollen jetzt den Anbauern in Niederbayern die Möglichkeit gegeben werden, Biorüben an Südzucker zu liefern.

Bei Informationsveranstaltungen in der Region gab Kirchberger jetzt die entsprechenden Voraussetzungen bekannt: Die Landwirte sollten ihre Felder seit mindestens zwei Jahren ökologisch bewirtschaften. Bedingung ist voraussichtlich die Mitgliedschaft in einem der Bio-Anbauverbände. Bei EU-Bioanbau muss in jedem Fall der Standard Bio-Suisse eingehalten werden. Die Flächen sollten für den Anbau von Zuckerrüben geeignet sein, das heißt gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt sein und einigermaßen eben.
Die Südzucker AG zahlt für die Biorüben nach einem vom Marktpreis unabhängigen Festpreismodell: 2019 kommen für Rüben mit einem bereinigten Zuckergehalt von 16 % zum Grundpreis von 90 €/t eine Treue- oder Einstiegsprämie von 10 €/t, eine lieferzeitabhängige Frühlieferprämie von 10,53 €/t (z. B. bei Lieferung am 15. 9.) und ein Bonus für unkrautfreie Lieferung von 5,00 €/t dazu. Mit allen Prämien würde der Landwirt dann 115,53 €/t Rüben bekommen. Wie bei den konventionellen Rüben auch, trägt er ein Viertel der Transportkosten. Bei einem Transport über 200 Kilometer, etwa von Plattling nach Rain, wo die Rüben verarbeitet werden, wären das etwa 4,50 €/t.
Wer Rüben an die Südzucker liefern möchte, muss ein Lieferrecht kaufen oder pachten. Beim Kaufen müssen je ha Rübenanbau mehrere Tausend Euro pro Hektar investiert werden. Das Kapital ist allerdings gut angelegt, findet Kirchberger, da derzeit die Zeichnungen und Lieferrechte mit 4 Prozent gut verzinst werden. Es bietet sich für Einsteiger aber die Möglichkeit an, Lieferrechte günstig zu nutzen.
Für Landwirte, die ihren Betrieb auf Bio umstellen wollen, bietet die Südzucker an, einen Testanbau zu unterstützen. Für 50 t Rüben aus der Umstellungsfläche bezahlt sie rückwirkend einen Bonus von 60 €/t zu dem Preis von konventionellen Rüben. „Im Anbau von Biorüben ist das Unkraut die größte Herausforderung“, sagt Kirchberger. Wer umstellen möchte muss zeigen, dass er das im Griff habe. Er rechnet mit einem Zeitaufwand von 100 bis 200 Stunden, um die Felder frei von Unkraut zu halten. Demeter-Landwirt Max Apfelbeck aus Kleinweichs (Kreis Deggendorf) geht eher von 250 Arbeitsstunden aus, um den Unkrautdruck niedrig zu halten. Je nach Fruchtfolge sei das aber sehr unterschiedlich. Kartoffeln in der Fruchtfolge beispielsweise erhöhen den Unkrautdruck. Die Südzuckerprämie von 60 €/t für Umsteller sollen den Hackaufwand belohnen.
Durchschnittlich rechnet Kirchberger bei Biorüben mit einem Ertrag von rund 50 t Rüben/ha und einem Zuckergehalt zwischen 16,4 % und 18,4 %. Der Ertrag hängt sehr davon ab, wie viele Beikräuter auf dem Feld wachsen. 2017 hatten Landwirte Erträge zwischen drei und 100 t Rüben/ha, durchschnittlich 52 t/ha und einen Zuckergehalt von 17,4 %. Für Biorüben empfiehlt Kirchberger eine fünfjährige Fruchtfolge. Etwa Kleegras-Weizen-Zuckerrübe-Leguminosen-Getreide.
„Wir haben derzeit mehr Nachfrage nach Biozucker, als wir befriedigen können“, erklärt Benjamin Kirchberger. Viele Verarbeiter setzen auf „bio und regional“ und verarbeiten lieber Rübenzucker aus Deutschland als Rohrzucker aus Übersee. Biozucker aus Zuckerrohr sei zwar günstiger, doch Biozucker aus Europa sei konkurrenzfähig weil das Angebot an Rohrzucker schwanke und die Verarbeiter den Zucker zum Teil nachreinigen müssen, damit die Süßwaren immer gleich schmecken.
Wer Produkte mit einem Regional-Siegel vermarkte, müsse den Zucker auch in der Region kaufen. Wer Interesse hat, Biorüben an die Südzucker zu liefern, kann sich bei der Südzucker-Fabrik in Plattling mit Benjamin Kirchberger in Verbindung setzen. „Wir würden uns freuen, wenn wir für 2019 schon 500 Hektar Bio-Anbaufläche zusammen bekämen und die Fabrik in Rain vier oder fünf Tage Biozucker verarbeiten könnte“, meint Kirchberger.