Tagung

Biogas: Beregnung als Alternative

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Christian Melis
am Montag, 06.05.2019 - 12:11

42. Niederbayerischer Biogas-Praxistag auf dem Laubenbacher-Betrieb in Reisbach.

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Beregnen statt rühren: so lautet die Devise in der Biogasanlage von Thomas Laubenbacher in Lerchenberg in der Gemeinde Reisbach (Landkreis Dingolfing-Landau). Dort fand jetzt die Besichtigung seiner Anlage im Rahmen des 42. Niederbayerischen Biogas-Praxistages statt. Unter den Teilnehmern befanden sich Franz Winkler, Regionalgruppensprecher des Fachverbandes Biogas, Regionalreferent Markus Bäuml sowie Robert Wagner, Abteilungsleiter von C.A.R.M.E.N. e.V. Straubing (Centrales Agrar-Rohstoff Marketing und Energie-Netzwerk im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe) sowie Stephan Obermaier, Wasser-, Boden- und Emissionsschutzbeauftragter am AELF Straubing. Neben der Besichtigung der auf ein „System Sauter“ umgebauten Anlage gab es zudem eine Vorführung der Gülleverschlauchung am benachbarten Acker des Betreibers.
Thomas Laubenbacher betreibt eine 1,5 MW-Anlage mit 600 KW Bemessungsleistung. Fünf Blockheizkraftwerke in Satellitenstruktur befinden sich an zwei Standorten. Durch das Wärmenetz werden knapp 20 Haushalte im benachbarten Dorf Altersberg beheizt. Seine Biogasanlage hat er im Jahr 2004 errichtet. „Ich bin gleich voll eingestiegen mit 500 kW“, erklärte er seinen Zuhörern. Auf dem Status ist er bis heute geblieben. Doch mit dem System sei er nie richtig glücklich gewesen. 2010 hat er mit der Gülleverschlauchung begonnen. Über den Vertrieb von rund 35 Anlagen stieß er immer wieder auf Sauter-Anlagen. Schließlich war sein „Leidensdruck“ so groß, dass er sich zu einer technologischen Umstellung im Rahmen einer ohnehin anstehenden größeren Inspektion entschied.
Umgebaut wurde die Biogasanlage im Winter 2017/18. Das Beregnungssystem, so sein bisheriges Fazit, ist „charmant einfach“. Die Anlage umfasst zwei Fermenter, zwei Nachgärer und ein Endlager. Aufgrund energetischer Einsparungen werden sich laut Laubenbacher die Umrüstungskosten amortisieren. „Wir sind mit dem Stromverbrauch heruntergekommen“, so der Anlagenbetreiber.

Es muss nicht schön sein wie im Rührwerk

Die Umbau-Aktion koste also zumindest kein Geld, wenngleich ihm eine mögliche Förderung nicht bekannt war. Die Anlage wird im Wesentlichen „gefüttert“ mit Stroh, Gras und Körnermais. Es werde aber auch viel Schweinegülle eingesetzt, weshalb der Gärrest sehr flüssig sei.
Doch vom Materialabbau ist Laubenbacher „sehr begeistert“. In einer Rühranlage sei die Gasbeladung geringer, bei der Beregnung dagegen stets hoch. Eine teils latente Schwimmdecke sei durch die Beregnung kein Problem, „das muss nicht so schön sein wie in einem Rührwerk“, sagte er zum vorhandenen Material. Bei einem Rundgang wurden schließlich der Fermenter, der Nachgärer sowie der Motorenraum mit Steuerung besichtigt.
Seit 2010, in der neunten Saison, betreibt Thomas Laubenbacher auch die Gülleverschlauchung und fährt dabei zweigleisig. Auf großen Feldern setzt er eine Containeranlage mit Aufbaumotor und Kompressor ein, die zweite Anlage arbeitet mit Zubringern: zwei 25 Kubikmeter fassende Fässer. Insgesamt bewirtschaftet der Land- und Energiewirt rund 240 Hektar auf 85 Feldern. Für kleinere Flecken werden die Güllefässer angefahren und über Schlauchleitungen direkt an den Grubber geleitet. Der Vorteil dieser Methode: Die Ausbringung ist emissionsfrei und erfüllt die immer strengeren Anforderungen des Gesetzgebers. Der Grubber öffnet den Boden, die Gülle fließt unscheinbar in die Öffnungen, Nährstoffe lassen sich somit gezielter auf dem Acker ausbringen.
Im theoretischen Teil beschäftigten sich die Teilnehmer im Anschluss im Gasthaus „Vilstaler Hof“ in Rottersdorf mit der Bekämpfung von Schwimmschichten. Dazu berichtete Dr. Matthias Gerhardt, Geschäftsführer der Firma Biopract Berlin, über ein praxisnahes Testsystem zur Ermittlung geeigneter Additive für die Biogasanlage. Gerhardt stellte sein Konzept vor, mit dem es möglich ist, entstandene Schwimmdecken in Biogasfermentern aufzulösen. Dazu nimmt er Proben und führt im Labor Versuche durch.

Enzymkonzept hat sich in der Praxis bewährt

Kern des Konzeptes ist der Einsatz von Enzymen, welche die Ligninstrukturen der Pflanzen zerstört. Dieses Konzept habe sich in der Praxis bewährt.
Thomas Laubenbacher, der Betriebsleiter der Biogasanlage, berichtete noch ausführlich über seine Erfahrungen mit der Gülleverschlauchung und dem Umbau der Biogasanlage auf das System Sauter, stellte den Werdegang der Umstellung auf Beregnung vor und stand seinen Kollegen Rede und Antwort. Stefan Sauter, Geschäftsführer der Firma System Sauter Biogas, stellte dar, wie er zu diesem Konzept „Beregnen statt rühren“ kam. Als Sohn eines Biogasanlagenbetreibers habe er beobachtet, dass die Beregnung sinnvoll und durchaus eine nachdenkenswerte Alternative für Anlagenbetreiber sein könnte.