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Jubiläum

Mit Bildung die Welt verändern

Die Zukunft im Blick: Zeitgemäße Themen wie die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen und Nahrungsmitteln fanden großes Interesse am Tag der offenen Tür.
Wilhelm Kolb
am Donnerstag, 27.10.2022 - 08:40

Bildung braucht Zeit: Die Landwirtschaftsschule Pfarrkirchen feiert ihr 150-jähriges Bestehen.

Interessante Podiumsdiskussion mit (v. l.) VlF-Vorstand Karl Erhart, Kreisbäuerin Paula Hochholzer, stellvertretende Landrätin Edeltraud Plattner, Schulleiterin Rosemarie Thalhammer, MdL Martin Wagle und Pfarrkirchens Bürgermeister Wolfgang Beißmann.

Pfarrkirchen/Lks. Rottal-Inn Bei der Feier zum 150-jährigen Jubiläum der staatl. Landwirtschaftsschule Pfarrkirchen hielt Ministerialrat Dr. Michael Karrer, Referatsleiter Bildung und Schulwesen in der Agrarwirtschaft und im Gartenbau am Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, seine Festrede unter dem Leitsatz „Eine Schule mit Zukunft!“.

Die Schulleiterin, Hauswirtschaftsdirektorin Rosemarie Thalhammer, begrüßte zur Geburtstagsfeier die vielen Gäste im Pfarrkirchner Kolpingsaal: „Heute ist ein willkommener Anlass, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen“, betonte Thalhammer. Die Tage der offenen Tür seien deshalb umfangreicher als bei der Hauswirtschaft sonst üblich und um die Landwirtschaft erweitert.

Bildung braucht Zeit: 150 Jahre Erfolgsgeschichte

Ministerialrat Dr. Michael Karrer ist davon überzeugt, dass gute Bildung mehr Zeit erfordert.

Leitender Landwirtschaftsdirektor Josef Eichenseer, Leiter des AELF Landau a. d. Isar-Pfarrkirchen und von 2005 bis 2021 Schulleiter in Pfarrkirchen, bot einen interessanten Rückblick auf „150 Jahre Landwirtschaftsschule Pfarrkirchen“ – letztlich eine Erfolgsgeschichte.

Ministerialrat Dr. Michael Karrer setzte schon mit dem Leitgedanken seiner Rede, „Eine Schule mit Zukunft!“ ein Zeichen und machte klar: „Um in die Zukunft zu schauen, ist es ganz wichtig, auch in die Vergangenheit zu blicken und Zusammenhänge zu sehen“. Vom Zitat des damaligen Landwirtschaftsministers Dr. Alois Schlögl an – „Die wirtschaftlichen und technischen Wandlungen im Landbau im 18. Jahrhundert ließen die Frage nach der fachlichen Ausbildung des Landvolkes entstehen und bis heute nicht wieder zur Ruhe kommen“ – prägte der Faktor Zeit seine Ausführungen: Zur Frage nach der fachlichen Ausbildung, z. B. angesichts Herausforderungen wie Klimawandel oder gesellschaftliche Belange, die heute mehr Raum an den Landwirtschaftsschulen brauchen, stellte er als Bildungsreferent folglich fest: „Bildung braucht Zeit!“

Richtiges Handeln und wichtige Entscheidungen

Die immer komplexere und vielfältigere Landwirtschaft müsse sich auch im Unterricht abbilden, erklärte Karrer. Denn die Landwirtinnen und Landwirte hätten heute als Unternehmerinnen und Unternehmer nicht nur fachlich richtig zu handeln, sondern auch weitreichendere Entscheidungen zu treffen – also mehr denn je strategisch zu denken und dabei Wirtschaftlichkeit, Anforderungen der Gesellschaft, technologische Neuerungen, Umweltaspekte und die Gesetzgebung einzubeziehen; zudem müsse man auf die Ziele der Familie schauen, Entscheidungen gemeinsam absprechen und die Arbeitsbelastung aller beachten.

„Die Grundlagen dafür in unseren Schulen bestmöglich zu vermitteln, benötigt Zeit“, betonte der Ministerialrat – also mehr Unterrichtsstunden für „Produktionstechnik“ und „Kommunikation“, Intensivierung der Vorbereitung zur Meisterprüfung, stärkere Verzahnung von Landwirtschaftsschule (LWS) und Höherer Landbauschule (HLS). Schulversuche dazu laufen.

Der LWS Pfarrkirchen wünschte Ministerialrat Karrer für die nächsten 25 Jahre jährlich 25 feste Anmeldungen für ein 1. Semester. Er übermittelte auch von Staatsministerin Michaela Kaniber Glückwünsche zum Jubiläum und beste Wünsche für die Zukunft.

Die Grußworte waren als eine von Schulleiterin Rosemarie Thalhammer moderierte Podiumsrunde gestaltet: MdL Martin Wagle, stellv. Landrätin Edeltraud Plattner, Bürgermeister Wolfgang Beißmann, Kreisbäuerin Paula Hochholzer und VlF-Kreisvorsitzender Karl Erhart gratulierten zum LWS-Jubiläum, gaben der Schule beste Wünsche für die Zukunft mit – und nahmen Stellung zu diversen Aspekten der Bedeutung der landwirtschaftlichen Bildung, die, darin war man sich einig, gerade in der Region an Rott und Inn auch künftig unverzichtbar ist, weil hier die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft ist.

Gutes Altes bewahren – besseres Neues anpacken

Nach der Vorführung des neuen Imagefilms der LWS und der Vorstellung der Angebote durch die Studierenden Katharina Heller und Christoph Donharl dankte die Schulleiterin allen Beteiligten. Für das Schlusswort ließ sie sich von einem Mandela-Zitat inspirieren: „Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern“. Thalhammer sagte: „Auch die Landwirtschaftsschule hat einen Bildungsauftrag und verändert die Welt im Kleinen – sie unterstützt Landwirtschaft und Hauswirtschaft bei den notwendigen Veränderungen mit Blick auf die Werte der Nachhaltigkeit und des Ressourcenschutzes“. Die Kunst dabei sei, „gutes Altes zu bewahren und den Mut zu haben, neues Besseres anzupacken“, so die Schulleiterin. Wilhelm Kolb