Nitratbelastung

Wer bestimmt Rote Gebiete?

Melanie Bäumel-Schachtner
am Montag, 07.12.2020 - 09:30

Der Bauernverband Passau kann und will Entscheidungen zur Gebietsausweisung nicht nachvollziehen.

Die Landwirte im Landkreis Passau machen mobil gegen die Düngeverordnung. Bei einem Termin von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in Vilshofen haben BBV-Kreisobmann Hans Koller und einige Mitstreiter dem stellvertretenden Ministerpräsidenten einen offenen Brief übergeben. „Wir versuchen so, Gehör zu finden“, machte Koller klar. Beim Minister stieß die Abordnung aus der Landwirtschaft auf offene Ohren, er nahm sich Zeit, die Anliegen anzuhören und nahm den Brief gerne mit nach München, um ihn dort nach seinen Worten zu studieren.

Willkür ohne eine gesetzliche Grundlage?

In dem Schreiben, das dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt vorliegt, machen die Landwirte deutlich, dass es für sie unverständlich ist, dass landwirtschaftliche Flächen in neun Gemeinden im Landkreis Passau aufgrund der Düngeverordnungsreform zum „Roten Gebiet“ erklärt wurden.

Dies sei nach ihren Eindrücken willkürlich und ohne eine gesetzliche Grundlage geschehen. „In allen betroffenen Gemeinden findet sich unseres Wissens keine Messstelle, welche irgendwelche Grenzwerte bei Nitrat überschreitet.“

Die Frage an den Minister lautete jetzt ob ihm andere Messergebnisse für diesen Bereich bekannt seien und wenn ja, aus welchen Quellen diese Zahlen dann stammen würden.

Messpunkte liegen nicht im Landkreis Passau

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Nach Recherche der Landwirte seien die maßgebenden belastenden Messpunkte alle nicht im Landkreis Passau, erklärten sie Aiwanger: „Jedoch sind unsere Grundwasserkörper aufgrund einer mangelhaften Messstellendichte nicht regionalisierbar.“ Koller bat den Minister zu überprüfen, ob dies den Tatsachen entspricht und zeigte von vornherein: „Falls dies der Fall ist, kann das von unserer Seite nicht hingenommen werden.“ Aiwanger versprach, sich um den Sachverhalt zu kümmern. „Uns würde brennend interessieren, warum wir zum Roten Gebiet erklärt wurden. Denn wir können uns nicht vorstellen, dass es hier nachvollziehbare Gründe gibt“, ist sich Passaus BBV-Obmann sicher. Man werde im Sinne der betroffenen Landwirte hier weiter am Ball bleiben.