Reportage

Beste Zutaten für bestes Bier

Markus Bauer
am Montag, 11.01.2021 - 09:10

Josef Goss aus Deuerling ist Landwirt und vielfach prämierter Bräu.

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„Vom Halm ins Glas aus einer Hand und alles aus der Region!“ Diese Prämisse steht bei Josef Goss sen. (57) ganz oben.

Dass dies kein Sonntagsspruch ist, sondern tägliche Praxis, beweisen viele Auszeichnungen (World Beer Cup, European Beer Star Award), die der Diplom-Brautechniker, Land- und Forstwirt in jüngster Vergangenheit vor allem für sein Märzen-Bier eingefahren hat.

Die Basis für diese Erfolge liegt seiner eigenen Überzeugung nach zu einem großen Teil in den Rohstoffen des Bieres. Den wesentlichen Grundstoff, die später zu Malz verarbeitete Braugerste, baut Goss als Landwirt selbst an. Mit dem Bildungsprogramm Landwirt (BiLa) hat er sich in den Bereichen intensiv fortgebildet, die er als Nebenerwerbsbauer für seine Zwecke braucht.

Tradition seit 1877 für Brauerei und Gasthaus

Seit 1877 sind die Brauerei und der Brauereigasthof im Besitz der Familie Goss. Dazu gehört auch eine Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht, beides zu einem guten Teil auch für den eigenen Bedarf.

„Im Jahr 1968 kam das Großvieh weg. Einige Zeit hatten wir noch Schweinehaltung, die aber dann aus personellen und Platzgründen auch aufgegeben wurde“, blickt Goss zurück.

Geblieben ist bis heute der Ackerbau auf 30 Hektar um Deuerling, den Josef Goss und sein Sohn Josef betreiben.

Braugerste kommt aus kontrolliertem Anbau

„Die Braugerste wird zum großen Teil im eigenen Ackerbaubetrieb, der nach den Richtlinien des kontrollierten Anbaus geführt wird, angebaut und dann in Regensburg in der Mälzerei Herrmann vermälzt“, ist auf der Homepage der Brauerei zu lesen.

Um Josefi – dem Vornamensgedenktag der beiden Goss-Männer – steht das Säen der „Steffi“ (Sorte der Braugerste) an. „Unsere kargen Jurahöhen und -hänge sind gut geeignet für den Anbau von Braugerste“, erläutert der Nebenerwerbslandwirt. Die Gerste macht 50 % der angebauten Feldfrüchte aus.

Außerdem wachsen auf den Feldern Brauweizen, der an Mälzereien geht, und Sojabohnen, die als Viehfutter über die Bayernhof GmbH vermarktet werden. Zwei Traktoren und Standardmaschinen für den Ackerbau stehen bereit.

Der beim Brauen anfallende Treber gelangt in den Kreislauf als Tierfutter zurück.

Waldbewirtschaftung und Hackschnitzelanlage

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Doch nicht nur der Landwirtschaft fühlen sich Josef Goss senior und junior verpflichtet. Auch der Forst spielt eine Rolle. Familie Goss besitzt 40 ha Wald. Als Mitglied der Waldbesitzervereinigung Hemau vermarktet der Betrieb über diese auch Schnittholz. Neben der Fichte wachsen im Goss-Wald Douglasien, Tannen und Lärchen, um dem Klimawandel (Waldumbau) positiv zu begegnen.

Aber auch auf andere Weise wird das Holz genutzt: in einem separaten Raum steht eine große Hackschnitzelheizung mit einem 240-Kilowatt-Kessel, die Wärme für die Betriebsgebäude und die Brauerei liefert. Über eine Fernwärmeleitung werden zudem die Grundschule, der Kindergarten, die Kinderkrippe und einige Privathäuser in der Kummune mit Energie versorgt.

Außerdem wird der Strom der Photovoltaikanlage zu 95 % im eigenen Betrieb verbraucht.

Naturtrübes Märzenradler als neue Kreation

Zurück zum eigentlichen Produkt, dem Gerstensaft: Die traditionellen Sorten sind das Helle (Stammwürze 11,7 %, Alkoholgehalt 5,0 %) und das Märzen (13,5 %/5,5 %).

Seit 20 Jahren gehört das Pils (11,7 %/5,0 %) zum Sortiment. Seit Sommer 2020 gibt es das naturtrübe Märzenradler. In der kalten Jahreszeit steht der Helle Bock (16,3 %/6,8 %) im Angebot. Dazu kommt ein Dunkler Bock zur Starkbierzeit und zur „Allerweltskirchweih“ ein spezielles „Kirta-Bier“ von Ende September bis Ende Oktober.

Der jährliche Bierausstoß beträgt circa 3800 Hektoliter, das Goss-Bier ist vor allem in einem Umkreis von 20 km rund um Deuerling verbreitet, selbstverständlich auch in Getränkemärkten. Zwölf Gasthäuser in der Umgebung Deuerlings, aber auch ein Lokal südlich von Regensburg, werden beliefert.

Reinheitsgebot und gutes Essen im Brauerei-Gasthof

Tradition wird bei der Brauerei Goss also großgeschrieben. Zum Namenstag der zwei Brauer gibt es am oder um den 19. März die Josefi-Feier mit dem Ausschank des dunklen Bock.

Zudem ist Goss sen. ein überzeugter „Privatbrauer“ und eingefleischter Verfechter des Reinheitsgebots. „Das ist auch für uns extrem wichtig und wir wollen daran festhalten.“

Aber er ist auch stark an allen politischen Ebenen interessiert. Seit 1996 ist er im Gemeinderat und gestaltet so das Leben seiner Heimatgemeinde Deuerling mit.

Und was wäre ein gutes Bier ohne ein schmackhaftes Essen. Das gibt es im Brauerei-Gasthof – vor allem regionale Küche im Holzofen gekocht. Immer wieder stehen auch „bierige“ Gerichte auf der Speisekarte: Deuerlinger Bierfleisch mit Hansgirgeln, Suppe aus Weizenbier, Biergulasch, Apfelküchel in Bierteig mit Vanilleeis.

„Wir bleiben bei den traditionellen Sorten“

Durchaus also Experimentierfreudigkeit. Gilt das auch für das Bier? „Wir waren schon immer eine handwerklich geführte Brauerei“, stellt Josef Goss sen. – auch in Bezug auf die Diskussion um „Craft-Biere“ – fest. „Wir kommen auch ohne stark gehopfte oder besondere Biere aus. Wir bleiben bei den traditionellen Sorten“, lautet das Credo der Deuerlinger Traditionsbrauerei.

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