Niederbayern

Ein besonderer botanischer Garten

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Hans Nöbauer
am Montag, 05.10.2020 - 17:06

Die Ruhstorfer LfL-Zweigstelle präsentiert eine außergewöhnliche Pflanzenwelt - die ganze Vielfalt an Energie-, Faser-, Gewürz- und Heilpflanzen.

Seinem griechischen Wortursprung nach bedeutet der Begriff „botanikós“ so viel wie (Futter-)Pflanze: Der neu geschaffene „Botanische Garten“ der Zweigstelle Ruhstorf der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), nur ganze 200 Meter Luftlinie von der Ruhstorfer Marienkirche entfernt, gleicht schon nach wenigen Jahren einem kleinen Naturparadies, das Interessenten überdies kostenfrei zur Verfügung steht.

Wohlriechende Kamillen, goldgelbe Sylphie-Blütenkelche, dornenbewehrte Färberdisteln und sanft im Herbstwind raschelnde Maisblätter: Verständlich beschriftet und reich bebildert vermitteln am „Informations- und Demonstrationszentrum für Energie-, Faser-, Heil- und Gewürzpflanzen plus Bioökonomie“ unterschiedlichste Gewächse die breitgefächerte Vielfalt heimischer Agrarkulturen, erstmals von einem LfL-Team offiziell präsentiert.

Hunderte Schauparzellen

Zur „Optimierung eines umfangreichen Wissenstransfers“ seien hunderte Schauparzellen für verschiedene Kulturen der klassischen Landwirtschaft, nicht minder aber auch der Bioökonomie sowie der Biodiversität geschaffen worden, führte Agraringenieur Thomas Kuntscher aus. Dieser botanische Garten bilde ein tolles Angebot für Besucher vom Kindes- bis zum Seniorenalter. Um die Landwirtschaft und deren Möglichkeiten besser kennen zu lernen, wird nach den Worten des Energiepflanzen-Projektleiters außerdem das Angebot ständig erweitert.

Dr. Joachim Eder, stellvertretender Leiter des Freisinger LfL-Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung und zugleich Vertreter des Ruhstorfer Standortleiters Robert Brandhuber, verschaffte den Rundgang-Teilnehmern einen individuellen Eindruck von den vielfältigen dargestellten Kulturen. Der Pflanzenzucht-Spezialist erläuterte dabei vor allem die aktuellen in Ruhstorf bearbeiteten Forschungsthemen an der LfL-Zweigstelle mit besonderem Blick auf den pflanzenbaulichen Bereich.

Die meisten sind Dauerkulturen

Vor der Präsentation verschiedener Kulturen des Straubinger Kooperationspartners Technologie- und Förderzentrum (TFZ) erläuterte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Lena Förster speziell dessen Hauptaufgabe: die Bereitstellung und Nutzung von Energieträgern und Reststoffen aus der Land- und Forstwirtschaft durch anwendungsorientierte Forschung und Wissenstransfer in die Praxis nachhaltig voranzubringen. Die Schwerpunkte der Abteilung „Rohstoffpflanzen und Stoffflüsse“ erstreckten sich auf die Prüfung neuer Energie- und Rohstoffpflanzen für die Bioökonomie sowie die Weiterentwicklung von passenden Produktionstechniken.

Lena Förster ging genauer auf Dauerkulturen ein, die einen Großteil der TFZ-Forschungskulturen ausmachten. Diese reduzierten durch kontinuierlichen Flächenbewuchs und meist intensive Durchwurzelung das Risiko für Bodenerosion und Nährstoffauswaschung. Durch die mehr- bis vieljährige Bestandsnutzung könne nach dem Ansaatjahr auf Bodenbearbeitungs-Maßnahmen verzichtet werden.

Die wahre Freude für Insekten

Der besondere Fokus lag bei der Darstellung auf der Durchwachsenen Silphie, da sie hohe Biomasseerträge liefern könne. Zudem bilde sie von Anfang Juli bis in den September hinein immer wieder neue Blüten, die sowohl Honigbienen als auch wildlebenden Bestäubern wie Hummeln und Schwebfliegen als zusätzliche Nahrungsquelle dienten, führte Förster aus. Das „Switchgras“ hingegen zeige sich als sehr trockentolerant und könne deshalb interessant für leichte Böden und niederschlagsarme Standorte sein.

Einjährige Kulturen wie speziell der Buchweizen könnten Fruchtfolgen auflockern. Vielfältige Fruchtfolgen seien eine bedeutende Voraussetzung für den nachhaltigen und langfristig erfolgreichen Ackerbau.

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