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Wolfsmanagement

Bauerntag in Betzenstein: Wolf nicht verniedlichen

Wolf
Stephan Herbert Fuchs
am Mittwoch, 16.03.2022 - 08:43

Die Wolfspopulationen und damit auch die Übergriffe auf Nutztiere sind in den zurückliegenden Jahren in Deutschland exorbitant angestiegen.

Beim Betzensteiner Online-Bauerntag sprach Philip Bust, Referent für Jagd und Wildtiermanagement beim BBV, von einer bundesweit jährlichen Zuwachsrate an Wölfen um 30 Prozent. Das bedeutet, dass sich die Population aktuell gut alle drei Jahre verdoppelt.

Die Zahl der Wölfe in Deutschland wird seinen Worten zufolge auf rund 2700 geschätzt. Im Vorjahr seien es noch 1500 Wölfe gewesen. Die Nutztierrisse bezifferte Bust auf 4000, was einer Zunahme um rund 1000 gleichkommt.

Mehrere Rißvorfälle in der Region

Zweifel an diesen Zahlen hat der Landwirt Christian Leißner aus Illafeld bei Betzenstein. „Die Zahlen sind massiv untertrieben“, findet er. In seinem Wildgehege war es vor ziemlich genau einem Jahr zur Katastrophe gekommen. Dort wurden 18 gerissene Tiere aufgefunden, in einem Gehege im nur zwei Kilometer entfernten Riegelstein weitere sieben tote Tiere. Experten waren sich sicher, dass das Damwild einem oder mehreren Wölfen zum Opfer gefallen ist. Bei dem Vorfall waren allen Tieren die Kehlen durchgebissen worden.

Der Schock sitzt bei dem Landwirt noch immer tief. Zwar hat er sein Gehege mittlerweile mit Schutzzäunen abgesichert, was rund 40 000 Euro kostete. Dafür habe er eine großzügige Förderung bekommen, doch habe er den Betrag komplett vorfinanzieren müssen. Leißner äußert auch Zweifel daran, dass es nach amtlichen Angaben derzeit nur acht Wölfe im Veldensteiner Forst gibt. Erst vor wenigen Tagen seien 14 Tiere nahezu gleichzeitig dokumentiert worden. Allein in den zurückliegenden Wochen habe es zwei Vorfälle gegeben, einmal sei ein Hundehalter von einem Wolf angegriffen worden, das andere Mal hätten zwei Radfahrerinnen am helllichten Tag Hals über Kopf flüchten müssen.

Durch Beweissicherung glaubwürdige Fakten schaffen

Für den Bayreuther BBV-Kreisobmann Karl Lappe steht deshalb fest, dass mehr Beweissicherungen etwa durch Fotofallen notwendig sind, um mit glaubhaften Fakten in der Diskussion bestehen zu können. „Noch immer wird der Wolf viel zu sehr verniedlicht“, findet Lappe. Er befürchtet, dass es noch schlimmer kommen wird.

Anträge auf Schutzzäune wurden genehmigt

Nach den Worten von Georg Dumpert, dem Leiter des Landwirtschaftsamtes Bayreuth-Münchberg, seien in seiner Behörde im zurückliegenden Jahr rund 150 Anträge auf die Förderung von Schutzzäunen eingegangen. Bis auf zwei habe man all diesen Anträgen stattgegeben.

„Doch nicht überall sind, beispielsweise aufgrund des steinigen Untergrundes, Umzäunungen möglich“, sagt der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif. Er befürchtet, dass die kleinen Weidetierhalter auf der Strecke bleiben werden, weil sie sich trotz der großzügigen Förderung weder Umzäunungen noch Schutzhunde leisten können.

Wolfssichere Zäune gibt es nur im Zoo

„Dazu kommt, dass es wirklich wolfssichere Zäune höchstens im Zoo gibt“, sagt BBV-Sprecher Philip Bust. Dort seien die Zäune 3,50 Meter hoch und hätten zusätzlich einen Überkletterschutz. Das sei in freier Wildbahn nicht machbar. Trotzdem appellierte er an die Landwirte und Wildtierhalter, Schutzzäune zu errichten.

Schon aufgrund der gesellschaftlichen Haltung hätten sich die Landwirte auf eine gewisse Koexistenz mit dem Wolf einzustellen. Das liege vor allem daran, dass es im urbanen Bereich ein sehr großes Lager an Wolfsbefürwortern gibt. Kernforderungen der eigens ins Leben gerufenen AG Wolf, der nicht nur der Bauernverband, sondern auch die Verbände der Schafhalter, Rinder- und Ziegenzüchter, die Reitverbände und der Hotel- und Gaststättenverband angehören, bleiben deshalb die Herabsetzung des Schutzstatus für Wölfe sowie unbürokratische Regelungen zur „Entnahme“, also zum Abschuss.
Auf Kreisebene soll es außerdem künftig lokale Ansprechpartner zur „Causa Wolf“ geben. Sie sollen Sichtungen dokumentieren und zwischen Betroffenen, Verbänden und Behörden vermitteln.