Lebensrealität

Ein Bauernhof ist kein Streichelzoo

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Melanie Bäumel-Schachtner
am Dienstag, 04.08.2020 - 10:21

MdB Max Straubinger diskutiert Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.

Viele Bürger mit nur wenig Ahnung

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Der Bundestagsabgeordnete Max Straubinger (CSU) ist nicht mit allen Punkten der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung glücklich. Deshalb informiert sich das Mitglied des Agrarausschusses derzeit vor Ort über die Probleme der Landwirte und kam zu einem Informationsbesuch zu Familie Franz nach Moosthenning. Auch dort gibt es Kritik an der Gesetzesnovelle.

Für Straubinger ist die Novelle durch gesellschaftspolitischen Druck entstanden. „Viele Bürger haben ganz einfach keine Ahnung von der Nutztierhaltung in der Praxis. Ein Bauernhof ist kein Streichelzoo“, machte er deutlich. Das neue Gesetz bedeute für Schweinehalter, dass mehr Fläche gebraucht wird, dem Landwirt mehr Kosten entstehen und auch mit dem Verlust von Ferkeln einhergehen werde. „Für den Markt ist das schlecht, denn wir stehen im Wettbewerb“, kritisierte er.

Bundesagrarministerin Klöckner (CDU) glaube an eine europäische Umsetzung des Tierwohlrechts, und dies sei auch ein Weg, den er persönlich favorisiere: „Das wäre das Beste, dann hätten alle Länder die gleichen Voraussetzungen.“ Nur acht Länder hätten derzeit Auflagen, die meisten längst nicht so streng wie Deutschland, und somit habe die Bundesrepublik einen Wettbewerbsnachteil. „Die Holländer und Dänen bestimmen den Markt.“

Staatliche Gelder als wichtige Hilfe notwendig

Straubinger sagte, die staatliche Förderung von Stallumbauten sei ein wichtiger Weg, nachdem diese Kastenstandverordnung in Kraft getreten sei. Es werde ein Programm von 300 Mio. € aufgelegt, um den Bauern finanzielle Hilfe zu geben. Landwirt Andreas Franz begrüßt dies und sagte, er wisse noch nicht, wie er den erforderlichen vermehrten Platz gewinnen könne, ohne den Bestand zu verkleinern und somit wirtschaftlich unrentabel zu werden. Am ausgelagerten Schweinestall unterliege er strengen Auflagen, die er so zwangsläufig übertreten müsste. Familie Franz hält 140 Zuchtsauen, hat 700 Ferkelaufzucht- und 1150 Mastschweineplätze. „Ich will nicht jammern und ich halte Tierwohl ebenso für sehr wichtig, aber ich habe noch keine Lösung und hoffe vor allem auf Planungssicherheit und Verlässlichkeit bei den Gesetzen, die die Bundesregierung erlässt“, so der 29-jährige Haupterwerbslandwirt.

Vor allem kleine und mittlere Betriebe betroffen

BBV-Kreisvorsitzender Friedhelm Dickow befürchtet wie auch Straubinger, die Gesetzesänderung werde vor allem den kleinen und mittleren Betrieben schaden.

In diesem Zusammenhang sprach sich der Bundestagsabgeordnete auch dafür aus, das Narkotikum Pocain weiter in der Ferkelkastration zu verwenden. Ab Januar darf nur noch mit dem Mittel Isofluran kastriert werden, weil dies angeblich das einzige Mittel sei, bei dem die Schmerzausschaltung gewährleistet sei. Straubinger bezweifelt dies und erklärt, dass Pocain im Haustierbereich durchaus als Anästhetikum eingesetzt werden darf: „Warum dann also nicht bei Ferkeln?“ Der Landwirt könne es leicht selbst anwenden und es sei nicht so gesundheitsgefährdend wie Isofluran – wenn dieses Gas entweiche und man keine Absauganlage habe, dann sei dies leberschädlich. Derzeit laufe eine wissenschaftliche Studie zu Pocain, die aber leider nicht zum Verbot ab 1. Januar fertig sei. Straubinger hofft, dass die Ergebnisse dann im Herbst bei den Beratungen in Berlin berücksichtigt werden können. Dickow sowie seine Stellvertreter Alfons Jänsch und Stefan Rothlehner, Kreisbäuerin Irene Waas und BBV-Geschäftsführerin Ingrid Ecker begrüßten dies beim Ortstermin.