Protest

Bauern wollen Wandel in der Politik

Protest
Eleonore Ladebeck
am Dienstag, 21.01.2020 - 08:52

Landwirte demonstrieren in Deggendorf bei Ehrenamtsveranstaltung mit Kanzlerin.

Eine Überarbeitung der Düngeverordnung und Maßnahmen gegen den Preisverfall ihrer Erzeugnisse forderten rund 200 Landwirte bei einer Demonstration anlässlich des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Deggendorf. Doch Entäuschung machte sich breit, als klar wurde, dass die Kanzlerin nicht persönlich mit den Landwirten sprach. Ursprünglich war eine größere Demo mit über 1000 Demonstranten geplant, jedoch verzichteten die Bauern aus Rücksichtnahme darauf, denn die Veranstaltung mit der Kanzlerin sollte dazu dienen, im Ehrenamt tätige Menschen zu würdigen.

MdB Thomas Erndl (CSU) erklärte, dass die Kanzlerin eben nicht wegen der Landwirte gekommen sei – was bei vielen der Bäuerinnen und Bauern auf Unverständnis stieß. Ministerpräsident Dr. Markus Söder nahm sich die Zeit, und er versicherte, dass er die Anliegen der Landwirte sehr ernst nehme. Auch kritisierte er, dass in Brasilien tausende Hektar Regenwald abgeholzt werden für die Rindererzeugung, und dieses Fleisch dann in Deutschland billig verkauft wird. „Das sind alles Dinge, die man bei jeder Rede des Ministerpräsidenten hört“, klagten einige der Bauern und äußerten, dass sie sich nicht mehr ernstgenommen fühlen von Politik und Gesellschaft.

Es geht um unsre Landwirtschaft

„Die Anliegen der Landwirte sind sehr dringlich“ erklärte Rainer Seidl von „Land schafft Verbindung“. Ganz oben stehe die Düngeverordnung, die dringlichst überarbeitet werden muss, den Fünf-Meter-Gewässerrandstreifen sehe man als Enteignung. Außerdem fordert die Vereinigung eine Erweiterung des Nitrat-Messstellennetzes zu einem repräsentativen Messnetz.

Söder versprach nach seiner 10-minütigen Rede, dass man sich den Fragen und Anliegen der Bauern stellen würde, „denn es gehe ja dabei um das Wohl unseres Landes.“ Auf die Frage von Rainer Seidl, wie es nun weitergehen solle und ob die Landwirte nun „Berufsdemonstranten“ werden sollen, entgegnete Ministerpräsident Söder: „Eure Demos machen Eindruck , das ist gut, denn so weiß die Gesellschaft, um was es geht, nämlich um unsere Landwirtschaft.“

Landwirten Achtung entgegenbringen

Merkel war zwar nicht bei den demonstrierenden Bauern, ging in ihrer Rede in der Deggendorfer Stadthalle aber, laut BR24, in einigen Sätzen auch auf die Landwirtschaft ein. „Die Bauern brauchen für ihre Produkte faire Preise und Berechenbarkeit in dem, was sie tun. Wenn wir regionale Produkte essen und kaufen wollen, dann müssen wir denen, die die Lebensmittel produzieren, Achtung und Ehre entgegenbringen und ihre Arbeit schätzen“, so Merkel. Die Bauern würden sich an Regeln halten und hätten eine gute Ausbildung. Man dürfe sie nicht unter Generalverdacht stellen.

Sehr zum Ärger von LSV-Organisator Rainer Seidl hatten sich einzelne Mitglieder der rechtsextremistischen Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ unter die demonstrierenden Landwirte gemischt. Diese verließen auf seine Aufforderung hin die Demo.