Waldbau

Die Bäume nicht nur umarmen

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Helga Gebendorfer
am Montag, 02.11.2020 - 10:48

MdL Petra Högl zu Besuch bei Waldbesitzern im Landkreis Kelheim.

Zu einer Forstbegehung lud Waldbesitzer Andreas Reisinger neben einer Reihe von Kollegen auch die Landtagsabgeordnete Petra Högl ein. Der Anlass: die Ablehnung von offenen Abschussregelungen sowie der Ausweitung der Jagdzeit für den Rehbock durch den Bayerischen Landesjagdverband (BJV). Hinzu kommt, dass der BJV laut einer Pressemitteilung der Überzeugung ist, dass es in Bayern keine künstlich überhöhten Wildbestände gibt.
Reisinger bewirtschaftet im Nebenerwerb einen Ackerbaubetrieb mit 8,5 ha Wald. Treffpunkt der eingeladenen Gäste war sein Betrieb, wo Zeit für eine Begrüßung und Vorstellungsrunde eingeräumt war. Mit dabei waren neben dem Gastgeber unter anderem die Waldbesitzer bzw. Jäger Jakob Lidl, Laaber, die Gebrüder Riepl, Thann bei Riedenburg, Rupert Schlauderer, Unterwendling. und Rupert Gruber, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Kelheim-Thaldorf, die die Politikerin herzlich willkommen hießen.

Gute Bejagung sichert die gute Waldverjüngung

Dann ging es hinaus in den Wald von Bernhard Schauer, um sich vor Ort ein Bild zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Gruppe sah dort wunderschöne Waldbilder als positive Beispiele und die Teilnehmer waren sichtlich begeistert. „Hier funktioniert die Naturverjüngung, weil die Bejagung angepasst ist“, stellte Reisinger fest und betonte in diesem Zusammenhang, dass die Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzer und Jäger vor Ort viel stärker in den Fokus rücken muss. Ihm lag genauso wie seinen Kollegen der Aufbau eines gesunden Mischwaldes für die Zukunft am Herzen.

Kosten für Zäune können nicht gestemmt werden

Doch müssen die Waldbesitzer auf eine Naturverjüngung bauen können, statt Aufforstungen einzäunen zu müssen. Bei den jetzigen Holzpreisen könnten die Kosten für Zäune nicht gestemmt werden. „Der Wald leidet nicht nur unter den Extremwetterereignissen, sondern auch durch zu viel Wild“, bekräftigten die Waldbauern.

Dringend gefragt sind höhere Abschussquoten

Deshalb forderten die Akteure die Landtagsabgeordnete auf, sich für höhere Abschussquoten für Rehe und eine Verkürzung der Schonzeit für den Rehbock einzusetzen. „Die Vorverlegung der Bockjagd vom 1. Mai auf 12. März wäre sinnvoll“, meinten sie. Die Waldbesitzer pflanzen mit viel Engagement klimaresistente Baumarten, doch das „viele Wild frisst alles weg“. Die Praktiker beklagten, dass häufig die offizielle Abschussquote nicht eingehalten wird. Neben dem Verbiss stelle das „Verfegen“ der Bäume durch die Rehböcke ein weiteres Problem dar, wobei mit Vorliebe vor allem Tannen, Linden und Douglasien ausgewählt werden. „Diese brauchen wir aber zur Stärkung des Waldes für den Klimawandel“, mahnten die Waldbesitzer.
Wenig Verständnis zeigten alle außerdem für die Fütterung des Wildes, die im Grunde nur in Notzeiten erlaubt ist. „Leider wird mancherorts tonnenweise Futter in den Wald gefahren“, so einer aus der Runde. Nutznießer sind hier dann zudem vor allem die Wildschweine. Als nutzloses Kontrollelement bezeichnete Waldbesitzer Schauer die Listen für das zur Strecke gebrachtes Wild ohne körperlichen Nachweis. Auch den traditionellen Trophäenschauen konnten die Teilnehmer nichts abgewinnen.

Rahmenbedingungen müssen geändert werden

Petra Högl zeigte Verständnis für die Sorgen und Nöte der Waldbesitzer. Sie befürwortete, neue Rahmenbedingungen zu setzen. So will nach ihrer Aussage der Freistaat bis 2024 etwa 30 Millionen Bäume pflanzen. „Zudem ist eine Waldprämie für die Eigentümer im Gespräch, wobei das Geld von der Bundes- und Landesregierung zur Verfügung gestellt werden soll“, informierte sie. Gleichzeitig gab Reisinger zu bedenken: „Es hilft aber nichts, Bäume zu umarmen. „Die preisgünstigste Methode, um klimaresistente Wälder zur Bewältigung der Klimakrise heranwachsen zu lassen, ist die Kugel“, lautete seine Meinung und bat die Landtagsabgeordnete die Probleme und Anregungen mit in den Landtag zu nehmen.