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Aushängeschild der Region

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Lorenz Märtl
am Montag, 02.09.2019 - 15:07

Der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt besucht zusammen mit BBV-Vertretern landwirtschaftliche Betriebe in Mossendorf und Kötschdorf.

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Dass die Landwirtschaft in der Oberpfalz nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert hat und trotz aller Widrigkeiten innovativ ist und Zukunftsperspektiven bietet, wurde auch heuer bei der traditionellen Informationsfahrt des BBV mit Regierungspräsident Axel Bartelt deutlich. BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz und Bezirksbäuerin Rita Blümel hatten mit den Betrieben von Barbara Weiherer in Mossendorf (Burglengenfeld) und Franz Baierl in Kötschdorf (Wernberg-Köblitz) zwei vorbildliche Beispiele ausgewählt.
Regierungspräsident Axel Bartelt, der vom Leiter der neuen Abteilung Landwirtschaft und Ernährung Johannes Hebauer begleitet wurde, verwies darauf, dass ihm ein gutes Miteinander mit der Landwirtschaft sehr am Herzen liege. Vor dem Hintergrund des Volksbegehrens wolle er mit seinem Besuch den Landwirten Rückendeckung geben und zum Ausdruck bringen, „dass es nicht sein darf, dass man ihnen den schwarzen Peter zuschiebt.“

Betrieb Weiherer

Dass Barbara Weiherer eine sehr charmante und überzeugende Botschafterin für die Landwirtschaft ist, hatte sie bereits im letzten Jahr als Vertreterin der Oberpfalz in der Landfrauenküche unter Beweis gestellt. Als Bäuerin auf dem „Simmernhof“ folgt sie einer Familientradition: Seit drei Generationen heiraten hier die Männer ein. In ihrem Fall ist es Simon, mit dem sie seit 2014 verheiratet ist. Zur Familie zählen zwischenzeitlich Anton (4) und Emil (2). Mit unter dem gleichen Dach leben noch ihre Eltern Rupert und Christa Marquart sowie die 95-jährige Oma Theresia Schwanzl.
Barbara Weiherer hat den Betrieb 2012 übernommen, bis dahin ein klassischer Milchviehbetrieb mit Anbindestall und als weiteres Standbein „Urlaub auf dem Bauernhof“. Weil sie mit ihrem Mann darin Potenzial sah, sollte dies der neue Einkommensschwerpunkt werden. Der alte Stall musste weichen und an seiner Stelle entstand ein Gästehaus mit 18 Betten in fünf Ferienwohnungen und zwei Doppelzimmern. Der Deutsche Tourismusverband hat das Gästehaus zwischenzeitlich mit fünf Sternen klassifiziert, Beweis dafür, dass auf Qualität besonderer Wert gelegt wird.
Ehemann Simon ist als gelernter Zimmerermeister zwar noch in Teilzeit in seinem Beruf tätig, aber zwischenzeitlich voll von der Landwirtschaft infiziert. „Mir war am Anfang nicht bewusst, dass mir Tiere so viel Freude machen“, erzählt er bei der Besichtigung der provisorisch zum Stall für eine kleine Angusherde umgebauten Scheune. In der Zwischenzeit hat man genügend Erfahrungen gesammelt und auch mit der Direktvermarktung des nachhaltig erzeugten Angusrindfleischs in 10 kg-Mischpaketen durchschlagenden Erfolg. Den will man weiter ausbauen. Dafür ist ein neuer Außenklimastall mit Futterlager und direktem Weidezugang für 20 Mutterkühe im Bau.
Barbara und Simon Weiherer sehen sich mit ihrem Betrieb an vorderster Front Aufklärung zu betreiben, denn ihre Gäste sind zugleich Verbraucher, die von den Zusammenhängen in der Landwirtschaft oft nur sehr wenig wissen. „Wir nehmen uns dafür gerne Zeit, nicht um die Leute zu belehren, sondern aufzuklären“, bringt es Barbara Weiherer auf den Punkt. Und sie resümiert, dass die Umstellung die richtige Entscheidung war. „Eines lebt vom anderen: Die Gäste wollen den Bauernhof und wir brauchen beides als Existenzgrundlage, denn von der landwirtschaftlichen Fläche, die seit dem 1. Januar 2019 biologisch bewirtschaftet wird, könnten wir nicht leben.“

Betrieb Baierl

Auf Ferkelerzeugung mit Ackerbau und Forst sowie Lohnarbeit setzt der Betrieb von Franz Baierl in Kötsch- dorf in der Gemeinde Wernberg-Köblitz, der am Nachmittag besucht wurde. Automatisierung auf der ganzen Linie im Bereich der Tierhaltung, ein beeindruckender Fuhrpark und Digitalisierung (Smart Farming) beim Ackerbau ermöglichen es, dass ein Betrieb dieser Größe momentan vom Betriebsleiter mit seiner Ehefrau und zukünftig Sohn Sebastian (ca. 0,3 AK) bewirtschaftet wird. „Ohne die zur Verfügung stehende Technik wäre das so nicht zu schaffen“, betont Franz Baierl. In den vollklimatisierten Ställen stehen aktuell 250 Zuchtsauen zur Ferkelaufzucht, wobei man seit 2006 auf einen geschlossenen Betrieb mit eigener Jungsauenaufzucht setzt. Von den jährlich 7000 Ferkeln gehen 70 % direkt zu einem regionalen Schweinemäster, der Rest wird über die Erzeugergemeinschaft Südbayern vermarktet. Die Trockenfütterung erfolgt mechanisiert, das Futter wird vollautomatisch aufbereitet.
Im Ackerbau setzt der Betrieb auf klassischen Marktfruchtbau, wobei das angebaute Getreide in der Ferkelerzeugung verfüttert und der angebaute Raps in die Vermarktung über den regionalen Markthandel geht. Bewirtschaftet werden auch 16 Hektar Wald, aus dem der Rohstoff für die Hackschnitzelheizung von Betrieb und Wohnhaus kommt.
Lohnarbeiten erfolgen vorwiegend im überbetrieblichen Mähdrusch. Sowohl hier als auch bei anderen Arbeiten im Ackerbau setzt man sehr stark auf Digitalisierung. Spurführung, Datenerfassung, Dokumentation und Auswertung zeigen auf, was möglich ist. Deutlich wurde aber auch, dass noch einiges in den Kinderschuhen steckt und die Tatsache, dass jeder Hersteller auf das eigene System setzt, das oft mit anderen nur schwer kompatibel ist, viele Landwirte noch zögern lässt. BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher zeigte sich überzeugt, dass dies zwar der Weg in die Zukunft ist, „aber die Systeme müssen noch bedienerfreundlicher werden.“
Betriebsleiter Baierl möchte die Vorteile, die er dadurch hat, nicht mehr missen. Er schätzt die Arbeitserleichterung, die alleine die automatische Spurführung ermöglicht: Überlappungen beim Ausbringen von Saatgut und Pflanzenschutz werden vermieden und damit Einsparungen erreicht. „Kompliment, dass Sie in Sachen Digitalisierung voran gehen und als Beispiel für andere deutlich machen, dass dies für viele die Zukunft ist“, betonte ein sichtlich beeindruckter Regierungspräsident.
Er habe bei den Besuchen wieder viel gelernt. „Ich will Bescheid wissen und der Landwirtschaft, die oft in eine Ecke gestellt wird, wo sie nicht hingehört, den Rücken stärken“, betonte Bartelt. Die Landwirtschaft sei für die Oberpfalz ein Aushängeschild „und das haben wir Landwirten wie ihnen zu verdanken“, meinte er in Richtung der besuchten Betriebe. Sein Dank galt aber auch der Spitze des BBV Oberpfalz. „Sie wissen, was ich sehen will, und suchen jedes Jahr die richtigen Betriebe aus.“ Präsident Josef Wutz, Direktor Peter Huber und Bezirksbäuerin Rita Blümel hörten dies gerne und unterstrichen die Wichtigkeit der Vielfalt.