Milchviehhaltung

Anbindehaltung: Wie geht es weiter?

Thumbnail
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Montag, 25.01.2021 - 11:59

Online-Seminare des Pfarrkirchner Rinderfachzentrums zeigen Wege auf. Größter Klotz sind die Kosten durch Neu- oder Umbauten.

„Milchviehhalter mit ganzjähriger Anbindehaltung – Wie geht´s weiter?“ Unter diesem Motto veranstaltete das Fachzentrum Rinderhaltung des AELF Pfarrkirchen eine Online-Informationsreihe. Der Schwerpunkt lag auf der Gestaltung von Weide und Laufhof bis hin zu einfachen und kostengünstigen Stallbaulösungen zur Weiterentwicklung kleiner und mittlerer Milchviehbetriebe. Thema waren auch Alternativen in der Milchviehhaltung.

Die Betriebsstrategie der einzelnen Betriebe ist sehr unterschiedlich. Doch eines ist klar: um den Milchviehbetrieb auch weiterhin wirtschaftlich und familiengerecht fortzuführen sind zukünftig Anpassungen in den Haltungsbedingungen notwendig. „Die besonders tiergerechte Haltung bei gleichzeitig verbesserter Arbeitsqualität spricht für die Laufstallhaltung von Milchkühen“, so Angela Dunst vom Fachzentrum Rinderhaltung bei ihren Ausführungen.

Baukosten hemmen Betriebsentwicklung

Gerade Milchviehbetriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung haben einen Rückstand bei den Investitionen zu verzeichnen. Die Betriebsentwicklung ist teilweise gebremst durch die extremen hohen Baukosten, mit denen sich die Betriebsleiterfamilien auseinandersetzen müssen. Im Durchschnitt kostet derzeit ein Stallplatz unter Neubausituation rd. 10500 € brutto (ohne Nachzucht). „In den meisten Fällen erfolgt somit die Stallbauplanung im Spannungsfeld zwischen Tierwohl, der Arbeitswirtschaft und dem Blick auf die Kosten und letztendlich das erzielbare Einkommen“, so die Analyse von Angela Dunst. Gerade die Fest- und Finanzierungskosten mit im Durchschnitt 10 ct/kg (bei 7.500 kg verkaufte Milch und Investitionskosten von 10.000 € /Stallplatz) würden die Produktion dauerhaft belasten. Gelänge es, 1.000 € pro Stallplatz einzusparen, werde die Milcherzeugung dauerhaft um 1 ct/kg günstiger. „Günstige Stallplatzkosten dürfen aber nicht zu Lasten der Arbeitswirtschaft gehen.

Ausreichend Zeit für die Planung nutzen

„Deshalb ist es wichtig, viel Zeit für die Planung, Ausschreibung und Bauorganisation zu investieren, denn nur so können die Bau- und Finanzierungskosten in einem akzeptablen Rahmen gehalten werden“, lautet der Rat der Expertin. Je höher die Investitionskosten bei einem Neu-, Um oder Anbau im Rahmen des bestehenden Bestandes sind, desto deutlicher ist die Gewinnsenkung wegen der anfallenden Abschreibungen. „Günstiger ist eine Aufstockung des Tierbestandes mit möglichst günstigen Investitionen, bei denen die höhere Abschreibung durch entsprechende Mehr-Einnahmen ausgeglichen werden kann“, so Dunst. Mögliche Alternativen zur Milchviehhaltung wie beispielsweise Mutterkuhhaltung, Rindermastverfahren und Kalbinnenaufzucht erzielen allerdings nur einen Teil des Gewinnbeitrages der Milchviehhaltung. „Die Milchkuh bleibt wohl alternativlos – und sorgt in guten bis sehr guten Milchviehbetrieben für das Einkommen des Betriebes“, ist Angela Dunst überzeugt.

Kombinationshaltung als mögliche Alternative

Rinderzentrum_b

Um aus der ganzjährigen Anbindehaltung herauszukommen, gibt es auch die sog. Kombinationshaltung. Dabei wird den Tieren an mind. 120 Tagen (90 Tage mit zusätzlichen Maßnahmen) Auslauf angeboten. Fachmann Florian Scharf vom Fachzentrum Rinderhaltung ging insbesondere auf die Weide ein. Die große Frage bei diesem System sei immer: Wieviel Fläche wird benötigt? „Dies hängt von der jeweiligen Weidestrategie ab. Von Vollweide bis zur Stundenweide ist alles möglich“, erklärte Scharf. Dementsprechend verhält es sich mit der Fläche. Bei Vollweide wäre rund 1 Tagwerk je Kuh nötig! Bei Stundenweide kann auch eine z.T. deutlich geringere Fläche ausreichen.

Anschließend ging Scharf auf grundlegende Maße im Milchviehstall ein. Besonders wichtig waren Ihm die Liegeboxen. Man dürfe auch beim Laufstall nicht vergessen, dass die Kühe ca. 13 bis 14 Stunden am Tag liegen. Um dies den Kühen zu ermöglichen, sind bestimmte Anforderungen an den Liegeplatz zu stellen.

Nicht unter Zeitdruck setzen lassen

Bauberater Johannes Mautner vom Fachzentrum stellte anhand verschiedener durchgeführter Baumaßnahmen mögliche Alternativen in der Planung vor. Er betonte, dass man sich dabei nicht an die durch Förderprogramme vorgeschriebenen Mindestmaße beschränken soll, sondern das Tierwohl, aber auch die eigenen Arbeitsbedingungen vorrangig betrachten muss. Zudem solle man sich auch durch Fördertermine nicht in Zeitdruck bringen lassen, sondern alle Aspekte ausreichend abwägen und sich Zeit nehmen die Maßnahme sauber durchzuplanen.

Nicht zu lange mit dem Förderantrag warten

Zum Ende der Veranstaltung stellte die Beratungsabteilung der örtlichen ÄELF die Förderkonditionen der bayerischen staatlichen Förderprogramme wie „Bayerisches Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL)“ und „Agrar-Investitionsförderprogramm (AFP)“ vor.
Im BaySL wird weiterhin die Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung bei Milchvieh gefördert. Neu ist, dass auch die Umstellung der Anbindehaltung auf eine andere Form der Milchviehhaltung, z.B. Rindermast oder Jungviehaufzucht, gefördert werden kann. Die Fördersätze liegen hier bei 30 Prozent von einem maximal förderfähigen Investitionssumme von 150.000 € (Laufstall Milchvieh) bzw. 100.000 € (Laufstall Rinder). Die Antragstellung im BaySL ist ganzjährig möglich. „Falls Interesse besteht, sollte frühzeitig Kontakt mit den zuständigen Mitarbeitern der Landwirtschaftsämter aufgenommen werden

Das Fachzentrum Rinderhaltung Pfarrkirchen bietet auch im Februar 2021 weitere Online-Schulungen zur Umstellung auf Laufstallhaltung an. Bei Interesse ist eine Anmeldung per E-Mail an poststelle@aelf-pk.bayern.de möglich.