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Runder Tisch

Aiwangers Aufruf: Zurück auf den Holzweg!

Holz und Hackschnitzel für ostbayerische Öfen: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (2.v.l.) und Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzer Verbands (4.v.l.), fordern zusammen mit den Teilnehmern der Holz-Tagung in Straubing ein Ende ideologischer Diskussionen“.
Melanie Bäumel-Schachtner
am Montag, 24.10.2022 - 08:22

Runder Tisch: Der bayerische Wirtschaftsminister hat sich mit einer Vielzahl von Vertretern der Verbände und der Wissenschaft rund um das Thema Holz am Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing getroffen, um zu diskutieren, wie der natürliche Energieträger noch stärker in den Fokus gerückt werden könnte. Der stellvertretende Ministerpräsident warnte zudem vor einer „ideologiegetriebenen Diskussion“ in Berlin, den Brennstoff zu verteufeln.

Rund 2,7 Millionen Haushalte mit einem Holzofen gibt es in Bayern, 28.000 Zentralheizungen werden im Freistaat mit Holz befeuert, zudem rund 20.000 Holzkraftwerke. In der derzeitigen Energiekrise beruhigend, dass über ein Drittel der bayerischen Haushalte unabhängig von Gas oder Öl dadurch dennoch eine warme Stube haben, findet Hubert Aiwanger.

Potenzial von Holz als Wärmeträger nutzen

Auslöser des runden Tisches „Holzenergie“ in Straubing war der sogenannte „Münchner Appell“, den Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzer Verbands, und Norbert Harrer, Vorsitzender des Berufsverbands der Forstunternehmer in Bayern, im Juli auf der Messe Interforst an Wirtschaftsminister Aiwanger übergeben haben – stellvertretend für die 700000 Waldbesitzer in Bayern. Darin wurde gefordert, das Potenzial der Wärmeenergie aus bayerischem Holz zu nutzen, um die energetische Selbstversorgung besonders im ländlichen Raum zu erhöhen.

Dazu muss endlich Schluss sein, dass die EU infrage stellt, ob Holz überhaupt en erneuerbarer Energieträger ist, unterstreicht Hubert Aiwanger: „Was, wenn nicht Holz?“ Es sei genügend Holz in Bayern vorhanden, „und die Wälder wachsen“. Es gelte, die Regierung in Berlin und Brüssel aufzuklären, dass sie „auf dem Holzweg“ seien und dass keine Wälder stillgelegt werden dürften. Wird Holz geschlagen, wird dem Wirtschaftsminister in zweifacher Weise CO2 eingespart: Weil fossile Energie ersetzt wird und weil kein Holz im Wald verfault, wobei wiederum zusätzlich CO2 ausgestoßen werde. „Gegner des Heizens mit Holz sind ideologisch getriebene Truppen, die auf infame und hinterfotzige Weise den Einsatz von Holz diskreditieren“, wetterte Aiwanger. „Jetzt müssen sich die 700.000 Waldbesitzer unterhaken und sich wehren.“ Der Wirtschaftsminister will alle Akteure, auch die Verbände, vernetzen, um das Thema in der Öffentlichkeit noch präsenter zu machen und um zu informieren: „Wir müssen lauter werden. Wir bitten die Araber auf Knien um Energie, und daheim lassen wir das Holz verfaulen.“

Ziegler: hoher Holzpreis ist nur eine „Blase“

Auf Nachfrage sagte Präsident Josef Ziegler, den stark gestiegenen Holzpreis halte er für eine vorübergehende Blase. „Ich denke, es ist eine kurzfristige Überhitzung, ich erwarte, dass sich der Preis auf einem verträglichen Niveau wieder eingependelt. Das sind derzeit marktpsychologische Effekte. Die Menschen bevorraten sich.“ Aiwanger gab zu bedenken, dass ein Ster Holz rund 100 Liter Heizöl ersetzt: „Deshalb ist dieses Ster auch 100 Euro aufwärts wert.“ Dass es, wie der Wirtschaftsminister gefordert hatte, möglich ist, dass die Waldbesitzer auch größere Mengen von dem natürlichen Rohstoff liefern, bejahte Ziegler: Wegen des Klimawandels müssen ohnehin hitzeanfällige Baumarten weichen, um den Waldumbau zu ermöglichen: „Wir können ohne schlechtes Gewissen noch mehr Holz liefern.“