Begegnung

Mit „A.ckerwert“ Werte schaffen

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Mia Goller
am Dienstag, 31.03.2020 - 09:14

Lioba Degenfelder bringt Landwirte und Grundbesitzer zusammen

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Dingolfing - Die Landwirtschaft und den Naturschutz in Einklang zu bringen – das ist eine anspruchsvolle, nicht immer leichte Aufgabe. Die ausgebildete Umweltingenieurin und Projektmanagerin Lioba Degenfelder hat die Herausforderung angenommen und ein Konzept entwickelt, mit dem sie Menschen zusammenbringen möchte, die oft wenig miteinander zu tun haben: Grundeigentümer und ihre Pächter. Ihr Projekt „A.ckerwert“ hat im Landkreis Dingolfing-Landau seinen Ursprung und soll jetzt auch im Landkreis Rottal-Inn und Landshut etabliert werden.

Das Projekt A.ckerwert nimmt Eigentümer von landwirtschaftlichen Flächen in den Blick und ermutigt und unterstützt diese, im Dialog mit den Landwirten eine umweltschonendere Bewirtschaftungsweise zu realisieren“, erklärt Lioba Degenfelder.

Verantwortung soll wieder bewusst werden

Sie will Landbesitzer sich ihrer Verantwortung bewusst werden lassen und Hilfestellungen anbieten, um gemeinsam mit den Bauern eine Lösung zu finden, die für beide Seiten gewinnbringend ist. Dabei soll es auch um einen fairen Pachtpreis gehen: „Viele Verpächter sind bereit, auf einen Teil der Pacht zu verzichten, wenn ihr Grund und Boden nach höheren Umweltstandards bewirtschaftet wird. Diesen finanziellen Spielraum können Landwirte nutzen, um ihrerseits extensiver zu arbeiten und den Fokus z. B. auf den Artenschutz oder Bodengesundheit zu richten. Die Anonymität von Pachtverhältnissen, die oftmals in der Erbengeneration besteht, wird aufgebrochen, ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung für Grund und Boden entsteht.“

Umfangreiche Hilfe wird angeboten

Degenfelder arbeitet dabei als eine Art Moderatorin. Sie gibt Hilfestellungen beispielsweise bei der Suche nach konkreten Maßnahmen, bei der Kontaktaufnahme zu Beratungsstrukturen oder bei der Abschätzung eines angemessenen Pachtzinses oder der Gestaltung des Pachtvertrags.
Die Hintergründe des Projekts sind vielfältig: Landwirtschaftliche Nutzfläche wird jedes Jahr weniger, wertvolle Böden werden überbaut, Wiesen und Weiden aufgegeben oder zu Lasten der Artenvielfalt, der Bodengesundheit usw. intensiviert.

Derzeit große Umbrüche auf dem Pachtmarkt

Zudem treiben intensiv wirtschaftende Betriebe die Pachtpreise in die Höhe und verschärfen den Konkurrenzkampf zu Lasten der kleineren und weniger intensiv wirtschaftenden Betriebe. Rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland müssen durch die Landwirtschaft zugepachtet werden. In Bayern pachten 3 von 4 landwirtschaftliche Betriebe Flächen zu.
Ein gigantisches Potenzial, um Veränderungsprozesse in der Landnutzung zu initiieren, findet Lioba Degenfelder. „Derzeit findet auf dem Pachtmarkt ein gesellschaftlicher Umbruch statt. Viele Menschen der Erbengeneration sind plötzlich Grundeigentümer und haben weder einen Bezug zum Land noch zu den Landbewirtschaftern“, so die Projektmanagerin. Eine Entfremdung von Besitz und Verantwortung sei nicht selten die Folge. Gleichzeitig sei diese Generation häufig an ökologischen Verbesserungen interessiert, ohne allerdings zu wissen, wie sie diese auf ihren eigenen Flächen umsetzen kann oder über was sie eigentlich mit den Bewirtschaftern verhandeln könnte.

„In erster Linie sehe ich mich als Ansprechpartnerin für Flächeneigentümer, die den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit auf ihren Flächen haben. Das können private Grundeigentümer, Gemeinden, Kirchenverwaltungen oder auch Unternehmen sein“, so Degenfelder.

Das Angebot ist kostenfrei. Wer sich dafür interessiert, kann sich melden bei Lioba Degenfelder im Internet unter www.ackerwert.de und unter Telefon 0176 233 667 14.