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Bodenschutz

Ackerbau im Klimawandel

Es geht nicht immer bierernst zu, wenn der bekannte Bodenexperte Max Stadler (2. v. r.) erklärt, wie man den Ackerboden am besten zukunftsfähig machen kann.
Mia Goller
am Montag, 05.09.2022 - 08:10

Die Initiative boden:ständig präsentiert Landwirten neue und umsetzbare Ideen.

Es ist eine Frage, welche die Landwirtschaft derzeit sehr bewegt: Wie kann sich der Ackerbau an die neuen Herausforderungen durch den Klimawandel anpassen? Was funktioniert wirklich? Das Team von boden:ständig, einer Initiative der Ländlichen Entwicklung im Landwirtschaftsministerium Bayern, beschäftigt sich mit dem Thema schon seit vielen Jahren. Egal ob Trockenheit oder Starkregen: Der Wasserrückhalt in der Fläche ist besonders wichtig. Jetzt fand eine Exkursion zu interessanten Maßnahmen in Oberbayern und Niederbayern statt. Mit dabei waren auch Mitglieder aus dem Netzwerk in Schwaben.

Eine Fachexkursion ist immer so gut wie ihre Referenten. Deshalb freuten sich die Organisatoren Katharina Bräustetter und Bernhard Bacherle besonders, dass sie an diesem Tag begleitet wurden von Max Stadler (AELF IN/PAF) und Felix Schmitt (Büro H&S). Beide sind bekannt für das große Wissen und die humorvolle Art, auf die auch komplexe Themen gut vermittelt werden. Das kommt auch bei den Landwirten besonders gut an.

Erosionsschutz in der Fläche

Die vielen Gäste starteten mit einem kleinen Reisebus in Aindling, Lkr. Aichach-Friedberg. Vormittags stand der praktische Erosionsschutz in der Fläche auf dem Programm. Max Stadler präsentierte in Burgheim Beispiele zum erfolgreichen Kartoffelanbau mit technischen Eigenbaulösungen. Landwirt Franz Hofgärtner zeigte seine Technik für die Zwischendammbegrünung, die beim Häufeln der Kartoffeln erfolgt. Er stattete seinen Schneckenkornstreuer mit vier Schläuchen aus und brachte so den Weizen in die Furchen zwischen den Dämmen.

Diese unkonventionelle Lösung ist zunehmend erfolgreich, wie Stadler schilderte: „Das entscheidende ist, dass die Wurzel den Boden zusammenhält und vor Erosionen schützt. Das Getreide ist keine Konkurrenz zur Kartoffel.“ Bis die Halme anwachsen, werden sie vom Kartoffelkraut schon überwachsen. Der Experte hat auch an anderen Orten Versuche mit Getreidearten durchgeführt, bei denen sich im Vergleich zu anderen Getreidesorten besonders Wintergerste zwischen den Kartoffelreihen bestens bewährt hat.

Felix Schmitt weiß von Gemeinden, die die Kosten für das Saatgut der Zwischenbegrünung übernehmen. Für Landwirt Hofgärtner ist in jedem Fall klar: „Ich habe einmal erlebt, wie es mir den ganzen Ackerboden mitgenommen hat, das brauche ich nicht noch einmal.“

Hang in mehrere Flächen unterteilt

Ein besonders spannendes Projekt zeigte sich am Schlossgut Englmannsberg. Dort war die Region sehr von Bodenerosionen betroffen, die Lage spitzte sich vor einigen Jahren zu. Gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft und Max Stadler wurden die Flächen des Landwirts ganz neu überplant. Der Hang wurde unterteilt in verschiedene kleine Anbauflächen, auf denen Kartoffeln, Getreide, Zuckerrüben, Soja und einiges mehr wachsen. Es wird quer zum Hang bewirtschaftet. Stadler: „Wir haben früh genug begonnen, auf Augenhöhe gemeinsam neue Lösungen zu finden. Die Bedürfnisse des Landwirts sind ebenso eingeflossen wie unsere Fachkenntnisse.“

Nach einem gemeinsamen Mittagessen präsentierte Felix Schmitt verschiedene Beispiele für einfache Baumaßnahmen zum Wasserrückhalt und zur Abflusslenkung.

In Mühlhausen bei Neustadt an der Donau im Landkreis Kelheim zeigte der ehemalige 2.Bürgermeister Konrad Dichtl, was sich durch den baulichen Wasserrückhalt durch Anpassung in der Topografie verändert hat. Hier wurde vor drei Jahren ein Rückhaltebecken gebaut, das den Ort Mühlhausen schützt. Dazu wurde die Straße angehoben, in Kombination mit einer neu angelegten Böschung wirkt sie als Damm und hält Wasser zurück. Bei Starkregen wird dabei eine Ackerfläche kurze Zeit geflutet, das Wasser bleibt wo es sein soll. Im Vorfeld bremst ein System flacher Ablaufmulden den Wasserzustrom.

Abtrag bei Starkregen

In Langquaid endete schließlich die Rundfahrt. Hier wurde bei Starkregen in der Vergangenheit der Humus vom Kartoffelfeld in einer Schlammmasse ins Dorf Adlhausen gespült. Die Landwirte brauchten Hilfe und wurden von Felix Schmitt mit der Initiative boden:ständig unterstützt. Es entstand eine begrünte Abflussmulde. Auch bei schweren Gewittern fängt sie Schlamm auf und schützt die Anwohner vor Schäden.

Bei der Diskussion auf dem Feld wanderten die Blicke der Besucher zum Schlepper der betroffenen Bauern. Die Gruppe staunte nicht schlecht, als sie den Querdammhäufler „Erosion Stop“ von Miedema am Ende der Gerätekombination entdeckten. Von dem Gerät wurde am Anfang der Tour im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen noch geschwärmt und bedauert, dass es noch niemand persönlich gesehen hat. Felix Schmitt musste schmunzeln: „Jetzt können wir die Maschine live erleben, weil sich ein Bauer von sich aus mit seinen Problemen auseinandersetzt und investiert hat – das ist doch toll.“