Perspektiven

Zukunftsstrategie für Oberösterreich

Oberösterreich
Prof. Gerhard Poschacher
am Montag, 04.01.2021 - 10:17

Landesregierung Oberösterreich denkt mit 800 Bauern, Experten, Wissenschaftlern und Politikern darüber nach, wie es mit bäuerlichen Familienbetrieben weiter gehen könnte.

Dem legendären Münchner Komiker und Volksschauspieler Karl Valentin wird der Ausspruch zugeschrieben, Prognosen sind deshalb schwierig, weil sie die Zukunft betreffen. Mutig ist deshalb die Initiative der Landesregierung Oberösterreich, nicht der Landwirtschaftskammer, in schwierigen Zeiten mit 800 Bauern, Experten, Wissenschaftlern und Politikern darüber nachzudenken, wie es mit den bäuerlichen Familienbetrieben im ländlichen Raum weiter gehen könnte.

In anderen Bundesländern ist (vorerst) über ähnliche Überlegungen nichts zu hören. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang aber die Ergebnisse des Strategieprozesses der LK-Österreich „Agrarischer Ausblick 2025“, die der frühere Generalsekretär Josef Plank, heute im Raiffeisenverband tätig, 2016 vorlegte.

Schließen 25 % der Betriebe ihre Hoftore?

Eine zentrale Prognose betraf den fortschreitenden Strukturwandel. Bis Mitte des Jahrzehnts könnten 25 % der Betriebe ihre Hoftore für immer schließen. Von den Vorschlägen und Aussagen in dieser Analyse war aber nie viel zu hören und spielte in der Diskussion über die Weiterentwicklung der Agrarpolitik interessanterweise kaum eine Rolle. Das oberösterreichische Projekt „Zukunft Landwirtschaft 2030“ wurde von der Universität für Bodenkultur (Prof. Siegfried Pöchtrager) begleitet.

Die Empfehlungen

Neun Arbeitsgruppen, unter anderem biologische Landwirtschaft, tierische- und pflanzliche Produktion, Spezialkulturen und Forstwirtschaft, haben Vorschläge und Initiativen für verlässliche Rahmenbedingungen erarbeitet, um die Zukunft der Land-und Forstwirtschaft zu sichern.

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Srelzer und Agrarlandesrat Max Hiegelsberger plädieren für eine faire Partnerschaft zwischen Landwirtschaft, Lebensmittelsektor (Handel) und Konsumenten. Heikle Themen, wie die zukünftige soziale Absicherung der bäuerlichen Familien angesichts des zunehmend ungünstigeren Verhältnisses zwischen Erwerbstätigen und Pensionisten sind jedoch weitgehend ausgespart. So betrug der Staatszuschuss alleine für die Bauernpensionen 2019 rund 2,39 Mrd. €.

Auch Voraussagen über die Folgen des Strukturwandels und Konzentrationsprozesses in der Landwirtschaft sind kaum thematisiert. Die Entwicklung der ländlichen Räume und Gemeinden, das zunehmende Spannungsfeld zwischen Land- und Forstwirtschaft sowie Natur- und Umweltschutz, Klimawandel und auch die restriktiven Auflagen für den Einsatz von Pflanzenschutzmittel sind in der Ergebnispublikation unterrepräsentiert.

Strategische Empfehlungen

Das alles hat auch Auswirkungen auf die inhaltlichen Schwerpunkte des neuen ländlichen Entwicklungsprogramms bis 2027. Wichtige strategische Empfehlungen sind nicht neu. Agrarressort, Bauernbund und Landwirtschaftskammern unterstützen diese. Sie finden vielfach auch die Zustimmung der politischen Parteien im Bund und in den Ländern. Dazu gehört zum Beispiel die Forderung, die Produktion auf die Nachfrage auszurichten, die regionale Landwirtschaft zu stärken, Potenziale für überbetriebliche Arbeitsleistungen zu erkennen, geschlossenes Auftreten gegenüber den Marktpartnern und eine offensive Medienarbeit.

„Packen wir‘s an!“

Die Kostenwahrheit bei den Produktpreisen zu erreichen und dadurch Einkommen zu sichern, ist aber kaum realistisch, vielmehr schon die Forderung für das Schaffen einer „Gesamt-Österreich-Lösung“ bei der Lebensmittelkennzeichnung.

Die konsequente Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Nutzung des breiten Bildungs- und Beratungsangebots und starke bäuerliche Interessensvertretungen haben die Teilnehmer des umfassenden Dialogprozesses ebenso befürwortet wie die Bedeutung der Medien für die Stellung der Land- und Forstwirtschaft in der Gesellschaft.

Die zentrale Botschaft der oberösterreichischen Agrarpolitiker lautet: „Packen wir‘s an!“ Die Zukunft ist nicht Schicksal, sondern Herausforderung und die Mission heißt: Landwirtschaft sind wir alle.

Ein starkes Agrarland

  • Oberösterreich ist ein starkes Agrarland. Knapp 31 300 bäuerliche Betriebe erarbeiten einen Produktionswert von 1,7 Mrd. €, mit dem 100 000 Jobs entlang der Wertschöpfungskette gesichert werden. Vor 25 Jahren zählte man noch 45 749 Betriebe.
  • Rund 40 % der Höfe werden im Voll- und 52 % im Nebenerwerb geführt, etwa 8 % der Betriebe bewirtschaften juristische Personen.
  • In Oberösterreich ist der Frauenanteil bei der Betriebsleitung mit 36 % relativ hoch.
  • Das Bundesland ist in der tierischen Produktion führend.
  • Oberösterreich nimmt mit einem Anteil von 23 % an der gesamten Wertschöpfung der österreichischen Landwirtschaft mit 7,6 Mrd. € hinter Niederösterreich (32 %) den zweiten Platz ein.
  • Die bäuerlichen Betriebe in OÖ bekamen 2019 rund 145 Mio. € Direktzahlungen sowie 76 Mio. € über das Umweltprogramm. Die Bergbauern erhielten 38 Mio. € Ausgleichszulagen.

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