Weidesaison

Wolfsrisse: Leobener Bauern schlagen Alarm

Kalb
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Mittwoch, 01.07.2020 - 10:59

Serie an Wolfsrissen: In der bisher erst kurzen Weide- und Almsaison haben Wölfe in der Steiermark bereits 23 Tiere teils in Hofnähe und am helllichten Tag tödlich gerissen.

Österreich

Bislang haben Wölfe 21 Schafe, ein Kalb und ein Jungrind tödlich gerissen. Bei der jüngsten Wolf-Attacke kam ein 300 Kilogramm schweres Jungrind auf der Kreuzenalm bei Trofaiach ums Leben.

Jetzt schlagen die Leobener Bauern Alarm. „Offenbar ist in unserer Gegend ein besonders aggressives Wolfspärchen auf Raubzug. Denn derart große Rinder können nicht von einem einzigen Problemwolf getötet werden. Hier müssen mindestens zwei Raubtiere zugeschlagen haben“, sagt der Leobener Kammerobmann Andreas Steinegger. Und weiter: „Im Kampf mit dem Jungrind wurden handgroße Wolfsfährten hinterlassen, etwa 100 Kilogramm Fleisch geschnappt, um möglicherweise auch die Nachkommen zu versorgen.“

Tierfreundliche Weidehaltung in Gefahr

Fußabdruck

Franz Titschenbacher, Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark, sieht die tierfreundliche Weide- und Almhaltung der bäuerlichen Familienbetriebe in der Region nun in ernster Gefahr: "Für die Tierhalter ist die Wolfsbedrohung zermürbend und untragbar." Die Gesellschaft wünsche sich Tierwohl, das die Bauern durch die Alm- und Weidehaltung auch liefern. Doch alle diese Tierwohl-Bemühungen würden durch den strengen Schutzstatus des Raubtieres Wolfes untergraben, weil es zu riskant sei, Tiere auf den Almen und Weiden grasen zu lassen.

Titschenbacher verlangt deshalb: „Die Entnahme von Problemwölfen in landwirtschaftlich genutzten Räumen und im Siedlungsgebiet ist erforderlich.“ Das Bundesland Salzburg zeige dies bereits vor: Mitte Juni hat die Bezirkshauptmannschaft St. Johann der Entnahme eines Problemwolfs stattgegeben. Jedoch müsse sichergestellt werden, dass Problemwölfe rasch identifiziert und entsprechend rasch gehandelt werden könne.

Kammer sieht guten Erhaltungszustand erreicht

Nach Aussage der Landwirtschaftskammer Steiermark gibt es 20.000 Wölfe in Europa. Damit sei ein günstiger Erhaltungszustand gemäß Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie erreicht. Durch die teils rapid wachsenden Wolfsbestände in Deutschland, Westpolen und den Nachbarländern wie Italien und der Slowakei sei in Österreich mit einem vermehrten Zuwachs der Wölfe zu rechnen. Derzeit haben sich österreichweit 50 Wölfe angesiedelt, die jährliche Wachstumsrate in Deutschland liege zwischen 36 und 38 Prozent, so die Kammer.