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Wolfsmanagement

Wolf: Tiroler Bauernbund wirft WWF Ammenmärchen vor

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 18.05.2022 - 15:35

Umweltorganisation behauptet, in der Schweiz funktioniere Herdenschutz. Der Bauernbund hält dagegen.

Wolfsrudel

Der Tiroler Bauernbund wehrt sich gegen die Aussage des WWF, wonach mit Wolfsrudel-Bildungen zu rechnen wäre, was aber kein Problem darstelle, weil auch in der benachbarten Schweiz Herdenschutz einwandfrei funktioniere. Das Statement löst beim Bauernbund Unmut und Kopfschütteln aus.

Bauernbund-Direktor Peter Raggl widerspricht dem WWF. „Der Herdenschutz in der Schweiz stößt längst an seine Grenzen. Die Bauern sind verzweifelt, und die Almbewirtschaftung geht stark zurück. Immer mehr Medienberichte aus der Schweiz zeigen deutlich auf, dass Herdenschutz auch dort nicht funktioniert. Von Übergriffen der Herdenschutzhunde und massiven Problemen im Tourismus, verursacht durch die Wolfspräsenz, wird dort berichtet, vom Tierleid ganz abzusehen", stellt Raggl klar.

Raggl: WWF tischt Ammenmärchen auf

Laut Raggl sind das WWF-Ammenmärchen, die hier aufgetischt werden. Tirol befinde sich in einem der weltweit am intensivsten genutzten touristischen Berggebiete befinden. Hier seien Konflikte programmiert. „Das ist nicht mit der Schweiz vergleichbar", so Raggl.

Er verweist auf die eindeutigen Zahlen: Während Tirol rund 50 Mio. Nächtigungen verzeichnet, hat die Schweiz nur ein Fünftel davon. Auch fehlen für Tirols kleinstrukturierte Almwirtschaft Hirten mit entsprechender Ausbildung. „Die können wir uns nicht herzaubern, das ist hochqualifiziertes Fachpersonal. Ausbildungstechnisch, arbeitsrechtlich und finanziell ist das eine nicht zu lösende Herkulesaufgabe", entgegnet Raggl.

Verkehrte Welt

Laut Bauernbund bringen die vermehrten Wolfsrisse noch vor Beginn der Almsaison in Tirol und im benachbarten Kärnten bringen die heimische Bauernschaft in Alarmbereitschaft. So berichteten Bauern aus Kärnten vergangene Woche, die vermehrte Wolfspräsenz und die Rissgeschehen mit tödlichem Ausgang versetzten die Herden auf den Weiden in Angst und Schrecken. Die Tierherden werden nervös, teilweise sogar aggressiv und sind deshalb nicht mehr berechenbar.

Für Raggl ist das eine verkehrte Welt. Neben den Schäden durch Wolfsrisse sollen Bauern auch noch das Zusatzrisiko tragen, das ihre von Raubtieren aufgescheuchten und beunruhigten Nutztierherden für Almbesucher darstellen.

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