Tierhaltung

Den Wolf kontrolliert bejagen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 26.11.2020 - 11:07

Eine österreichische Expertenrunde fordert ein kontrolliertes Wolfsmanagement. Andere EU-Länder sind hier schon weiter.

Gahr-Strasser-Bauernbund

Der Druck auf ein koordiniertes Wolfsmanagement steigt nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich. Darüber waren sich die Teilnehmer einer Expertenrunde einig. Zu dem Treffen hatte Bauernbund-Präsident Georg Strasser und sein Bauernbund-Kollege Hermann Gahr eingeladen. Namhafte Experten sowie EU-Abgeordnete wie der Südtiroler Herbert Dorfmann, Simone Schmiedtbauer, Alexander Bernhuber und Barbara Thaler waren dabei, daneben Bauernbund-Abgeordneten aus dem National- und Bundesrat sowie Vertreter aus den Bundesländern. 

Deutlich wurde, dass andere EU-Länder beim Wolfsmanagement schon weiter sind. Trotz hohem Schutz durch die FFH-Richtlinie werden zum Beispiel in Frankreich jährlich rund 60 Tiere entnommen. Durch die kontrollierte Bejagung der Wölfe wurden die Tiere nachweislich scheuer und meiden so Menschen und Siedlungen. Das sei eine wichtige Voraussetzung für eine praxisnahe Koexistenz, hieß es aus der Runde.

Strasser lehnt Scheindiskussionen ab

Derzeit sind Wölfe in Österreich streng geschützt. Es gibt kaum rechtliche Möglichkeiten für einen koordinierten Umgang mit großen Beutegreifern. Deswegen fordert der Bauernbund-Präsident einen Zusammenschluss mit allen politischen Entscheidungsträgern: „Wir wollen keinen Scheindiskussionen mehr, sondern brauchen praxistaugliche Ansätze bei Problemwölfen. Wir setzen uns mit Entscheidungsträgern auf allen politischen Ebenen zusammen, um auch gerade jetzt außerhalb der Weidesaison hier Fortschritte zu erzielen“, so Strasser.

Wie dringlich das Anliegen Wolf ist, belegen alleine fünf Petitionen, um den Schutzstatus abzusenken. Sie wurden aus vier Bundesländern in den österreichischen Nationalrat eingebracht. Der Tiroler Bauernbund-Abgeordnete Hermann Gahr setzt sich bereits seit Jahren dafür ein und hat selbst mehrere Petitionen eingebracht. In diesem Jahr gab es alleine in Tirol mehr als 150 Wolfsrisse. Das bringe die traditionelle Almwirtschaft zunehmend unter Druck, so Gahr. Seiner Meinung nach benötigt Österreich unbedingt eine Rechtsgrundlage für ein effektives Wolfsmanagement.

Gleichbehandlung zu anderen Ländern gefordert

Mittlerweile gibt es in der EU allerdings bereits mehrere Mitgliedsstaaten wie Finnland oder Schweden, die ein wirkungsvolles Wolfsmanagement eingeführt haben, das auch Entnahmen ermöglicht. „Wir wollen keinen Sonderweg, sondern nur gleich wie andere behandelt werden“, fordert Gahr.

Laut Bauernbundchef Strasser sind Weidezäune für das Flachland vielleicht eine Option, aber nicht für die Bergregionen Österreichs und schon gar nicht für stark frequentierte Tourismusgebiete. Er hält weitreichendere Ansätze für nötig, um ein gutes Miteinander von Almwirtschaft, Tourismus und großen Beutegreifern zu garantieren. „In Regionen, wo die Koexistenz nicht unmöglich ist, braucht es Weideschutzgebiete", schlägt Strasser vor.

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