Marillenhof

Weitum bekannt für edle Tropfen

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Walter Neugebauer
am Montag, 20.08.2018 - 15:30

Der Waldviertler Marillenhof destilliert eine Vielfalt an Edelbränden

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Im Süden fällt das Waldviertel (NÖ) steil zur Donau ab. An den sonnigen Hängen über den Weinterrassen der Wachau gedeihen die Marillen besonders gut. Hier, etwa 7 km oberhalb des Städtchens Spitz, am Ortsrand von Mühldorf-Ötz, liegt der Marillenhof der Familie Kausl inmitten der Obstgärten (www.marillenhof.at).

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Die Wachauer Marille g.U. (Prunus armeniaca), diese kleine, saftig-aromatische Aprikosenart mit geschütztem Ursprung, schafft es, jährlich Zigtausende von Touristen zu begeistern. Die einen kommen zur Blüte, die andern, um die frischen Früchte zu genießen. Und natürlich die vielen Schmankerl, die daraus zubereitet werden. Marillenknödel sind nach wie vor der Renner.
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Von dieser Begeisterung für die Marille und ihrem hohen Bekanntheitsgrad profitiert auch der Betrieb Kausl mit seinen 25 ha Obst- und Getreidebau. In den Obstanlagen stehen überwiegend Wachauer Marillenbäume, aber auch Äpfel, Birnen, Dirndl (Kornelkirschen), Herzkirschen, Holunder, Kriecherl, Pfirsiche, Trauben, Vogelbeeren (Eberesche) und Zwetschgen.
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„Das alles verarbeiten wir zu Marmelade, Fruchtnektar, Edelbränden und Likör“, sagt Senior Leopold Kausl. Auf den Feldern werden alte Getreidesorten angebaut und alle zu Whisky gebrannt: Gerste mit braunen oder schwarzen Spelzen, Eho, eine typische Sorte des Waldviertels, Schlegler Urroggen, Hafer und Weizen. „Diese alten Sorten bringen mehr Aroma und mehr Fruchtigkeit in den Whisky“, schwärmt Kausl, der den Whisky offenbar zu seinem Steckenpferd gemacht hat (www.wachauer-whisky.at).
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Seit 1950 beschäftigt sich die Familie hauptsächlich und intensiv mit der Wachauer Marille. „Damals haben wir die ersten Marillenplantagen angelegt und vorwiegend Marillen destilliert“, erzählt er. „1980 haben wir noch mehrere Fruchtarten dazu gepflanzt und heute destillieren wir Obst von A bis Z, also von Apfel bis Zwetschge.“ Trester zum Brennen von Grappa bekomme er von Winzern aus der Weinregion Wachau.

Alte Sorten bringen mehr Aroma

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Anfang der 90er-Jahre habe er den Anbau und die Verarbeitung der Marillen intensiviert und nach dem EU-Beitritt Österreichs 1995 habe er angefangen, Whisky zu destillieren. „Das hat sich zufällig ergeben“, sagt Kausl. „Und zwar haben wir uns eine neue, relativ teuere Destillieranlage angeschafft und die musste ausgelastet werden. Mit den Obstbränden waren wir bis Jahresende fertig. Von Januar bis April brennen wir seitdem unser Getreide zu Whisky. Getreide kann man gut lagern und jederzeit zur Maische ansetzen. Bereits 90 Stunden später kann ich destillieren.“
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Vor zwei Jahren hat Leopold Kausl den Betrieb an seinen Sohn Alfred und dessen Frau Melanie übergeben. Sie sind gerade dabei, den Betrieb so umzustrukturieren, dass sie vom Baum bis zum fertigen Produkt jede Arbeit auf dem Hof selbst machen können. Die ganze Palette von Marmeladen bis zu Edelbränden. „Das machen wir zu viert“, sagt Melanie Kausl, „meine Schwiegereltern, mein Mann und ich. Bei Arbeitsspitzen bei der Marillenernte helfen Leute vom Maschinenring oder aus der Umgebung.“
Die Hauptfrucht ist nach wie vor die Marille. Von der Ernte wird der größte Teil destilliert. Es sind ebenfalls alles alte, regionale Sorten mit feiner Schale, sehr aromatisch, aber nicht lange lagerfähig. „Die Früchte kommen frisch vom Baum auf den Hof, werden entkernt und zu Fruchtmark gemust“, erklärt Kausl. „Dann kommt die Hefe dazu. Die wandelt in etwa 20 Tagen den Fruchtzucker in Alkohol um und wir können destillieren. Je nach Jahr etwa 20 Tonnen Marillen.“

Bei der Vermarktung sehr gut vernetzt

Der geschützte Ursprung der Wachauer Marille g.U. bedeutet, dass die Region genau definiert ist (in diesem Fall die Wachau), die Sorten festgeschrieben sind (Sorten, die bereits vor 1960 in der Region vorhanden waren) und dass die Verarbeitung in dieser Region erfolgen muss. „Das hat den Riesenvorteil“, so Kausl, „dass unsere hofeigenen Spezialitäten als Produkte der Region gekennzeichnet sind. Bei der Vermarktung ist das sehr wichtig.“
Der Betrieb ist auch Lizenznehmer der Initiative „Genuss Region Österreich“ mit dem Slogan „So schmeckt Österreich“. Das Logo auf den Gläsern und Flaschen garantiert den Verbrauchern ebenfalls die Herkunft aus der Region (www.wachau-genuss.at).
Ihre vielen Produkte vermarktet die Familie Kausl über mehrere Schienen: Ab Hof über den Hofladen (Hofshop) und Onlineshop, an Feinkostläden quer durch Österreich und an einige in Deutschland. „An Handelsketten liefern wir nicht, um den Feinkostläden keine Konkurrenz zu machen“, betont Leopold Kausl. „Aber auf Bauern- und Wochenmärkten sind wir fast flächendeckend in Österreich aktiv und auch auf einigen in Deutschland. Dazu besuchen wir einige Messen wie die Biofachmesse in Nürnberg oder die Grüne Woche in Berlin. Das schafft Kontakte.“
Auch zum Europäischen Bauernmarkt beim Biller in Niederbayern (zwischen Landshut und Moosburg), der heuer zum zehnten Mal im Spätherbst stattfindet, fährt die Familie Kausl seit einigen Jahren. 350 km, hin und zurück 700 km. Lohnt sich der Aufwand? „Durchaus“, sagt Leopold Kausl, „denn ich fahre ja auch bis nach Vorarlberg und das ist noch weiter. In Deutschland aber habe ich ein ganz anderes Publikum und kann meine Spezialitäten gut verkaufen. Zudem verteilen wir auch Prospekte von unserem Betrieb und werben so für uns und unseren Onlineshop. Die Resonanz ist sehr groß.“