Waldbau

Waldtag in Pyhra: die Tanne als klimafitte Baumart

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Jürgen Mück
am Montag, 19.11.2018 - 14:09

Neueste wissenschaftliche Forschungsergebnisse zeigen, dass die Tanne in weiten Bereichen Mitteleuropas die Fichte gut ersetzen kann.

Pyhra/NÖ „Jedoch haben der selektive Verbiss durch Schalenwild und die unangepasste waldbauliche Behandlung durch Missachtung ihrer spezifischen Wuchseigenschaften zu einem dramatischen Rückgang der Tanne geführt“, betonte Silvio Schüler, Leiter des Institutes für Waldwachstum und Waldbau am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) auf dem Waldtag in Pyhra.

„Zudem muss man die Einwanderungsgeschichte nach der Eiszeit und die Nutzungsgeschichte der Baumart berücksichtigen“, erklärte Waldbauexperte Schüler. „Die Tanne war ein langsamer Rückwanderer und hat dabei ihr potenzielles Areal noch nicht ausgeschöpft. Seit dem Spätmittelalter fand im Alpenraum eine großflächige Kahlschlagwirtschaft zur Deckung des enormen Holzbedarfs statt. Durch die einseitige Wiederbewaldung dieser Flächen mit der Fichte, wurde das Aufkommen der Tanne wesentlich erschwert“, erklärt Schüler.
Die Tanne ist eine Baumart des Bergmischwaldes mit einer erstaunlich hohen Trockenheitsresistenz, wodurch sie sich nach längeren Niederschlagspausen relativ schnell regeneriert. Durch ihre ausgeprägte Herzwurzel können auch tiefere Bodenschichten erschlossen werden. Hingegen hat die Fichte als Flachwurzler bei Trockenstress sehr große Wachstumseinbußen, bis hin zum vermehrten Schädlingsbefall und dem Absterben. Bei der Verjüngung muss auf die langsame Jugendentwicklung besonders Rücksicht genommen werden. Denn die Tanne ist eine Schattenbaumart mit einem lang anhaltenden Wachstum, einer guten Holzqualität und somit hoher Wertleistung.

Von den Borkenkäfern und anderen Schädlingen ist die Tanne viel geringer gefährdet als die Fichte. In Summe ist die Tanne also eine Baumart mit überaus guter Zukunftsperspektive.