Engerling

Vielfraß unter der Grasnarbe

Grünland Bearbeitung_50
Paul Kannamüller
am Montag, 23.09.2019 - 11:45

In Salzburg zeigen sich enorme Engerlingschäden. Das Land will nun den betroffenen Bauern helfen.

Sepp Schwaiger_011

Salzburg Als dramatisch bezeichnet Rupert Quehenberger die Lage einzelner Betriebe, die in Salzburg im heurigen Jahr von einer Engerlingplage heimgesucht wurden. „Wenn man plötzlich ohne Futter dasteht und hohe Sanierungskosten hat, dann ist das alarmierend“, betonte der LK-Präsident in einem Interview. Wichtig sei nun, dass stark befallene Flächen saniert werden. Laut Quehenberger gebe es inzwischen auch intensive Gespräche mit der Salzburger Landesregierung, um stark betroffene Betriebe finanziell zu unterstützen. In einzelnen Regionen seien 300 bis 500 Engerlinge pro m2 gezählt worden, hieß es. Auch aus anderen Regionen Österreichs werden teils starke Schäden gemeldet.

Totalausfälle bei der Grünlandernte

Inzwischen machte sich auch der Salzburger Agrarlandesrat Sepp Schwaiger ein Bild vor Ort und stellte besonders schwer geschädigten Betrieben zusätzliche Mittel in Aussicht. Teilweise hätten die Engerlingschäden bei einigen Betrieben zu Totalausfällen bei der Grünlandernte geführt. „Für einige Bauern tut sich hier eine Katastrophe auf, denn mit dem Ausfall der Heuernte fehlt das Futter für die Tiere.“ Nun sei die Politik gefragt, den gebeutelten Betrieben zu helfen. Seit einigen Jahren fördert Salzburg eine biologische oder mechanische Engerlingbekämpfung mit einer Nachsaat.

Ein schlimmes Bild zeigt sich etwa auch beim „Fallsteinbauer“ in Werfen auf knapp 900 m Seehöhe, wo die Engerlinge des Maikäfers die komplette Mähfläche von rund 6 ha kahl gefressen haben. „Beim ersten Schnitt haben wir nur ein Drittel des Ertrages normaler Jahre eingefahren, der zweite Schnitt ist komplett ausgefallen“, schildert Hubert Gschwendtner die dramatische Situation. „Wir wissen derzeit nicht, wie es weitergehen soll“, so der Landwirt. Es gehe besonders um die hohen Kosten durch Futterzukauf und die Sanierung der Flächen. In dem extrem steilen Gelände sei der Einsatz einer Kreiselegge jedoch zu gefährlich.
Nach den Worten von Landesrat Schwaiger sei es nun extrem wichtig, dass zur Wiederherstellung einer intakten Grasnarbe auch eine ausreichende Nachsaat erfolgt, damit der Druck durch die Käfer nicht noch stärker wird. Jedenfalls sollte nach getätigter Maßnahme möglichst rasch ein Antrag bei der zuständigen Bezirksbauernkammer gestellt werden. Die vorgeprüften Unterlagen werden sodann ans Land Salzburg zwecks Kontrolle, Abrechnung und Auszahlung übermittelt. Auch die LK Salzburg biete hier umfangreiche Beratung an.
Pflanzenbauexperten weisen indes darauf hin, dass Grünlandbestände, die langfristig – im Verhältnis zur Nutzungsfrequenz – eher verhalten mit Nährstoffen versorgt wurden, deutlich stärker mit dem Engerling befallen würden. Zwar könnten auch solche Bestände durchaus zufriedenstellende Erträge und Qualitäten an Grundfutter liefern, aber wenn zusätzliche Stresssituationen wie Trockenheit und Schädlinge hinzukämen, dann gebe es meist auch „größere Probleme“. Dennoch lege auch in gut geführten Beständen das Maikäferweibchen Eier, wenn auch deutlich weniger.

Mit einfacher Nachsaat
ist es nicht getan

Den größten Fehler, den Grünlandbauern jedoch machen könnten, sei nichts zu tun. Es wird darauf hingewiesen, dass sich bislang die mechanische Bekämpfung mit Nachsaat vielfach als die effektivste Methode bewährt habe. Jedenfalls sei es mit einer „einfachen“ Nachsaat nicht getan, „weil die Engerlinge nach wie vor da sind, nur mit einer gierigeren Fress- leistung.“
Gegen den Maikäfer-Engerling seien zwar auch Insektizide zugelassen, aber diese enthielten auch den umweltschädlichen Wirkstoff Chlorpyrifos. Bei blühenden Kulturen würden dabei besonders Bienen in Mitleidenschaft gezogen.
In Österreich stellen die teils extremen Engerlingschäden so manchen Grünlandbauer vor große Probleme, wenn es um die Wiederbegrünung geschädigter Flächen geht. Während im Flachland eine Fräse oder Rotoregge zum Einsatz kämen, so stellten Steillagen ganz andere Herausforderungen dar. Ein neues Spezialfahrzeug aus dem Pinzgau macht den Grünlandbauern aber nun Hoffnung. Andreas Imlauer (Lohnunternehmer aus Maria Alm) hat nämlich einen Standardtraktor mit einem Raupenfahrwerk ausgerüstet, der normalerweise auf Feuchtwiesen zum Einsatz kommt. Mit dem Gerät ließen sich auch extrem steile Flächen relativ sicher befahren.

Engerling ist nicht gleich Engerling

Während die Larven von Mai-, Juni- und Gartenlaubkäfer als Schädlinge gelten, sind die Larven der Rosen- und Nashornkäfer Nützlinge, die sehr wertvolle Arbeit in Komposthaufen leisten. Rosenkäfer-Larven sind hinten etwas dicker als vorn, haben nur kleine Stummelbeinchen, kommen typischerweise im Kompost vor und werden oft aus Angst vor Pflanzenschäden beseitigt.

Dagegen findet man Maikäfer-Engerlinge, die etwa 6 cm lang werden, praktisch nie im Kompost, weil sie lebende Pflanzenwurzeln bevorzugen. Maikäfer-Engerlinge schlüpfen nach vier bis sechs Wochen aus dem Ei, ihr Körper ist eher weißlich, der Kopf braun. Sie leben je nach Art zwischen zwei und vier Jahren in der Erde. Zunächst ernähren sie sich von Humus, dann Wurzeln. Bei Sommerwitterung verpuppt sich der Maikäfer-Engerling und wird nach vier bis sechs Wochen zum Käfer. In dieser Form überwintert er in einer Erdhöhle und gräbt sich im Frühsommer des Folgejahres aus dem Erdboden. Dann beginnt der Zyklus von vorn.