Fleischpreis

Zu viel Billigfleisch im Supermarkt

Fleischpreis
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Externer Autor
am Montag, 08.06.2020 - 10:50

Eine Rabattanalyse von WWF und Vier Pfoten zeigt das Ausmaß von Fleisch-produkten in Aktionen. Die Kampfpreise schaden Umwelt, Klima und Tierwohl.

Eine neue Marktanalyse von Rabattaktionen in heimischen Supermärkten zeigt, wie häufig und stark Fleisch zu Schleuderpreisen verkauft wird. Im vierwöchigen Untersuchungszeitraum von April bis Mai waren insgesamt 254 Fleischprodukte rabattiert, berichten die Umweltschutzorganisation WWF Österreich und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten.
Die in fünf Supermarktketten österreichweit angebotenen Flugblatt-Rabatte lagen durchschnittlich bei 22 % und erreichten teils sogar bis zu rund 50 oder gar 60 %. „Der Preiskampf im Handel zerstört die Wertigkeit von Fleisch und erhöht den Druck auf Umwelt und Landwirtschaft. Wir brauchen endlich klimafaire Preise“, fordert Hannah-Heidi Schindler, WWF-Expertin für nachhaltige Ernährung. „Ein ganzes Huhn um drei Euro, ein Kilo Schweinefleisch um etwas mehr als vier Euro oder ein Kilo Cevapcici um weniger als fünf Euro – ein umwelt- und tierfreundlicher Betrieb ist bei solchen Kampfpreisen schwierig bis unmöglich“, sagt Schindler, die den Handel zum Verzicht auf klimaschädliche Rabatte auffordert.
„Insgesamt zahlt unsere Gesellschaft einen hohen Preis für Billigfleisch. Kampfpreise begünstigen die Massenproduktion, die wiederum die Klimakrise und die Naturzerstörung befeuert. Gerade dort wird auch häufiger zum Gen-Technik-Soja aus Südamerika gegriffen, das den Regenwald zerstört. Das kann niemand wollen.“

„I am from Austria“ – oder doch nicht?

Vier Pfoten weist dabei auf ein Kernproblem hin: Während Frischfleisch in Österreich nach Herkunft gekennzeichnet werden muss, gibt es bei verarbeiteten Produkten wie Grillwürsten oder mariniertem Fleisch keine verpflichtende, flächendeckende Herkunftsangabe. „Aber gerade dafür wird während der Grillsaison verstärkt mit Rabatten gelockt“, sagt Vier Pfoten-Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck. „Auf Würsten wird zwar der verarbeitende Betrieb genannt, oft jedoch nicht, woher das Fleisch tatsächlich stammt.“
„Von den untersuchten Geflügelprodukten stammte ein beträchtlicher Teil aus dem Ausland. Dort werden bei Mastgeflügel in der Regel noch weit mehr Tiere pro Quadratmeter gehalten als in Österreich“, erklärt Weissenböck. Österreichische Putenproduzenten stehen durch die ausländische Billigpute unter enormem Preisdruck. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass in Österreich bei der Tierhaltung alles in Ordnung ist. Deshalb ist für Vier Pfoten und den WWF Österreich eine Kennzeichnung nicht nur nach Herkunft, sondern auch nach der Haltungsform der Tiere ein absolutes Muss, um wahre Transparenz zu schaffen. „Es muss uns bewusst sein, dass Billigfleisch immer mit Tierleid einhergeht“, sagt Weissenböck.

Billigfleisch zeigt Fehlentwicklungen

Die Rabattanalyse verdeutlicht auch die absurde Schieflage bei der Wertigkeit von Produkten. „Bei einem Kilopreis einer Hühnerkeule von 2,99 Euro ist allein das Ketchup in Relation dazu dreimal so teuer wie das Fleisch, das auf dem Grill landet“, sagt Schindler. Und weiter: „Die Coronakrise hat nochmals gezeigt, wie wichtig biologisch erzeugte Lebensmittel aus der Region sind. Daher sollten wir auch im Sinne der Selbstversorgung all jene Betriebe stärken, die umwelt- und tierfreundlich arbeiten.“ Der Verzicht auf Billigfleisch-Rabatte würde beitragen, den Druck auf die Landwirtschaft zu verringern und angemessene Erzeugerpreise zu fördern.

Fleischkonsum liegt im weltweiten Spitzenfeld

Mit einem Fleischkonsum von durchschnittlich 64 Kilogramm pro Person im Jahr liegt Österreich im weltweiten Spitzenfeld. „Bei der Ernährung hat die Reduktion des Fleischkonsums die größten positiven Effekte für Klima und Gesundheit. Einerseits geht es um weniger und dafür qualitativ besseres Fleisch. Andererseits gibt es immer mehr pflanzliche Alternativen“, sagt Schindler. „Politik und Handel sind daher gefordert, eine klima- und umweltfreundliche Ernährung stärker zu unterstützen“, fordert die WWF-Vertreterin.