Versorgungssicherheit

Vehementes Kammerveto gegen Handelsverband

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 09.11.2021 - 14:24

Handelsverband fordert mehr Fleischimporte. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich hält das für einen Schmarrn.

Einkaufen-Fleischtheke

Die Einschätzung des Handelsverbandes, dass nur mit Importen die Versorgung des Marktes mit Fleisch zu sichern sei und dass es zu Beschaffungsengpässen komme, entbehrt für die Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich jeder sachlichen Grundlage.

Gerade bei Schweinefleisch quillt der Markt laut der Interessenvertretung förmlich über, weil EU-weit Schweinefleisch in Hülle und Fülle zu Tiefstpreisen angeboten wird. Hier seien daher auch Preisanhebungen in Richtung Konsumenten nicht zu rechtfertigen. Die Bauern erlösen derzeit für ein Schwein um zirka 25% weniger als noch Mitte 2020, so die LK OÖ.

Rindfleischpreise nicht exorbitatn gestiegen

Bei Rindfleisch haben die Preise zuletzt erfreulicherweise etwas angezogen und sind beim Schlachtstier um zirka 9% höher als sonst um diese Jahreszeit üblich. Von exorbitanten Preissteigerungen könne aber auch hier nicht gesprochen werden, zumal im Vorjahr der Preis das tiefste Niveau seit zehn Jahren erreicht hatte.

Die Versorgung des Marktes mit heimischem Rindfleisch ist laut Kammereinschätzung jedenfalls auch zu den Weihnachtsfeiertagen gesichert, und unsere Konsumenten brauchen nicht auf Tafelspitz oder Beiried vom AMA-Qualitätsrind zu verzichten.

Richtig sei, dass derzeit kaum südamerikanisches Billig-Rindfleisch am Markt ist, das ansonsten gerade vom Großhandel gerne für Gastro und Hotellerie verkauft wurde. "Ein Umstand, der offensichtlich den Handelsverband schmerzt und nach verstärkten Importen rufen lässt", erklärt LK OÖ-Vizepräsident Karl Grabmayr. Die oberösterreichischen Bauern würden jedenfalls alles daran setzen, eine ausreichende Versorgung mit heimischem Qualitätsfleisch, sei es Rind, Schwein, Geflügel oder Lamm, zu Preisen, die der Qualität und den hohen österreichischen Standards entsprechen, zu gewährleisten.

Handelsverband will mehr Fleisch einführen

Anfang des Monats warnte der Handelsverband, dass es mit einem Stück Schweinskarree oder einem Gulaschfleisch zum Preis einer Zigarettenpackung vorerst vorbei sei. Er meldete Preiserhöhungen von bis zu 25 Prozent in der Beschaffung. "Wichtige Fleischproduktionsländer wie die Niederlande und die USA kämpfen aktuell mit Engpässen. Das wirkt sich auch auf die Versorgungslage in Österreich aus", erklärte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer Presseaussendung.

Die heimischen Großhändler wirkten dem Engpass mit dem verstärkten Angebot von österreichischem Rindfleisch entgegen. Allerdings sei ein Umstieg auf inländische Lieferanten kurzfristig nicht in jedem Bereich möglich. "Der österreichische Großhandel ist aber weiterhin in der Lage, auf europäischen Märkten Ware zu ordern, um so die Verfügbarkeit sicherzustellen", beruhigte damals der Handelsverband.

Mit Material von aiz