Urlaub auf dem Bauernhof

Urlaubshof: Die kleinen Gäste arbeiten gerne mit

Bauernhof
Patrizia Schallert
am Dienstag, 05.11.2019 - 07:58

Der Urlaub am Bauernhof Betrieb von Familie Pöllitzer im Lungau hat sein Angebot ganz auf Familien mit Kindern ausgerichtet.

Auf einen Blick

  • Der Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betrieb Pöllitzer vermietet zwei Ferienwohnungen und eine Almhütte.
  • Hauptzielgruppe sind Familien mit Kindern.
  • Zweites Standbein des Biobetriebs sind Milchkühe. Das Besondere sind die muttergebundene Kälberaufzucht, die Zucht auf Langlebigkeit und die Vermarktung der Milch unter der Marke  Reine Lungau Biosphärenmilch.
  • Drittes Standbein ist der Wald mit Fichten und Lärchen. 

Kinder stehen im Mittelpunkt

Urlaub auf dem Bauerhof

Tamsweg/Sbg. - Kinder sind die Zukunft unserer Welt. Umso schöner, wenn sie von einem Aufenthalt auf dem Bauernhof ein gutes Gefühl für die Landwirtschaft mit ins Erwachsenenalter nehmen. Der Biobetrieb von Ulrike und Andreas Pöllitzer in Tamsweg im Lungau bietet Urlaub am Bauernhof an, bei dem die Kinder im Mittelpunkt stehen. Plantschen im überdachten Swimmingpool, Trampolinspringen, im Sandkasten Burgen bauen. Fußballspielen auf der Wiese, Mithelfen im Milchviehstall, Tiere streicheln – wenn da nicht in dem einen oder anderen Kind der Wunsch erwacht, selbst einmal im Bereich der Landwirtschaft zu arbeiten …

Ferienwohnungen statt Zimmer mit Frühstück

Auf die Idee, ihr Urlaubsangebot auf Kinder auszurichten, kamen Ulli und Andreas Pöllitzer, weil sie selbst drei Kinder haben. Das Ehepaar weiß, wie wichtig „Langeweilevertreiber“ sind. Zimmer mit Frühstück gibt es auf dem „Hollnhof“ schon seit einem halben Jahrhundert, allerdings waren die Räumlichkeiten in die Jahre gekommen. Um den wachsenden Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden, mussten sie dringend renoviert werden. Aus den Zimmern wurden zwei geräumige Ferienwohnungen. Als Allroundtalent hat der Betriebsführer alle Arbeiten vom Bodenlegen, Fliesen bis hin zur Elektrik und zum Ausmalen alles selbst gemacht. „Die Umbauarbeiten haben zwar ein wenig länger gedauert, dafür haben wir uns viel Geld gespart“, sagt die Biobäuerin. Wer es urig mag, dem steht eine 90 m² große Almhütte zur Verfügung, ohne Strom, dafür mit fließend kaltem Wasser. Die Hütte wurde heuer vom Biobauern liebevoll renoviert.
 

Im Sommer und Winter gut ausgelastet

Mit der Auslastung der jetzt schon im siebten Jahr vermieteten Ferienwohnungen ist Ulli Pöllitzer mehr als zufrieden. „Im Sommer kann man bei uns herrlich wandern, im Winter locken die nahen Skigebiete mit mehr als 300 Kilometer Pisten.“ Während der Skisaison kommen eher Gäste aus dem Osten, im Sommer sind die Wohnungen vorwiegend mit Urlaubern aus Österreich, Deutschland und Italien belegt. „Sie schätzen vor allem unser großes Angebot an Spielmöglichkeiten für die Kinder, den täglichen Semmelservice unseres Bäckers, mein selbstgebackenes Bauernbrot und meine verschiedenen Marmeladen“, sagt die Biobäuerin. „Auf unserem Hof stehen so viele Kirsch-, Zwetschgen-, Apfel- und Marillenbäume, dass ich die Früchte ich gar nicht alle verwerten kann. Deshalb dürfen sich die Gäste an den Obstbäumen bedienen, was sie auch gerne tun.“

Kinder gehen gerne in den Stall und helfen dort mit

Uralub auf dem Bauernhof

Bei den kleinen Gästen ist die Mithilfe am Hof sehr beliebt, sei es Tiere füttern, das Euter der Kühe vor dem Melken reinigen oder Eier im Hühnerstall abnehmen. „Vor allem die Kinder von Stammgästen bringen schon ihre eigenen Gummistiefel mit“, lacht die Biobäuerin. Die 20 Milchkühe vom Hollnhof haben 120 Tage im Jahr Weidegang. Die Trockensteher grasen im Sommer auf einer eigenen, rund 26 ha großen Niederalm, wo auch die urige Almhütte für die Urlauber steht.

Die Futterration der Kühe auf dem Hof besteht aus Grünschnitt, Heu und hofeigenem Getreide. Im Winter wird ihnen zusätzlich Silage vorgelegt. Lässt die Witterung einmal keine guten Erträge zu, kauft der Landwirt Grundfutter bei. Zum Betrieb gehören 18 ha Wald, 6 ha Grünland und 6 ha Ackerfläche. Für die Grundfutterproduktion werden Triticale und Gerste angebaut.

Wertschöfpung über Milch und Kälberverkauf

Der Hollnhof ist keinem Zuchtverband angeschlossen. Seit eineinhalb Jahren versucht die Familie Pöllitzer die Wertschöpfung aus ihrem Milchviehbestand zu erhöhen. Deshalb verkauft sie die Kälber nach drei bis vier Wochen mit rund 80 kg über einen Händler an Mastbetriebe. Bis dahin dürfen sie bei der Mutter bleiben und bei ihr trinken. Dementsprechend liegt die durchschnittliche Milchleistung nur bei 4000 kg. Der Biobauer ist von der muttergebundenen Kälberaufzucht überzeugt, weil die Tiere schneller zunehmen und deutlich vitaler seien. „Allerdings muss man bei dieser Aufzucht den Zellgehalt der Milch stets im Blick haben.“

Extensive Produktion lohnt sich

Urlaub auf dem Bauernhof

Bei der Zucht mit dem eigenem Stier legt Pöllitzer großes Augenmerk auf die Langlebigkeit seiner Tiere – mit Erfolg. Das Durchschnittsalter der Herde liegt bei zehn bis zwölf Jahren. Die Milch liefert der Betrieb im Rahmen des Programms „Reine Lungau Biosphären Frischmilch“ an die Salzburg Milch. „Ich habe immer schon nach den Vorgaben für diese Milch gewirtschaftet und musste nichts umstellen.“ Für den Eigenbedarf hält die Familie ein Schwein, 15 Hühner und etliche Kleintiere als Streichelzoo.

Drittes Standbein ist der Bergwald

Zum dritten Standbein des Betriebs zählt die Forstwirtschaft. „Auf einem allein kann ein kleinstrukturierter Betrieb heute nicht mehr stehen“, sagt der Biobauer. Damit die Wertschöpfung beim Betrieb bleibt, führt Andreas Pöllitzer alle Wald- und Holzarbeiten selbst durch. „Wenn ich die Arbeiten vergebe, verdiene ich ja selber nichts mehr.“ Der Waldbesitz von 18 ha mit vorwiegend Fichten und Lärchen hat viele mittelsteile und steile Flächen, auf denen die Seilwinde zum Einsatz kommt. Das Scheitholz benötigt die Familie für den Eigenbedarf, das Nutzholz verkauft sie an Sägewerke. Trockenheit und Borkenkäfer bereiten dem Landwirt aufgrund der Höhenlage seines Walds auf 1020 bis 1400 m keine Probleme.

Den Milchviehbetrieb hat Andreas Pöllitzer 1993 übernommen, schon seine Eltern hatten ihn biologisch bewirtschaftet. Zehn Jahre später kam Ulrike auf den Hof. Geheiratet wurde erst 2014. „Vorher ist einfach keine Zeit gewesen“, sagt Ulli Pöllitzer mit einem Augenzwinkern. „Ich hatte vorher mit Landwirtschaft überhaupt nichts zu tun, bin mit den Jahren aber in alle Hof-
arbeiten hineingewachsen.“ Besonders am Herzen liegt der Biobäuerin das Gespräch mit den Gästen. „Viele möchten wissen, was es mit der Reinen Lungau Biosphären Frischmilch auf sich hat.“ Ulli Pöllitzer versucht ihnen den Wert der regionalen Lebensmittel näher zu bringen. Es sei an der Zeit, dass die Verbraucher die Erzeugnisse der heimischen Landwirtschaft wieder mehr wertschätzen.