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Urlaub auf dem Bauernhof - komm᾽ und spann᾽ aus

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Elisabeth Jahrstorfer
am Mittwoch, 12.12.2018 - 08:48

Familie Wagner vom Biohof Ebenbauer setzt auf Milch und Urlaubsgäste, die eine Auszeit brauchen.

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Windhag/NÖ Mit den Worten „Wir sind im Paradies, dem schönsten Fleck Österreichs“, empfing Fritz Wagner mit Frau Rosi und Tochter Carina sowie Most von den eigenen Birnen die internationalen Gäste auf seinem Hof in Windhag. Der Biohof Ebenbauer liegt umgeben von gepflegten Wiesen und Weiden auf der Kuppe der zweiten Hügelkette, die sich im niederösterreichischen Mostviertel im Bezirk Waidhofen als Vorhut der Alpen erhebt. Auf der Hügelkette im Norden ist die Wallfahrtsbasilika Sonntagsberg zu sehen.

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Fritz Wagner ist überzeugter Biobauer. Er besitzt 19 ha Grünland, außerdem 5 ha Wald. 8 ha Grünland kann er günstig dazu pachten. Denn den Besitzern ist es wichtig, dass ihre Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Sein Betrieb ist mit 144 Erschwernispunkten bewertet.

Die 18 Milchkühe der Rasse Fleckvieh tragen Hörner und weiden beim Besuch auf einer Kurzrasenweide direkt neben der Hofstelle in der Herbstsonne. Zudem besitzt er 11 Jungtiere und einen Zuchtstier. 200 Tage, also sieben Monate verbringen die Rinder auf der Weide, im Winter haben sie einen Auslauf, damit sie auch da die frische Luft genießen können.

Täglich liefert Wagner 250 bis 300 l Milch an die NÖM. 49 ct/l beträgt derzeit der Biopreis. Einen Teil der Milch hält er zurück. Seine Frau bereitet daraus Frischkäse. Die Rinder lässt der Bauer in einem Kilometer entfernten Schlachthof eines direktvermarktenden Landwirts schlachten. Einen Teil des Biofleisches behält er, um von einem Metzger daraus Wurst zubereiten zu lassen. Den Rest des Fleisches verkauft er über die Rinderbörse. Den Preis bestimmt der Großhandel. Abnehmer sind die Lebensmittelketten mit ihren Bio- eigenmarken. Besser wäre eine Ab-Hof-Vermarktung, weiß Wagner.

Urlaub am Bauernhof schrittweise ausgebaut

Seit 1993 baut die Familie das zweite Standbein „Urlaub am Bauernhof“ schrittweise aus. Zielgruppe sind Personen, die eine Auszeit und Ruhe wollen. Wagner ist es wichtig, dass die Gäste aus der Stadt auf seinem Hof Landwirtschaft erleben und genießen können. Deshalb kommen auf das Frühstücksbuffet nur Produkte vom Hof, selbst geräucherter Speck von den eigenen Schweinen, Wurst vom Fleisch der eigenen Rinder, Frischkäse von der Milch der Kühe und Schafe. Auch die Eier stammen von den eigenen Hühnern. Für die Selbstversorgung mit „antibiotikafreiem Fleisch“, wie Wagner betont, hält er Mast- und Truthühner.
Die erste Ferienwohnung wurde im Wohnhaus ausgebaut. Später entstanden drei Ferienwohnungen in der mit EU-Förderung umgebauten Maschinenhalle, 2013 kam eine barrierefreie Wohnung dazu. Damit kann die Familie ihr Angebot auf ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen und ihre Angehörigen erweitern. Im Untergeschoss des Gebäudes wurden ein Wellnessbereich eingerichtet und ein gemütlicher Aufenthalts- und Seminarraum eingerichtet, den Interessenten mieten können. Ein weiteres Wachstum ist nicht geplant, damit der Hof in der Pauschalierung bleibt. Und natürlich damit die Gäste die Ruhe auf dem Hof genießen können, wenn sie von den über 20 m² großen Terrassen aus auf die steirischen Zweitausender blicken. Das Angebot ist beliebt, schon jetzt sind die Wohnungen 180 Tage voll ausgelastet.

Angebot auf Green Care erweitern

Die Hofnachfolger planen, das Angebot auf Betreuung von Burnout-Gefährdeten auszubauen. Dazu hat Tochter Angelika eine einjährige Ausbildung in Green Care absolviert. Später soll der Hof als Green-Care-Betrieb zertifiziert werden. Bereits jetzt bietet die Familie Auszeitwochen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen an.
Noch aber obliegt die Bewirtschaftung in erster Linie der älteren Generation, und zwar bis zur Pensionierung im Januar 2027. Die frischvermählte Tochter Angelika und ihr Mann Georg gehen derweilen noch ganztags in die Arbeit. Trotzdem haben Fritz und Rosi Wagner den Betrieb bereits 2015 übergeben. „Wir haben das Fruchtgenussrecht. Denn nur wenn einem etwas gehört, investiert er auch“, ist Fritz Wagners Devise.

Noch hat keiner aufgegeben

Der Biobauer ist voll in seinem Element, als einer der Journalisten fragt, was die ländliche Entwicklung zum Erfolg des Betriebs beigetragen hat: „Urlaub auf dem Bauernhof funktioniert nur, wenn die Landschaft herum gepflegt ist.“ In Windhag werden noch alle 80 Betriebe mit Flächen zwischen 5 und 30 ha bewirtschaftet, informiert der Landwirt. Viele von ihnen haben sicher eine ähnlich lange Tradition wie der Ebenbauer, die vermutlich bis ins Jahr 1250 zurückgeht. Das Wohnhaus ist wahrscheinlich mehr als 400 Jahre alt. Seit 1673 ist der Hof in Familienbesitz.

Für die Zukunft sei es wichtig, dass die Dörfer intakt seien und auch andere Familien hier wohnen bleiben, betont Wagner. „Wenn das Dorfleben nicht mehr funktioniert, geht der Bauer auch.“ Die Folge sei die Abwanderung der Menschen. Die Ausgleichszahlungen seien das wichtigste Mittel, um die Höfe zu erhalten. Ohne sie könnte die Landschaftspflege nicht bewerkstelligt werden. Würde die Unterstützung abreißen, seien die Folgen unumkehrbar. Denn „der Bauer, der weg ist, kommt nicht mehr“.
Für ihren Betrieb bekommt Familie Wagner insgesamt rund 20 000 € öffentliche Mittel: 8450 € aus der Ersten Säule, 8590 € Öpul-Gelder und 5425 € Erschwernisausgleich.

Mit zwei Standbeinen im Vollerwerb

Mit den zwei Standbeinen Milchvieh und Urlaub am Bauernhof hat Familie Wagner es geschafft, den Hof im Vollerwerb zu betreiben. Viele Nachbarn arbeiten dagegen im Zuerwerb. Das sei möglich, da es in der Region (Ybbstal) viel Industrie gebe, so der Biobauer.
Doch es funktioniere nicht, dass man in die Arbeit geht, um den Hof erhalten zu können, wie es bei manchen Familien der Fall sei. Immer mehr Nebenerwerbslandwirte gäben aus diesem Grund auf. Andere pachten deren Flächen dazu, schaffen die Bewirtschaftung dann aber von der Arbeitsbelastung her oft nicht. „Es funktioniert nicht, die Zukunft eines Betriebs darauf aufzubauen, dass die Altenteiler mithelfen“, betont er. Gerade auf den Betrieben, auf denen zu viel gearbeitet werde, sei die Hofnachfolge schwierig. Zudem fänden die Nachfolger dort keine Frau. Problematisch sei auch die Tatsache, dass viele Betriebe hohe Kredite für neue Ställe aufnehmen. „Das erwirtschaften sie ein Leben lang nicht und werden dadurch abhängig. Sie werden zu Leibeigenen der Bank“, beschreibt er den Teufelskreis.
Im Berggebiet sei es nicht möglich, größer zu werden, so Wagner. Seiner Meinung nach liegt die Zukunft der Landwirtschaft in Familienbetrieben, kleinstrukturiert und bio. Das sei auch die Antwort auf den Klimawandel. „Österreich soll das Disneyland werden“, ist seine Vision.

Schließlich zeigte der Landwirt, dass er neben der Landwirtschaft und der Vermittlung des Wissens darüber noch eine Leidenschaft hat, nämlich das Schnapsbrennen. Und so durften die Gäste zum Abschied aus einer Reihe von Bränden und Likören auswählen und sich mit einem Stamperl davon verabschieden.

Betriebsspiegel

Arbeitskräfte: Fritz (52) und Rosi (53) Wagner. In Spitzenzeiten bekommen sie Unterstützung von Hochnachfolgerin Tochter Angelika (27, Haushälterin) und deren Mann Georg (28, Werkzeugkonstrukteur), außerdem von Tochter Julia (21).

Fläche: 5 ha Wald, 27 ha Grünland

Vieh: 18 Milchkühe und Jungvieh, 4 Schafe, 2 Schweine, Truthähne, Masthühner, Legehennen zur Selbstversorgung.

Vermarktung: Biomilch an die NÖM, Biofleisch über die Rinderbörse, ein kleiner Teil am Hof.

Urlaub am Bauernhof: 3 Ferienwohnungen und Campingplatz, Hofprodukte wie Frischkäse, Saft, Brot, Honig, Fleisch, Wurstwaren, Most und Schnäpse werden am Hof, in erster Linie an die Feriengäste verkauft bzw. am Frühstücksbuffet angeboten.

Erschwernis: 144 EP.