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EU-Nitratrichtlinie

Wo es im Trinkwasser hakt

Grundwasser-Messstelle-Nitrat
Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 18.11.2022 - 08:00

Wassergütebericht zeigt: Vor allem Nitratbelastung ist Grund für Überschreiten der Schwellenwerte.

Wien Nach Auffassung von Bundeslandwirtschaftsminister Norbert Totschnig stellt der Wassergütebericht Österreich einmal mehr ein gutes Zeugnis aus. Die Einhaltung der vorgegebenen Qualitätsziele für Grundwasser, Flüsse und Seen seien wieder mehrheitlich bestätigt worden. „Grundlage dafür ist unser bewährtes Messprogramm, das auch die Basis für den langfristigen Gewässerschutz ist“, betont Totschnig anlässlich der Veröffentlichung des Wassergüte Jahresberichts seines Ministeriums.

Der Bericht enthält detaillierte Ergebnisse über Österreichs Gewässer als Ökosysteme und das Grundwasser für die Jahre 2018 bis 2020. Die Grundwasserqualität sei österreichweit gut, heißt es in einer Presseaussendung. Laut Bericht werden bis zu viermal pro Jahr Proben aus dem flächendeckenden Messnetz untersucht. Das Routineprogramm wurden an 1.961 Grundwassermessstellen durchgeführt, dabei wurden 130 Parameter erhoben. Darüber hinaus wurde laut BML im „GZÜV-Erstbeobachtungsjahr“ 2019 ein erweiterter Parameterumfang bei den „Pestiziden“ untersucht. So sind laut Bericht weniger als 2 Prozent der Messstellen mit Pflanzenschutzmitteln belastet.

Nitratbelastung stagniert seit fast zehn Jahren

Deutlich höher ist der Anteil bei Nitrat. So wurden bei 9 Prozent Überschreitungen von Schwellenwerten gemessen. „Um die geringen Belastungen weiter zu reduzieren, ist ein sorgsamer Umgang wichtig. Maßnahmen zur Reduktion wurden zum Beispiel über das „Nitrat-Aktionsprogramm“ eingeleitet“, so das Landwirtschaftsministerium. Ab dem kommenden Jahr hat es jedoch die Maßnahmen verschärft (s. BLW 45, S. 11). Denn der Anteil nitratbelasteter Messstellen sinkt seit rund zehn Jahren nicht mehr.

Wie der Bericht ausführt, sind auf Nitrat die weitaus meisten Schwellenwertüberschreitungen zurückzuführen. Die langjährigen Messreihen für Nitrat im Grundwasser zeigen, dass österreichweit betrachtet seit 1997 eine leicht abnehmende Tendenz bei den Überschreitungen des Qualitätszieles zu verzeichnen ist. Damals waren rund 16,4% der Messstellen nitratbelastet.

Hohe Nitratbelastung im Osten

Im Jahr 2020 wurde der Schwellenwert von 45 mg/l an 170 von 1.906 untersuchten Messstellen überschritten, dies entspricht einem Anteil von 8,9 % der Messstellen und damit annähernd dem Niveau, das seit dem Jahr 2012 beobachtet wird. Betroffen sind vorwiegend die landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen im Osten und Südosten Österreichs wie Burgenland, Niederösterreich und Oberösterreich. Im Westen des Bundesgebietes, also in Salzburg, Tirol und Vorarlberg, wurden 2020 an keiner Messstelle mittlere Konzentrationen über 45 mg/l beobachtet. Der höchste Anteil der Messstellen, die 45 mg/l überschreiten, findet sich im Bundesland Wien, vor allem in den Grundwasserkörpern Marchfeld sowie Südliches Wiener Becken. Bundesweit betrachtet wiesen rund 56 % der Messstellen Nitratgehalte von weniger als 10 mg/l im Jahresmittel auf.

Noch immer Altlasten zu finden

An 326 Messstellen wurde der Schwellenwert von 0,1 µg/l zumindest bei einer Messung überschritten. Dies entspricht einem Anteil von rund 16 % der beprobten Messstellen. Obgleich Metaboliten von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen lediglich rund 32 % des untersuchten Substanzspektrums stellen, lässt sich der überwiegende Teil der im Grundwasser detektierten Pflanzenschutzmittelrückstände auf Metaboliten zurückführen. Belastungsschwerpunkte bilden die landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiete im Osten und Südosten Österreichs sowie der zentrale Bereich Oberösterreichs.

Für 71 von 135 untersuchten Wirkstoffen lagen quantifizierte Nachweise im Grundwasser vor. Von diesen traten 46 Wirkstoffe zumindest einmal in Konzentrationen über 0,1 µg/l auf. Bentazon überschritt am häufigsten den Schwellenwert, gefolgt von Atrazin, Metolachlor und Terbuthylazin. Damit gingen die weitaus meisten Konzentrationen über 0,1 µg/l im Grundwasser auf nicht mehr zugelassene Wirkstoffe zurück. Atrazin wurde 1995 verboten, die Zulassung von Bentazon lief 2017 in Österreich aus. Für beide Wirkstoffe ist jedoch ein Rückgang der Funde im Grundwasser festzustellen.

Oberflächengewässer in gutem Zustand

Bei den Oberflächengewässern wurden 100 Stellen im „Überblicksmessnetz“ erhoben, welches laut Ministerium den Gewässerzustand für alle wichtigen Flüsse und Seen im Bundesgebiet abbildet. An Fließgewässer halten über 80% der Messstellen halten die Richtwerte bezüglich der allgemein physikalisch-chemischen Parameter ein. Im Beobachtungsjahr 2019 wurden in der überblicksweisen Überwachung die biologischen Qualitätselemente Fische, Makrozoobenthos, Phytobenthos und Makrophyten erhoben. Stofflich sind dabei etwas über 75% der Stellen in einem guten oder sehr guten Zustand. Auch die biologische Bewertung der 28 untersuchten Seen zum Nährstoffniveau hat nach Ministeriumsangaben überwiegend positive Ergebnisse gebracht.

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