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Haltungskennzeichnung

Tierwohl: Tierschützer fordern Kennzeichnung wie in Deutschland

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 23.06.2022 - 07:00

Grüner Gesundheitsminister trifft sich in Kürze mit Lebensmittelhandel. LK Oberösterreich wehrt sich gegen Verbot von Vollspaltenböden.

Fleisch-Kennzeichnung

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert von Tierschutzminister Johannes Rauch und den größten österreichischen Supermarkt-Ketten eine Kennzeichnung der Tierhaltungsform auf Fleischprodukten. Minister Rauch lädt am Freitag (23.6.) die Geschäftsführer der vier größten Supermarktketten Österreichs (Billa, Hofer, Lidl, SPAR) zu sich ins Ministerium, um über eine transparente Kennzeichnung zu sprechen.

In deutschen Supermärkten können Kunden dank transparenter Kennzeichnung bereits seit Jahren ganz einfach erkennen, welche Haltungsform sie bevorzugen. „Jetzt muss diese Transparenz endlich auch in Österreich umgesetzt werden,“ fordert Greenpeace.

Vier Haltungsstufen in Deutschland

In Deutschland weist der Lebensmittelhandel vier Haltungsstufen aus. Stufe 1 ist dabei der gesetzliche Standard der Stallhaltung. Stufe 2 sichert 10% mehr Platz und Beschäftigungsmaterial zu. In Stufe 3 enthält Außenklimaställe und Stufe 4 die Ökotierhaltung. Die deutsche Bundesregierung plant ab 2023 eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung zunächst für Schweine zu starten. Vorgesehen sind dabei fünf Stufen.

Für Österreich muss diese Transparenz im Fleisch-Regal jetzt ebenfalls rasch auf den Weg gebracht werden. Bei dem Gipfeltreffen von Tierschutzminister Rauch und den österreichischen Supermärkten müssen dafür die Weichen gestellt werden”, fordert Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich. Seiner Meinung nach möchte niemand „Fleisch aus Tierleid“ auf dem eigenen Teller. Aber derzeit sei für Konsumenten in Österrreich meist schlicht nicht erkennbar, ob etwa ein Schwein auf Vollspaltenboden gehalten wurde. „Das müsse sich rasch ändern!”

Waldenberger lehnt Verbot von Vollspaltenböden ab

Franz Waldenberger

Neben mehr Transparenz im Fleisch-Regal müssen laut der Umweltorganisation auch die gesetzlichen Standards weiter verbessert werden - gerade in der Schweinehaltung. Derzeit verhandeln Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Gesundheitsminister Johannes Rauch über eine Novelle des österreichischen Tierschutzes. Greenpeace fordert auch hier rasche Nachbesserungen, etwa ein Ende des Vollspaltenbodens.

Das geforderte Verbot bisheriger Haltungssysteme lehnt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich strikt ab. Österreich sei in einem gemeinsamen Markt mit 26 anderen EU-Staaten, in denen ein gesetzlicher Zwang zu Strohhaltungssystemen absolut kein Thema sei. Derzeit ist in Österreich wie auch in faktisch allen anderen EU-Staaten der Spaltenboden das mit über 90 Prozent-Anteil am weitesten verbreitete Haltungssystem.

Markt entscheidet

Waldenberger warnt davor, mit billigerem, importiertem Fleisch aus konventionellen Haltungsformen überflutet zu werden, insbesondere im Bereich der Fleischwarenindustrie, wenn ein solcher Zwang ausschließlich in Österreich käme. Das wäre der Todesstoß für die österreichische Schweinehaltung, und das kann nicht im Interesse der Konsumenten sein.

„Ein Verbot der Vollspaltenböden im Stall kann nur mit einem Verbot von Fleisch aus dieser Haltungsform im Regal Hand in Hand gehen. Letztendlich entscheiden die Markt- und Absatzmöglichkeiten über den weiteren Ausbau von Tierwohlprogrammen“, ist der Kammerpräsident überzeugt.

Die kritische öffentliche Diskussion darüber belastet laut Waldenberger die Stimmung der Schweinebauern, weil sie sich 365 Tage im Jahr um ihre Tiere kümmerten und nicht als Tierquäler gesehen werden wollten. Viele Landwirte seien durchaus bereit, Umstellungen in Richtung von Haltungssystemen mit Stroh-Einstreu, mehr Platzangebot und teils auch mit Auslauf ins Freie vorzunehmen, aber diese Umstellung brauche Zeit und sei auch mit beträchtlichen Kosten verbunden.

„Daher kann es Schweinefleisch aus Tierwohlställen nicht zum gleichen Preis geben wie aus konventionellen Ställen. Je höher das Tierwohl und damit die Kosten, desto höher muss auch der Mehrerlös sein“, fordert Waldenberger.

Größter Aderlass in der Schweinehaltung zu befürchten

Weil durch die Kriegswirren durch den Ukraine-Krieg die Futter- und Energiekosten um bis zu 100 Prozent gestiegen sind, bräuchten die Schweinebauern einen Notierungspreis von 2,25 Euro, momentan liegt dieser 40 Cent darunter.

 „Wenn wir in den nächsten Wochen die Vollkostendeckung nicht erreichen, befürchte ich den größten Aderlass in der Geschichte der heimischen Schweinehaltung", so Johann Schlederer, Geschäftsführer des VLV.

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