Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Fleckviehzuchtverband

Tiertransporte im Fokus

FIH-Generalversammlung 2020-Fam. Voraberger-Dr. Anton Pohl Preis
Kein Bild vorhanden
Externer Autor
am Donnerstag, 19.03.2020 - 08:28

Generalversammlung des FIH spricht über Leistungen der Züchter, Export von Zuchttieren und Hintergründe für die Kälberexporte.

FIH-Generalversammlung 2020-Miesenberger-Steiner

Ried im Innkreis In Zeiten, in denen die Bäuerinnen und Bauern das Gefühl nicht los werden, für alles verantwortlich gemacht zu werden, was schief läuft in unserer Gesellschaft und in denen die Zahl der Züchter und Milchbauern immer weiter schrumpft, ist es wichtig, dass die Mitglieder zu ihrer Organisation stehen. Dass dies beim Fleckviehzuchtverband Inn- und Hausruckviertel (FIH) der Fall ist, zeigt die Generalversammlung des Verbands sehr deutlich: Fast 400 Personen waren zur Generalversammlung in die Bauernmarkthalle nach Ried gekommen.

Erstmals in ihrer neuen Funktion waren Kammerdirektor Mag. Karl Dietachmair und die Präsidentin der LK Oberösterreich, Michaela Langer-Weninger bei einer Generalversammlung des FIH dabei. Die Präsidentin versicherte den Züchterinnen und Züchtern volle Unterstützung bei ihren Anliegen. „Ja, wir sind gegen Schlachtrinderexporte in Drittländer, wir stehen aber voll zu den Zuchtrinderexporten, weil sie wichtig sind in einem Land mit einem Grünlandanteil von über 50 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche“.

Nationalrat Manfred Hofinger dankte und gratulierte in seinen Ausführungen den Züchtern für ihre Leistungen. Die friedlichen Demonstrationen mit den Traktoren vor den Spar Supermärkten wurden von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung mit Verständnis aufgenommen, sagte Hofinger.

Gut vorgesorgt

Der deutliche Rückgang bei den Zuchtrinderpreisen im letzten Jahr führte zu einem geringeren Umsatz und hinterließ auch in der Bilanz des FIH seine Spuren. Der Wert der Zuchtrinder und Kälber, die im Geschäftsjahr 2018/2019 über den FIH vermarktet wurden, reduzierte sich auf 14 Mio. €.

Bei einer Bilanzsumme von 7 030 000 € und einem Jahresverlust von 312 000 € war die Auflösung von Rücklagen notwendig, um ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erreichen. Die Eigenkapitalquote von imposanten 65,3 % beweist, dass in guten Jahren für schwierige Phasen vorgesorgt wurde.

Doppelnutzung ist aktuell

In Zeiten, in denen extreme Zuchtrichtungen von der Gesellschaft immer stärker hinterfragt werden und die Förderung von Doppelnutzungsrassen bei Rind und Geflügel sogar im Regierungsprogramm festgeschrieben ist, ist der FIH mit der Rasse Fleckvieh, der besten Doppelnutzungsrasse der Welt, auf dem richtigen Weg, meint Geschäftsführer Josef Miesenberger. Die Zahlen beweisen, dass die Rasse Fleckvieh heute so leistungsfähig ist wie nie zuvor.

Trotzdem wurden in der Zucht die Langlebigkeit und vor allem die Lebensleistung der Tiere nicht vernachlässigt. Mit einer Durchschnittsleistung der Kühe von über 8000 kg Milch und einer durchschnittlichen Lebensleistung von fast 32 000 kg Milch nehmen die FIH Züchter den Spitzenplatz in Österreich ein und müssen auch keine Vergleiche mit ihren Berufskollegen aus Bayern scheuen. Natürlich sind spezialisierte Milchrassen noch leistungsfähiger, eine höhere Lebensleistung erreichen sie in Österreich allerdings nicht. Obwohl Fleckviehkühe heute wesentlich mehr Milch geben als in der Vergangenheit, bieten die Fleckviehstierkälber immer noch die beste Basis für die heimische Stiermast.
Miesenberger warnt aus züchterischen Gründen vor dem immer höheren Anteil an Gebrauchskreuzungen. Er befürchtet, dass vor allem die Kreuzungen mit der Rasse Weiß Blau Belgier aus Tierschutzgründen zum Bumerang für die Milchbauern werden.

Verantwortung endet nie!

Mit Spannung erwartet wurde der Vortag von Dr. Simone Steiner, zuständig für Veterinärangelegenheiten bei der Zentralen Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR) in Wien. Unter dem Titel „4260 Kilometer in sieben Tagen: Mit 30 Zuchtkalbinnen von Oberösterreich nach Aserbaidschan“ berichtete sie mit Bildern und Filmen über einen Export von Freistadt über Polen und Russland bis nach nach Aserbaidschan, den sie bis zum Ziel begleitete. Der Transport, die Pausen und vor allem die Gesundheit der Tiere wurden dokumentiert. Die erfreuliche Schlussfolgerung ist: Zuchtrinderexporte können auch über lange Strecken so gemacht werden, dass die Tiere wohlbehalten in ihrem neuen Zuhause ankommen.
Die ZAR, als Dachorganisation der österreichischen Rinderzuchtorganisationen, begleitet und kontrolliert weiterhin Zuchtrinderexporte und Kälberexporte aus Österreich, damit in der aktuellen Diskussion nicht alle Exportgeschehnisse in einen Topf geworfen werden und man selbst weiß, wovon man spricht. „Das sind wir unseren Mitgliedern schuldig, den Tieren schuldig und es hilft auch in der Diskussion mit den Ministerien und Tierschützern“, meint Dr. Simone Steiner. ZAR Obmann Stefan Lindner erklärte die Hintergründe, die Kälberexporte zur Folge haben. Diese Notwendigkeit bestünde nicht, wenn beim Konsum das importierte Kalbfleisch durch Fleisch aus heimischer Produktion ersetzt würde. Dass dies derzeit nicht passiert, liege einzig und allein an den Dumpingpreisen für das importierte Fleisch. In diesem Zusammenhang forderte Obmann Johann Hosner einmal mehr, endlich die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel in der Gastronomie und im Handel einzuführen.

Ehre, wem Ehre gebührt

Die Generalversammlung wurde genutzt, um die bei der Jubiläumsausstellung und bei der Bundesfleischrinderschau 2019 erfolgreichen Züchter zu ehren. Nach wie vor ist es ein außergewöhnliches Ereignis im Leben eines Züchters, eine 100 000-Liter-Kuh im Stall zu haben. 56 Kühe erreichten im letzten Jahr diese magische Zahl. Die erfolgreichen Züchter wurden von der ZAR und dem FIH ausgezeichnet. Die höchste Anerkennung, der Dr. Anton Pohl Preis, wurde Ingrid Voraberger für die Remus-Tochter Sofie verliehen. Diese Kuh erreichte bei zwölf Abkalbungen die höchste Lebensleistung bei einer Zwischenkalbezeit von unter 385 Tagen.