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Österreich

Tierhaltung: Jungbauern fürchten um ihre Zukunft

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 22.07.2022 - 14:00

Umweltministerin Gewessler muss in Brüssel gegen EU-Industrieemissionsrichtlinie wehren, fordern Jungbauern.

Milchviehstall-Landwirte-Futtertisch

Die Jungbauern in Oberösterreich sehen ihre Zukunft bedroht, wenn die EU-Kommission ihre Pläne zu Novelle der Industrieemissionsrichtlinie umsetzt. Daher appelliert Jungbauernlandesobmann LKR Christian Lang an Umweltministerin Leonore Gewessler, sich auf europäischer Ebene für die heimische Landwirtschaft einsetzen.

Sollte diese Novellierung in geplanter Form kommen, würden viele bäuerlichen Betriebe aus der Nutztierhaltung endgültig aussteigen. „Das kann nicht das Ziel von Bundesminister Gewessler sein, denn der Import von ausländischen Lebensmitteln hat einen ungleich höheren CO2-Fußabdruck als die Produktion von heimischer Ware,“ warnt Lang.

Bisher sind zwar nur sechs Betriebe oberösterreichweit von der Richtlinie betroffen. Künftig könnten es etwa 1000 Tierhalter sein. Der aktuelle Änderungsentwurf beinhaltet ein starkes Absenken der Schwellenwerte für die Schweinehaltung, auf 150 Großvieheinheiten vor, auch die Rinderhaltung soll einbezogen werden. Bereits bestehende Anlagen und Gebäude müssten ebenso einem Verfahren unterzogen werden. Betroffen wären Betriebe mit rund 100 Kühen (inkl. Nachzucht) oder 500 Schweinemastplätzen.

Unverständnis bei Jungbauern

Lang kann nicht verstehen, warum die Europäische Kommission die heimischen bäuerlichen Familienbetriebe mit großen Industriebetrieben gleichstellt. Die horrenden Kosten stünden in keinem Verhältnis zur möglichen Emissionsverringerung, so der Jungbauernlandesobmann. Er rechnet durch die neuen Vorgaben mit Verfahrenskosten von etwa 50 000 bis 60 000 € für viele heimischen Bäuerinnen und Bauern. So müssen Betriebe, die unter diese Richtlinie fallen, ein eigenes Emissionsverfahren durchführen.

Hohe Kosten drohen

In der jüngsten Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich im Juni brachte der oberösterreichische Bauernbund daher die Resolution „EU-Industrieemissionsrichtlinie gefährdet bäuerliche Nutztierhaltung“ ein (s. BLW 27, S. 12), bei der Lang mitunterzeichnet hat. Darin wird unter anderem angemerkt, dass „die prioritär betroffenen Ammoniak- und Methan-Emissionen ohnehin in anderen EU-Rechtsakten einer strengen Regulierung unterworfen sind.“

Viele Familienbetriebe

Christian Lang Portraitbild

In der österreichischen Tierwohldebatte haben Konsumentinnen und Konsumenten nach Langs Auffassung fälschlicherweise Bilder von argentinischen Feedlots, ukrainischer Hühnerkäfighaltung und asiatischer Massenschweinehaltung im Kopf. Die heimische Landwirtschaft sei mit diesen internationalen Agrarverhältnissen nicht vergleichbar. „Nach der aktuellen Agrarstrukturerhebung ist die heimische Landwirtschaft familiär, weiblich und vielfältig“, meint Lang. 93 % sind bäuerliche Familienbetriebe, 35 % führen Frauen und 58 % der Betriebe arbeiten im Nebenerwerb.

In Bayern würde sich die Zahl der betroffenen Tierhalter von aktuell 500 Betrieben nahezu verzehnfachen. „Dann können wir die Lichter ausmachen,“ warnt Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber. Deutschlandweit würden durch die geplanten Verschärfungen laut Bundesregierung künftig über 22 000 Tierhalter betroffen sein. Derzeit sind es 2747.

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