Direktvermarktung

Tante Emma auf dem Bauernhof

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Annett Bauer
am Freitag, 24.07.2020 - 10:58

Familie Brodschelm hat sich in Simbach am Inn ein neues Standbein aufgebaut. Aus der Milch ihrer Kühe lassen sie Rohmilchkäse herstellen, der den Stammkunden aus Bayern und Oberösterreich hervoragend schmeckt.

Familie Brodschelm im niederbayerischen Simbach am Inn, gleich in der Nachbarschaft von Braunau, hat sich vor einem Jahr den Traum vom eigenen Hofladen erfüllt: Unter anderem Käse, Fruchtaufstriche, Gemüsesoßen oder Brot aus eigener Herstellung, als auch Produkte von regionalen Zulieferern stehen hier in den Regalen des Ladens auf dem Weißn-Hof, wie der schmucke Betrieb schon seit Generationen heißt.

Schon am Hofeingang verweist ein liebevoll gestaltetes Schild auf den kleinen Hofladen, in dem Brigitte und Stefan Brodschelm vor über einem Jahr mit der Direktvermarktung ihrer Produkte angefangen haben. Mittlerweile läuft der kleine Laden sehr erfolgreich, was auch die gelernte Bankkauffrau Brigitte Bordschlem freut: „Unser Sortiment wird sehr gut angenommen und wir sind grundsätzlich sehr zufrieden mit unserem Umsatz. Vor allem, da unser Hofladen nur am Wochenende geöffnet hat.“

Am Anfang noch „über die Küchentheke“ verkauft

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Bereits im Jahr 2018 fing Brigitte Brodschelm damit an, Käse aus eigener Milch herstellen zu lassen und diesen anfangs noch „über die Küchentheke“ zu verkaufen. Da die Nachfrage immer größer wurde, musste schnell eine andere Lösung gefunden werden. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt und einigen ersten Überlegungen, fiel schließlich der Startschuss für den eigenen Hofladen.

Schnell fand die Familie für dieses Vorhaben einen leerstehenden Raum und der Traum vom eigenen Laden konnte schließlich am 17. Mai vergangenen Jahres erfüllt werden. So folgte dem Käse nach und nach ein immer größer werdendes Sortiment, welches allerdings immer eines gemeinsam hat: „Dass die Produkte allesamt möglichst regional sind, ist uns sehr wichtig“, erklärt Brigitte Brodschelm. Sie ist überzeugt: „Was helfen Bioprodukte, wenn sie kilometerweit transportiert werden müssen? Dann lieber regional über Direktvermarktung und mit gutem Gewissen.“

Viele Kunden kommen schon über die Grenze

Daher findet sich auch in den Regalen, neben den Produkten aus eigener Herstellung wie Sirup, Fruchtaufstrichen und Chutney, auch Honig und Bienenwachs von Imkern aus der unmittelbaren Umgebung, Mehl aus einer zwölf Kilometer entfernten Mühle oder selbst gebrannter Schnaps vom benachbarten Bauern. Neben den Milchprodukten, Gemüsesoßen und Fruchtaufstrichen verkaufen Brodschelms auch Fleischprodukte, die sie – manchmal auch von den eigenen Schweinen – von einem zehn Kilometer entfernten Metzger beziehen.Besonders beliebt bleibt allerdings immer noch der Käse: Die österreichische Lohnkäserei Tiefenstätt in Ramsau veredelt die Rohmilch der Familie zu einem halbfesten Rohmilchschnittkäse, der mittlerweile in 16 verschiedenen Sorten erhältlich ist. „Der Käse geht schon sehr gut“, versichert Brigitte Brodschelm, die neben dem Käse auch Butter, Yoghurt und seit einiger Zeit auch Ricotta selberherstellt.

Möglichst alle Zutaten aus der Region

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Doch auch hier gilt: Egal, ob Bärlauch, Bockshornklee oder getrocknete Birne – es werden möglichst Zutaten und Gewürze aus dem eigenen Garten verwendet oder von einer Gärtnerei im nahen Wurmannsquick bezogen. „Wir schauen natürlich immer, dass wir neue Kreationen in unser Sortiment aufnehmen und etwas herumprobieren, um wieder mal etwas Neues anzubieten“, erklärt die dreifache Mutter.

Was sie besonders freut: die Qualität des Käses hat sich herumgesprochen, auch über den Inn hinweg: Aus dem nahen Braunau kommen immer wieder Kunden, einige sind regelmäßig im Laden der Familie Brodschelm, um sich hier einzudecken.

Insbesondere für die Ortsansässigen aber versuche man dieses breite Sortiment zu schaffen, um als eine Art Tante-Emma-Laden zu dienen, der die Menschen vor Ort mit dem Nötigsten versorgen kann. Daher freut es sie auch, dass die Kunden diesen so gut annehmen und Anregungen, was noch mit in das Sortiment aufgenommen werden könnte, greift sie gerne auf.

Und nicht nur daheim in Simbach läuft das Geschäft gut, die Familie war auch bereits auf mehreren Veranstaltungen gefragt. „Es freut mich auch, wenn wir Anfragen bekommen. Wir waren zum Beispiel schon auf dem Wachsmarkt in Tann vertreten oder wurden konnten die Gäste einer Autoausstellung versorgen“, so Brigitte Brodschelm. Angestellte braucht es hierfür nicht. Denn neben ihrem Mann unterstützen die drei Kinder ihre Mama tatkräftig hinter der Ladentheke.

Wirtschaftlichkeit geht auch mit Tierwohl

Doch nicht nur die Direktvermarktung läuft hier vorbildlich, denn auf dem Weißn Hof hat man an den optimalen Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Tierwohl gefunden. Im Jahr 2014 übernahm das Paar den Hof in im Süden Rottal-Inns. Zu dieser Zeit lebten hier noch 34 Kühe in Anbindehaltung im noch vom Vater erbauten Stall. Schon kurz nach der Übernahme folgten die ersten Umbauten. Nach einigen Überlegungen fiel die Wahl dann schnell auf einen Laufstall, den die Familie 2015 errichtete.

Der Laufstall war die richtige Entscheidung

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Eine Entscheidung, die der 49-jährige Landwirt Stefan Brodschelm nicht bereut: Denn seither seien die Rinder gesünder, Antibiotika brauche man kaum, beim Kalben benötige man nur wenig menschliches Zutun und auch die Nutzungsdauer sei enorm gestiegen.

„Unsere älteste Kuh ist nun schon mit dem neunten Kalb trächtig. Sie trägt die Stallnummer 506, während unsere jüngste die Nummer 641 trägt“, berichtet der Landwirt stolz. Damit hat sie schon so einige Artgenossen überlebt. „Man merkt schon, dass unsere Kühe im Schnitt älter werden“, fügt Stefan Brodschelm, während er auf die trächtige Kuh in der Stallecke verweist.

Kühe mussten sich anfangs umgewöhnen

Zum Melken geht es für die Kühe in den Melkstand. Dies sei für seine Tiere anfangs noch eine Umstellung gewesen, dennoch hätten sich seine Rinder schnell an die neue Haltungsform und die Abläufe gewöhnt. Auch die Leistung habe seit der Umstellung merkbar zugenommen und Arbeitszeit werde durch kürzere Wege und die erleichterten Arbeitsschritte erspart.

Der alte Stall wird dennoch weiter genutzt – hier ist jetzt die weilbliche Nachzucht untergebracht. Und beim Neubau des Kuhstalles gönnten sich die Brodschelms sogar noch eine Besonderheit für Besucher. Stefan Brodschelm erklärt: „Einen Balkon, der sich durch den Kuhstall zieht, habe ich mir eingebildet, damit unsere Besucher den kompletten Stall sehen können.“

Erlebnis-Bauernhof für Kinder

Denn der Hof ist Teil des Projektes „Erlebnis-Bauernhof“, das Kindern mehr über die Herstellung von Produkten und die landwirtschaftlichen Betriebe dahinter vermitteln soll. Schulklassen sind deshalb oft zu Gast auf dem Weißn Hof. Daher sei der Balkon auch optimal, um gute Einblicke zu gewähren, denn dass die Kinder einen Bezug zu ihren Lebensmitteln haben, ist Stefan und Brigitte Brodschelm sehr wichtig. Aber auch andere Besucher sind auf dem Weißn Hof jederzeit herzlich willkommen – egal ob im Stall oder im Hofladen, wie das Ehepaar betont.