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Betriebsmittelkosten

Stromkostenzuschuss: Landwirte in Österreich bekommen 120 Mio. Euro

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Johanna Michel, agrarheute
am Dienstag, 29.11.2022 - 13:50

Die österreichische Regierung unterstützt die Landwirte bei den gestiegenen Betriebsmittelkosten. Im nächstes Jahr stellt sie den Betrieben 120 Mio. Euro als Stromkostenzuschuss zur Verfügung.

In zwei Stufen soll der Stromkostenzuschuss von 120 Mio. Euro ausgezahlt werden. Gelder für die Stufe 1 fließen im ersten Quartal 2023, im zweiten Halbjahr 2023 wird die Unterstützungsmaßnahme für die zweite Stufe ausgezahlt.

Durch die staatliche Hilfe will Österreich die Lebensmittelversorgung im Land sicherstellen.

So will Österreich den Stromkostenzuschuss verteilen

Von der Maßnahme profitieren sollen nach Angaben des Ministeriums die gesamte landwirtschaftliche Urproduktion einschließlich Nebenerwerbsbetriebe.

Bei der Stufe 1 soll es sich um einen pauschalen Zuschuss mit Flächen- und Tierbezug handeln: Als Mindestbetrag werden 100 Euro pro Betrieb angesetzt, ansonsten richtet sich der Zuschuss nach der Hektar- beziehungsweise Tierzahl. Dabei soll die Unterstützung etwa 10,4 Cent/kWh betragen. Bezugsgröße soll der pauschale Stromverbrauch sein.

Als Berechnungsgrundlage zieht die Abwicklungsstelle Agrarmarkt Austria (AMA) Daten aus dem Mehrfachantrag 2022 heran. Für sie werde in Stufe 1 ein Autoantrag umgesetzt, heißt es aus dem Ministerium. Für Stufe 2 muss ein gesonderter Antrag bis zum 15. April 2023 gestellt werden. Betriebe ohne Mehrfachantrag 2022 können bis 31.12.2022 einen Antrag mit Angabe der Tierliste zum Stichtag 1. April 2022 nachreichen.

Die Stufe 2 sieht einen verbrauchsabhängigen Zuschuss für stromintensive Betriebszweige und Tätigkeitsfelder vor. Hier können Landwirte die Hilfe unter Angabe ihres tatsächlichen Stromverbrauchs beantragen. Auf den Durchschnittswert aus den letzten zwei Jahresabrechnungen wird geachtet. Zu den stromintensiven Bereichen zählen laut Ministerium:

  • elektrisch betriebene Beregnung landwirtschaftlicher Flächen
  • elektrisch betriebene Belüftung, Kühlung oder Trocknung landwirtschaftlicher Erzeugnisse
  • Produktion von Gemüse, Obst oder Zierpflanzen im geschützten Anbau
  • Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Innenräumen mit Einsatz elektrisch betriebener Anlagen (zum Beispiel Pilze, Hanf, Schnecken, Insekten)
  • Aquakultur und Teichwirtschaft mit Einsatz elektrisch betriebener Anlagen
  • Weinproduktion
  • Be-/Verarbeitung sowie Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte
  • Buschenschank und Almausschank
  • Vermietung von Privatzimmern oder Ferienwohnungen

Minister Totschnig sichert unbürokratische Auszahlung zu

Aus den Vorgaben für den Stromkostenzuschuss ergebe sich beispielsweise für einen mittleren Ackerbaubetrieb mit 40 ha und einem Jahresverbrauch von 2.400 kWh eine Entlastung von 248 Euro. Ein Direktvermarkter mit Milcherzeugung und Heutrocknungsanlagen, der einen Stromverbrauch von 50.000 kWh bei einer Fläche von 12 ha Dauergrünland, 15 Milchkühen und 5 Jungrindern aufweist, bekomme 4.420 Euro.

Agrarminister Norbert Totschnig will die Entlastung unbürokratisch auszahlen. „Mit einem Volumen von 120 Mio. Euro setzen wir eine weitere gezielte und unbürokratische Unterstützung um, die nicht nur die Kostenbelastung abfedert, sondern auch die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig sichert“, so der ÖVP-Politiker.

Georg Strasser, Präsident des Bauernbunds, begrüßt den Stromkostenzuschuss und fordert eine Entkopplung des Strompreises vom Gaspreis. Das Merit-Order-System sei zu hinterfragen. „Nichtsdestotrotz ist der Stromkostenzuschuss ein notwendiger Schritt zur Entlastung unser Bauernfamilien. Jeder investierte Euro in die Landwirtschaft kommt in weiterer Folge der gesamten Gesellschaft zugute“, sagt Strasser.

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