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Steuerrecht

Steuerentlastung: Damit können Bauern rechnen

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 21.01.2022 - 08:07

Nationalrat verabschiedet zahlreiche Steuerentlastungen für Landwirtschaft. Rückvergütung für Agrardiesel kommt ab Mitte 2022.

Milchtank-Österreich-Bergbauer

Die Ökosoziale Steuerreform, die der Nationalrat am Donnerstag, (20.1.) beschlossen hat, bringt auch für Österreichs Bäuerinnen und Bauern etliche Entlastungen.

Konkret werden die Lohn- und Einkommensteuer von 35% auf 30% beziehungsweise von 42% auf 40% reduziert. Laut Landwirtschaftskammer Niederösterreich entlastet diese Tarifermäßigung steuerpflichtige Voll- und Nebenerwerbslandwirte, bei entsprechendem Einkommen, um bis zu 1.230 Euro jährlich. Zudem wird der Grundfreibetrag beim Gewinnfreibetrag von 13% auf 15% angehoben, die stufenweise Senkung der Körperschaftssteuer von 25% auf 23% umgesetzt und ein neuer Investitionsfreibetrag eingeführt.

Pauschalbeträge sind noch offen

Ebenso ist eine CO2-Steuerrückvergütung für die Land- und Forstwirtschaft ab Mitte 2022 beschlossen. Die österreichische Land- und Forstwirtschaft habe im europäischen Vergleich derzeit eine höhere Steuerlast als in anderen Staaten zu tragen, so das Agrarministerium. Gleichzeitig gewähren die meisten EU-Mitgliedsstaaten eine Mineralölsteuer-Vergütung oder einen steuerbegünstigten Agrardiesel. Mit der CO2-Steuerrückvergütung werden laut Agrarministerium den Land- und Forstwirten die Kosten, die durch die CO2-Bepreisung ab Jahresmitte entstehen, vollständig abgegolten.

Das Finanz-, Klima- und Landwirtschaftsministerium werden auf Basis aktueller Berechnungen des Bundesamtes für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen die unterschiedlichen Rückvergütungswerte je nach Bewirtschaftungsbereich in einer Verordnung erlassen. Maßgebend ist dabei der durchschnittliche Dieselverbrauch je Hektar und Kulturart. Die Inanspruchnahme der CO2-Rückvergütung werde über einen Antrag bei der Agrarmarkt Austria möglich sein, so Bundesagrarministerin Elisabeth Köstinger. 

Bis zu 200 € Klimbonus

Mit dem regionalen Klimabonus will die Regierung vor allem Menschen im ländlichen Raum entlasten, die aufgrund ihres Wohnorts mehr auf ihr Auto angewiesen sind als in der Stadt. Konkret wird es den Bonus in vier Stufen geben, je nachdem wo sich der Hauptwohnsitz in Österreich befindet. So sind in städtischen Zentren 100 € vorgesehen. Der Bonus steigt schrittweise über 133 Euro, 167 Euro auf 200 Euro in ländlichen Gemeinden. Für jedes Kind gibt es jeweils die Hälfte des Bonus. Eine Bauernfamilie mit zwei Kindern am Land kann so bis zu 600 Euro Klimabonus im Jahr bekommen. Die Höhe der Boni können sich ändern, abhängig von den Einnahmen aus dem nationalen Emissionshandel.

Für den Umstieg auf erneuerbare Energie beim Heizen (Biomasse, Pellets, etc.) sind insgesamt 500 Mio. Euro für verschiedene Maßnahmen vorgesehen. Davon profitiert mittel- bis langfristig insbesondere auch die Land- und Forstwirtschaft als Rohstofflieferant. So sind für Raus aus Öl/Gas 180 Mio. Euro vorgesehen, bei Heizkesseltausch und Sanierung steuerliche Anreize von 180 Mio. Euro. Einkommensschwache sollen beim Heizkesseltausch weitere 80 Mio. Euro erhalten. Daneben hat das Parlament ein Förderpaket für die thermische Sanierung des mehrgeschossigen Wohnbaus von 60 Mio. Euro abgesegnet.

Entlastung für Renter und In Krankenversicherung

Des weiteren sieht der Beschluss eine Gutschrift von 1,7 % bei den Krankenversicherungsbeiträgen vor und eine Absenkung des fiktiven Ausgedinges für bäuerliche Pensionisten von 10 auf 7,5%: Laut Agrarministerium beläuft sich Entlastung für die kleinsten bäuerlichen Pensionen auf 8 Mio. Euro. Davon profitieren nur Mindestpensionisten, die Ausgleichszulage für ihre Rente erhalten. „Das erhöht die Pension um rund 360 Euro pro Jahr,“ so Niederösterreichs Kammerpräsident Johannes Schmuckenschlager.

Die Gutschrift von 1,7% gibt es für alle Versicherten, deren sozialversicherungsrechtliche Beitragsgrundlage 2.900 Euro nicht übersteigt. Diese Beträge werden jährlich im Zuge der Beitragsvorschreibung im laufenden Kalenderjahr gutgeschrieben. Nach Einschätzung des grünen Abgeordneten Clemens Stammler bringt das eine Entlastung von bis zu 315 € Bäuerin und Bauer. Das Entlastungsvolumen durch den Bund beträgt rund 15,5 Mio. Euro. Stammler sieht damit vor allem eine Stärkung kleiner Familienbetriebe. Beide Maßnahmen treten rückwirkend zum 1. Jänner 2022 in Kraft.

Nach Einschätzung von Österreichs Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger stellt die Steuerreform sinnvolle Weichen in Richtung Zukunft. So gehe die heimische Land- und Forstwirtschaft gerade im erneuerbaren Energiebereich einen weiteren, wichtigen Offensivschritt. Die Schaffung energieautarker Bauernhöfe mit dem Sonderinvestitionsprogramm von 25 Mio. € sei beispielgebend für andere Wirtschafts- und Lebensbereiche.

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