Arbeitsrecht

So zählen Saisonkräfte nicht

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 18.11.2021 - 07:00

Österreich will Regelungen zu Saisonkräften Anfang 2022 lockern. Kabinett beschließt Neuregelung. Für Moosbrugger nur eine Zwischenlösung.

Erdbeere

Das Bundeskabinett hat gestern (17.11.) Lockerungen bei den Obergrenzen für Saisoniers beschlossen. Sie sollen Anfang 2022 in Kraft treten. So können Saisonkräfte künftig Beschäftigungsbewilligungen außerhalb von Kontingenten und ohne Arbeitsmarktprüfung erhalten. Dazu müssen sie aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

In den vergangenen fünf Kalenderjahren (2017 bis 2021) müssen sie zumindest in drei Kalenderjahren im selben Wirtschaftszweig wie Land- und Forstwirtschaft oder Tourismus mindestens drei Monate beschäftigt gewesen sein. Zudem muss die Anstellung innerhalb des jeweiligen Kontingents erfolgt sein. Notwendig ist aber ein Registrieren dieser Stammkräfte bis Dezember 2022. Damit stehen sie jedes Jahr für die Betriebe zur Verfügung, ohne Anrechnung auf die gültigen Kontingente.

 

Neuregelung nicht zuwanderungswirksam

Nach Angaben des Bundesagrarministeriums kommen rund 2200 Personen in der Landwirtschaft als Stammpersonal in Frage, im Tourismus sind es rund 1500. Laut Arbeitsminister Kocher ist die neue Regelung nicht zuwanderungswirksam, weil damit auch das Stammpersonal nur ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht erhält, aber Landwirte bewährte Kräfte binden können.

Erfahrene Saisonkräfte gesichert

"Die neue Regelung bringt Planungssicherheit - einerseits für die bäuerlichen Betriebe und andererseits für unverzichtbare Fachkräfte, die schon seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung Österreichs leisten", begrüßen der Vorsitzende des Österreichischen Landarbeiterkammertages (ÖLAKT), Präsident Andreas Freistetter, und der Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, Josef Moosbrugger, die im Ministerrat beschlossene Stammsaisonierregelung.

Laut Freistetter haben sich zuletzt immer mehr Mitglieder an die ÖLAKT gewandt, die seit vielen Jahren in der österreichischen Land- und Forstwirtschaft gearbeitet haben, und plötzlich für das kommende Jahr keine Beschäftigungsbewilligung mehr bekommen haben, weil das Drittstaatenkontingent bereits erschöpft war. "Mit dem neuen Modell bleiben uns jene zuverlässigen und erfahrenen Arbeitskräfte erhalten", ist sich Freistetter sicher.

Für Mossbrugger greift die Neuregelung zu kurz

Laut Kammerpräsident Moosbrugger wird das vorgeschlagene Modell im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb um Arbeitskräfte zumindest kurzfristig Entspannung bringen. Nahezu alle Mitgliedstaaten haben auf ihren Arbeitsmärkten Öffnungsschritte für Drittstaatsangehörige gesetzt.

Es werde für bäuerlichen Betriebe immer schwieriger, Personal zu halten, so der Kammerpräsident. Beispielsweise kämpft Polen als eines jener Länder, aus denen bisher wertvolle Saisoniers zur Mithilfe nach Österreich gekommen sind, selbst mit einem massiven Arbeitskräftemangel.

"Mittel- und langfristig werden wir daher eine Weiterentwicklung der Stammsaisonierregelung hin zu einem dynamischen, in die Zukunft gerichteten Modell zur Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen benötigen", fordert Moosbrugger.

Mit Material von aiz
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