Umwelt

Silvesterknallerei: Bauernbund verlangt Einschränkungen

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 30.12.2020 - 06:47

Oberösterreichs Berufsvertretung sieht durch die Knallerei Gefahr für die viehhaltenden Betriebe. Knallerefreie Gemeinden seien nötig.

Silvester-Feuerwerk

Weil das Silvesterfeuerwerk nicht nur Menschen, sonder auch Tiere gefährdet, fordert der Bauernbund Oberösterreich unter anderem knallerfreie Gemeinden. Verschmutzte landwirtschaftliche Nutzflächen müssen durch die öffentliche Hand (Gemeinden und Straßenmeistereien) gereinigt werden. Ebenso sollten Plastikteile wie Raketenspitzen- und hülsen durch verrottbare Materialien, wie etwa Maisstärke ähnlich eines Plastiksackerlverbots, ersetzt werden.

Sinnvoll hält der Bauernbund eine umfassende Informations-Kampagne der Gemeinden, des Landes und des Bundes, um die Bevölkerung über schädliche Auswirkungen von Feuerwerken und Knallkörpern aufzuklären.

„Mit der Silvesterrakete in der Hand mehr Umwelt- und Tierschutz zu fordern ist unglaubwürdig. Meist fordern die gleichen Personen am 1. Jänner wieder diesen Schutz ein. Am 31.12. zu Mitternacht ist er ihnen egal“, betont OÖ Bauernbunddirektor Wolfgang Wallner.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" gibt indes Tipps für Hundehalter und Halter von Katzen und Kleintieren. Sie rät zum freiwilligen Verzicht der Böllerei auf. Dass landwirtschaftliche Nutztiere gefährdet sind, erwähnt die Organisation interessanterweise nicht.

Viehhaltende Betriebe sind Hauptbetroffene

Silvester-Verschmutzung-Weide

Zwar sind in diesem Jahr sind aufgrund des Lockdowns aber jegliche Silvesterfeiern untersagt. Knallen wird es aber trotzdem. Rund zehn Millionen Euro gibt Herr und Frau Österreicher laut Wallner für den Kauf von Raketen und Knallkörpern jedes Jahr aus.

Dabei verschmutzen Feuerwerkskörper die Umwelt durch Feinstaub, Schwermetallpartikel, Plastik, sorgen für eine erhöhte Lärmbelastung und können zu Verletzungen führen.

Ganz besonders betroffen seien viehhaltenden Betriebe, so der Bauernbund. Die teils messerscharfen und zentimeter-großen Teile sind auf Wiesen, Weiden und Feldern schwer zu finden. Gelangen diese in das Futter bzw. Gras oder Heu stellen sie eine echte Gefahr für Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde dar, und können zu Verletzungen, Krankheiten bis hin zu Todesfällen bei Tieren führen.

    Schwermetalle als Farbgeber belasten Böden

    Durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in der Silvesternacht werden rund 500 Tonnen Feinstaub emittiert. 10 Prozent des Feinstaubes, den der Verkehr während des ganzen Jahres in Österreich emittiert, werden zu Silvester durch Feuerwerkskörper verursacht.

    Die Feinstaubbelastung ist nach Einschätzung des Bauernbunds also in der Silvesternacht die höchste des ganzen Jahres. Um Mitternacht steigt sie auf etwa das 10-fache an. Als Grenzwert sind maximal 25 Tage mit einem Tagesmittelwert von über 50 µg/m³ zulässig.

    Schwermetalle geben dem Feuerwerk die Farben. "Doch genau diese bunte Vielfalt ist für die Belastung unserer Böden oder stehender Gewässer verantwortlich. Hochgiftige Schwermetalle wie Strontium, Arsen, Blei, Selen oder Cäsium verunreinigen unsere Umwelt stark", so der Bauernbund-Direktor.

    Probleme bereite auch der bis zu 170 Dezibel laute der Schalldruckpegel eines Feuerwerkskörpers. Zum Vergleich: Der Lärmpegel eines Düsentriebwerkes bei einem Abstand von 25 Meter beträgt etwa 140 Dezibel. "Bei Tieren sorgt der anhaltende Lärm für Angstreaktionen und Panik, welche zu Verhaltensstörungen und sogar schweren Verletzungen führen können. Aber nicht nur Tiere leiden, sondern auch Menschen können durch laute Knaller Gehörschäden davontragen", warnt Wallner.

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