Unfallvorsorge

Sichere Waldarbeit

Sicherheit
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 29.10.2020 - 04:25

Waldarbeit zählt zu den gefährlichsten Arbeitsbereichen. Deshalb ist besonders auf Sicherheitsstandards zu achten.

Im Herbst und Winter findet die Holzernte statt. Waldarbeiten erfolgt oft in steilem und unwegsamen Gelände. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Forstministerin Elisabeth Köstinger, Othmar Thann Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit und Peter Mayer Leiter des Bundesforschungszentrums für Wald richtigen einen gemeinsamen Appell für sichere Waldarbeit an alle Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter.

  • Stürme, Schnee und Borkenkäfer - von 2018 auf 2019 sind die Schadholzmengen in den heimischen Wäldern dramatisch angestiegen.
  • Rund 62 % der gesamten österreichischen Holzernte (gesamte Holzernte 18,9 Mio. Erntefestmeter) waren 2019 Schadholz. Auch für 2020 werden ähnliche Zahlen prognostiziert.
  • 2019 sind österreichweit aufgrund von Borkenkäfer rund 4,3 Mio. Erntefestmeter (rund 36 % der Gesamt-Schadholzmenge) Schadholz angefallen.
  • Das erhöhte Aufkommen von Schadholz durch Borkenkäfer, Windwurf und Schneedruck erfordert den raschen Abtransport aus den Wäldern, um weiteren Schädlingsbefall zu verhindern.
  • Rund 80 % der Wälder Österreichs befindet sich im Privatbesitz.
  • Die Auswertung der Unfalldatenbank des KFV zeigt, dass sich jährlich in Österreich rund 1.500 Personen bei der privaten Waldarbeit so schwer verletzen, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen.
  • Zum Vergleich: Im professionellen Bereich ist die Zahl mit rund 800 Verletzten pro Jahr deutlich geringer.
  • Bei rund 40 % der Unfälle müssen die Verletzten stationär aufgenommen werden. Die Hälfte der Personen, die sich bei der privaten Waldarbeit verletzen, sind Männer ab 60 Jahre.
  • Beinahe jeder fünfte Unfall passiert im November.
  • Gerade im Winter und auch in der Übergangszeit zum Frühjahr tragen schlechtes Wetter und ein manchmal vereister oder rutschiger Untergrund zu erhöhtem Risiko bei Waldarbeiten bei. Dazu kommt, dass auch das Holz an solchen Tagen nass ist und damit leichter ins Rutschen kommt.
  • Die Aufarbeitung von Sturmschäden birgt ein besonderes Risiko - verspannte Hölzer und umkippende Wurzelkörper können bei falscher Schnittführung lebensgefährlich werden.
  • Fehlende Schutzausrüstung ein Problem - 3 von 4 Personen verzichten auf den Schutzhelm
  • Besonders häufig treten bei der Waldarbeit Frakturen auf (ca. 46 Prozent).
  • Die am häufigsten betroffenen Körperteile sind Unterschenkel, Finger und Fußgelenk/Knöchel.
  • Eine Schutzausrüstung wird zwar auch im Rahmen von privaten Wald- und Holzarbeiten großteils getragen, allgemeiner Standard ist sie jedoch nicht.
  • Gerade beim Tragen von Arbeitshandschuhen und Helmen ist Nachholbedarf gegeben.

Essentiell für sicheres Arbeiten im Wald sind:

  1. Nicht alleine arbeiten
  2. Erste-Hilfe-Ausrüstung
  3. Eine vollständige Schutzausrüstung: Schutzhelm mit Visier- und Gehörschutz, schnittfeste Hose für das Arbeiten mit einer Motorsäge und vor allem auch Sicherheitsschuhwerk für Forstarbeiten.
  4. Eine gute Aus- und Weiterbildung für jene die Forstarbeiten durchführen – das bieten die forstlichen Ausbildungsstätten in Österreich