Bilanz

Die Selbstversorgung ist gesichert

Rinder Angus
Gerhard Poschacher
am Freitag, 13.08.2021 - 06:44

Die Statistik Austria hat den Viehbestand in Österreich 2020 ermittelt. Bei Milch übertrifft die Produktion mit 64 % den Inlandsbedarf.

Wien Die Statistik Austria hat auf der Grundlage einer gesicherten Stichprobe den Viehbestand mit Ende des Jahres 2020 ermittelt. Die tierische Erzeugung trägt mit einem Produktionswert von rund 3,6 Mrd. € (Rinder: 1,9 Mrd. €; Milch: 1,36 Mrd. €; Schweine: 0,81 Mrd. €) mehr als die Hälfte zur gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Österreich ist ein Land der Rinder und Schweinehalter, Produktionsbereiche mit steigenden Tierbeständen, aber zahlenmäßig abnehmenden Haltern. Die Selbstversorgung bei Fleisch mit einem international hohen Pro-Kopf-Konsum von jährlich mehr als 63 kg liegt bei 109 % und übersteigt insbesondere bei Rind- und Kalbfleisch den Inlandsbedarf mit 142 % Eigenversorgung sehr deutlich. Bei Milch übertrifft die Produktion mit 64 % den Inlandsbedarf, während sich bei Schweinen Erzeugung und Inlandsnachfrage mit etwa 102 % die Waage hielten.

Grünland ist flächenmäßig die wichtigste Kulturart

Das Grünland und die Almen haben in Österreich große Bedeutung und stellen mit seinen vielfältigen Nutzungstypen und Pflanzengesellschaften die flächenmäßig wichtigste Kulturart dar. Rund 8000 Almen wurden 2021 bestoßen, das Dauergrünland fasst 1,34 Mio. ha, davon werden 54 % intensiv genutzt. Im Jahre 2020 betrug der gesamte Rinderbestand 1 855 432 Stück, um 1,3 % weniger als 2019. Die Zahl der Rinderhalter hat sich aber in den vergangenen 10 Jahren um rund 15 000 auf 55 019 vermindert. Vor allem der Rückgang der Milchviehhalter (27 000 Betriebe) bereitet den Agrarpolitikern Kopfzerbrechen. Im Vorjahr wurden auf die rund 8000 Almen mit einer Futterfläche von 310 600 ha rund 301 900 Rinder, davon 49 800 Milchkühe, gealpt. Regional konzentrierte sich die Rinderhaltung auf Oberösterreich mit einem Anteil von 29 % am Gesamtbestand.

Neuorientierung der Schweineproduktion

Der Bestand an Schweinen wurde am 1. Dezember 2020 mit 2 806 461 Stück ermittelt, geringfügig mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Betriebe hat sich allerdings während des vergangenen Jahrzehnts um rund 15 000 auf etwa 25 600 vermindert. Im Re-gionalvergleich stieg der Anteil Oberösterreichs am gesamten Schweinebestand auf fast 40 %, während jener Niederösterreichs auf 27 % rückläufig war. Die Schweinehaltung steht vor allem wegen der Vollspaltenböden massiv in Kritik, ebenso der hohe jährliche Pro-Kopf-Verbrauch mit rund 37 kg. Die österreichische Schweinebranche hat auf die Kritik reagiert und gemeinsam mit Vertretern der nachgelagerten Wertschöpfungsstufen die Weiterentwicklung des „AMA-Gütesiegel-Schweinefleisch“ beschlossen. Bis 2030 sollen insgesamt 1 Mio. Schweine aus biologischer Haltung mit dem AMA-Gütesiegel „Mehr Tierwohl“ stammen und vermarktet werden.

Schafe und Ziegen haben hohe Bedeutung

Neben Rindern und Schweinen hat in Österreich auch die Schaf- und Ziegenhaltung Tradition und in den Nachkriegsjahren erheblich große wirtschaftliche Bedeutung. Im Jahre 2020 wurden 394 000 Schafe gehalten, die für die Bewirtschaftung der Almen auch wichtig sind. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schaf- und Ziegenfleisch mit jährlich 0,7 kg bei einer Selbstversorgung von 72 % ist aber bescheiden. Tirol weist mit fast 82 000 Stück den höchsten Bestand an Schafen auf, gefolgt von Niederösterreich mit 73 000 Stück. Der Ziegenbestand wurde mit 92 758 Stück ermittelt und hat sich gegenüber 2019 ebenso kaum verändert wie jener der Schafe. Bei den Ziegen dominiert Oberösterreich mit etwa 30 000 Stück, gefolgt von Tirol mit 18 000.
Auch Geflügel hat mit einer Bruttoerzeugung von 133 000 t und einer Selbstversorgung von 71 % in Österreich eine große wirtschaftliche Bedeutung. In den meldepflichtigen Betrieben wurden im abgelaufenen Jahr 98 Mio. Hühner (Brat-, Back- und Suppenhühner) geschlachtet, um 8 % mehr als 2019. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch beträgt 12,6 kg.
Die Pandemie hat trotz teils massiver Kritik an der Tierhaltung dazu beigetragen, die Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft (91 %) zu vergrößern und gemäß aktueller Umfragen die Erkenntnis zutage gefördert, dass heimische Lebensmittel mit 85 % Zustimmung von den Konsumenten umweltfreundlicher eingestuft werden als importierte.