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Österreich

Scharfe Kritik am Auslaufen der Krähen-Verordnung

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 01.07.2022 - 07:00

Landwirtschaftskammer Steiermark hält fehlende Verlängerung für eine Fehlentscheidung. Probleme auch in Bayern oder Baden-Württemberg.

Krähe-Wiese

Seit 1. Juli ist die Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 4. Juli 2019 über die Ausnahme vom Verbot des Bejagens von Nebel- und Rabenkrähen außer Kraft. In Zukunft sollen Entnahmen nur durch langwierige, nicht aussichtsreiche Einzelgenehmigungsverfahren möglich sein, moniert die Landwirtschaftskammer Kärnten.

Dies gefährde  Weidetiere, landwirtschaftliche Kulturen und auch das ökologische Gleichgewicht der Beutetiere der Nebel- und Rabenkrähen. Die steirischen Bäuerinnen und Bauern appellieren an die steirische Landesregierung, die bestehende Verordnung um weitere drei Jahre in der bisherigen Form zu verlängern.

Landesregierung sieht schlechten Erhaltungszustand

Siloballen-Pickschäden

Aufgrund einer von der Landesregierung beauftragten Erhebung des Erhaltungszustandes der Population von Nebel- und Rabenkrähen, welche einen angeblichen schlechten Erhaltungszustand feststellt, soll es zu keiner Verlängerung der Entnahmeverordnung kommen. Die Landwirtschaftskammer kann das Ergebnis dieser Untersuchung nicht nachvollziehen.

„Da es in der Praxis fortlaufend zu erheblichen Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen durch diese Rabenvögel kommt, sowie in Regionen hoher Bestandsdichten ein schlechter Erhaltungszustand der Beutetiere der Krähenvögel, wie Singvögel feststellbar ist, erscheint die Notwendigkeit der Entnahme sicherlich gegeben,“ meint die Biologin und Wildtierexpertin der LK Steiermark Marlene Moser-Karrer.

Große Schäden befürchtet

Durch die Nicht Verlängerung der Krähenverordnung ist in Zukunft mit erheblichen Schäden im Bereich der Pflanzenzüchtung, bei Weidetieren und gelagertem Futter zu rechnen, welche schlussendlich die Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln nachhaltig gefährden. Wie diese ernsten Schäden in Zukunft verhindert werden sollen, ist laut LK nunmehr völlig unklar. Sie appelliert an die Politik, entsprechende Alternativen anzubieten. Zudem seien Entschädigungsregelungen von für die Bäuerinnen und Bauern nötig.

Besonders betroffen von Krähenschäden ist die für die Steiermark wichtige Produktion von Saatgut für Sojabohnen, Ölkürbis oder Mais.

Schäden durch Krähen auch in Bayern oder Baden-Württemberg

Krähenschaden-Lamm

Wie es in Kärnten bald zugehe kann, zeigen Beispiele in deutschen Bundesländern. In Bayern berichten Landwirte von zunehmenden Schäden durch Saatkrähen, zum Beispiel in Puchheim bei München. Dort gibt es Schäden auf Ökomaisfeldern oder an Lämmern. Hier haken die Vögel in Bauch oder Augen der Lämmer, die dann qualvoll verenden.

In Baden-Württemberg weist der Schadensbericht des Bauernverbands Schäden durch Saat- und Rabenkrähen in 21 Landkreisen aus. gemeldet. Insgesamt wurden 166 Schäden an 24 Kulturarten gemeldet. Über die Hälfte der Schadensmeldungen betraf die Kulturart Mais. Die Schadenshöhen für einzelne Betriebe belaufen sich auf bis zu 25.000 Euro, heißt es im Bericht für das Jahr 2021. Und die meisten Vergrämungsmaßnahmen durch Vogelscheuchen- und -attrappen sowie Schussapparate wirkten nicht mehr.

Dies bestätigen auch Landwirte in Rheinland-Pfalz. Dort nehmen die Schäden zu. Die Bauern fordern daher den Schutzstatus von Saatkrähen herunter zu setzen. Behörden sollten daneben erlauben, Rabenkrähen ganzjährig zu bejagen.

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