Lebensmittel-Check

In Säften sind heimische Äpfel rar

Landwirtschaftskammer Österreich
am Dienstag, 08.10.2019 - 11:18

LK in Österreich prüft Apfelsaft: Bei fast zwei Drittel wird Herkunft der Rohstoffe verschwiegen.

Apfelsaft

Graz - Der Store-Check der Landwirtschaftskammer zeigt: In fast zwei Drittel der untersuchten Apfelsäfte wird die Herkunft der Äpfel verschwiegen. „Wer glaubt, im Apfelland Steiermark sind im Großteil der angebotenen Apfelsäfte auch heimische Äpfel drinnen, der irrt“, sagt Werner Brugner, Direktor der LK Steiermark.

Durchgeführt wurde der Apfelsafttest von Ende Februar bis Ende Juli 2019. Bei 33 Testeinkäufen wurden 168 Apfelsaftproben gezogen und auf die Herkunft der Rohwaren untersucht. Der Test wurde in drei Preis-Kategorien, 0,78 € bis 1 €, 1,01 € bis 2 € und mehr als 2 € vorgenommen.

Auf 17 % der untersuchten Apfelsäfte wehen Österreichfähnchen mit der verlockenden Zusatz-Angabe „hergestellt in Österreich“ oder „abgefüllt in Österreich“, obwohl im Kleingedruckten das tatsächliche Herkunftsland der Rohware nicht angegeben oder nachvollziehbar ist. „Wir wollen die Konsumenten vor Irreführung und Enttäuschung schützen“, sagt Brugner: „Diese Verbraucher-Täuschung ist abzustellen, wir werden diese Erkenntnisse dem Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb zur weiteren Bearbeitung übergeben.“

Besonders krass und fast deckungsgleich ist das ernüchternde Ergebnis in den beiden Preissegmenten zwischen 0,78 und 2 €/l Apfelsaft. In diese beiden Kategorien fällt der Löwenanteil (131 Säfte). 60 % dieser Säfte werden aus einem Apfelsaft-Konzentrat hergestellt: Dabei wird der gepresste Apfelsaft unter hohem Energieaufwand eingedickt. Diese süß-säuerliche Masse muss dann mit Wasser wieder rückverdünnt werden. Es ist davon auszugehen, dass solche Apfelsaftkonzentrate von internationalen Herstellern stammen. So ist China der weltweit größte Apfelsaftkonzentrat-Produzent, in Europa ist es Polen.

Der große Lichtblick: Von fast allen Säften (34 von 37) in der Preiskategorie über 2 € stammten die Äpfel aus Österreich, die Herkunft wurde klar deklariert, alle Säfte dieser Kategorie waren Direktsäfte.

Bei der Kennzeichnung von Apfelsäften ist der Biobereich beispielgebend. Bei Bioapfelsäften besteht Deklarationspflicht, ob die Äpfel aus Österreich, aus der EU oder aus Drittstaaten (Nicht-EU) stammen. Untersucht wurden 25 Biosäfte, wovon bei 16 Säften die Äpfel österreichischer Herkunft waren, bei neun Säften kamen die Äpfel aus der EU. Alle Biosäfte waren korrekt deklariert.

„Die Bauern brauchen bessere und vor allem kostendeckende Saft- apfelpreise“, fordert Herbert Muster, Geschäftsführer der Erwerbsobstbauern. „Wegen der katastrophalen Saftapfelpreise der vergangenen Jahre werden viele landschaftsprägende Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt, sie verwildern oder verschwinden. Faire Saftapfelpreise sowie eine steigende Nachfrage nach heimischem Apfelsaft kann diese unerfreuliche Entwicklung stoppen und eine Trendumkehr bewirken.“