Direktvermarktung

Regionalität ist gefragt

Schießl-Verkaufswagen am Hof
Georg Mayringer
am Freitag, 17.07.2020 - 12:15

Mithilfe einer Hofmetzgerei kann die Familie Schießl in Katzenberg im Innviertel ihren kleinen Betrieb im Vollerwerb führen.

-------------------

Betriebsspiegel

Familie: Bernhard (43) mit Verena (36), Kinder: Karoline (11), Florian (9), Marius (3), Eltern von Bernhard: Ludwig und Aloisia.

Flächen: 32 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, gemischte Fruchtfolge mit Körnermais, Weizen, Gerste, Sojabohnen und Ölkürbis.

Vieh: 140 Mastschweine, die Ferkel kommen von einem festen Bezugsbetrieb und werden alle zwei bis drei Wochen eingestallt. 20 Wollschweine und 30 Hühner.

-------------------

Hofmetzgerei Schießl

Bernhard und Verena Schießl führen einen kleinen Betrieb in Katzenberg im Inn- viertel mit Mastschweinen und Direktvermarktung ihrer Produkte über Märkte und einen Cateringservice.

Vor allem zu Beginn der Coronakrise herrschte bei den beiden große Unsicherheit. Es war unklar wie, beziehungsweise ob die belieferten Märkte stattfinden können. Auch die Nachfrage konnte man nicht einschätzen.

Die ersten Bauernmärkte im März waren noch schwächer. Dann ist die Nachfrage nach regionalen Produkten wieder deutlich gestiegen und die beiden können sehr zuversichtlich nach vorne blicken.

Jüngere Kunden kaufen bewusster ein

Schießl-Trockensur

„Ältere Stammkundschaften haben vielfach ihre Kinder geschickt und auch jüngere Kunden kaufen bewusster und regionaler ein“, berichtet Verena. Dieser Trend ist schon länger erkennbar und wurde durch Corona verstärkt. Die Umsätze auf den Märkten sind in den letzten Wochen deutlich gestiegen.

Seit Corona gibt es auch einen Ab-Hof-Verkauf am Betrieb Schießl. Bisherige Vermarktungswege sind weggebrochen. Es sind viele Veranstaltungen und Feste ausgefallen, die immer von ihnen beliefert wurden.

Ein wichtiger Absatzkanal waren die Märkte in der nahegelegenen Stadt Schärding. Sie wurden von März bis Ende April abgesagt. Dann muss man sich was anderes überlegen.

Ab-Hof-Verkauf: Not macht erfinderisch

Schießl-Qualitätskontrolle

Die beiden haben schnell entschlossen mit einem Ab-Hof-Verkauf und Zustellservice gestartet. Das wurde von den Kunden sehr gut angenommen. Donnerstags von 14 bis 18 Uhr und Freitags von 7 bis 10 Uhr können die Kunden nun direkt am Betrieb einkaufen.

In der Vergangenheit ist die Umsetzung eines Ab-Hof-Verkaufs mit fixen Verkaufszeiten am geeigneten Verkaufsraum gescheitert.

Not macht erfinderisch

„Not macht erfinderisch“, heißt es in einem Sprichwort. Bernhard und Verena stellen nun den Verkaufswagen, den sie ohnehin für die verschiedenen Märkte haben, am eigenen Hof auf. Damit können sie diesen noch besser auslasten als bisher.

Die Kombination mit dem Verkaufswagen ist ideal. „Der Verkaufswagen ist an beiden Tagen ohnehin in Gebrauch, dadurch ist der Mehraufwand sehr gering“, erklärt Bernhard, und Verena fügt hinzu: „Wenn Corona nicht gekommen wäre, hätten wir den Ab-Hof-Verkauf sicher noch nicht so rasch umgesetzt.“

Donnerstagnachmittag war früher eher ruhiger und es blieb auch mal etwas Zeit für die Familie. Langfristig überlegen die beiden schon, einen eigenen Verkaufsraum einzurichten, derzeit sind die Investitionskosten noch zu hoch.

Direktverkauf mit Tradition wird erweitert

Schießl Bauernhof

Bereits in den 1980er-Jahren haben die Eltern von Bernhard mit der Direktvermarktung einzelner Produkte begonnen. Fisch, Geselchtes, Surfleisch oder Leberknödel waren die ersten Produkte. Eine kleine Produktpalette, die sie mit gutem Erfolg vermarktet haben.

Seit 2014 führen Bernhard und Verena den Betrieb und haben die Produktpalette laufend erweitert. Dabei haben sie besonders darauf geachtet, dass die neuen Produkte das bestehende Sortiment gut ergänzen.

Schießl-Sortiment Haussulz

Die beiden machen nun zusätzlich Knödel, wie zum Beispiel Kaspressködel oder Innviertler Knödel. Dadurch können sie nun die Eier ihrer eigenen Hühner verarbeiten. Auch bei den Sulzen haben sie das Produktsortiment erweitert.

Früher hatten sie nur ihre Haussulz im Angebot, mittlerweile sind auch die Saukopf- und Schinkensulz regelmäßig im Angebot.

Auch Wollschweine für ihren Innviertler Surspeck mästen die Schießls am eigenen Hof. In der Vergangenheit haben sie nur die Teile für den Surspeck veredelt und der Rest kam in die Wurst. Mittlerweile können sie auch mehr und mehr Frischfleisch oder Geselchtes vom Wollschwein vermarkten.

„Das Wollschweinfleisch hat durch die lange Mastdauer einen ganz außergewöhnlichen Geschmack“, erklärt Verena. „Nicht vergleichbar mit dem normalem Hausschwein. Das Fleisch ist mürber und auch die Farbe ist intensiver. Das kommt bei den Kunden gut an und es verkauft sich sehr gut.“

Hochwertiges Futter für gute Fleischqualität

Das Futter für ihre Schweine stammt vom eigenen Betrieb. Mittlerweile bewirtschaften sie rund 32 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, auf denen Mais, Weizen, Gerste, Sojabohnen und Ölkürbis angebaut werden.

Der Mais wird in einem Ganzkornsilo gelagert und zusammen mit den anderen Futterkomponenten mittels Flüssigfütterung den Schweinen verfüttert. Die Schweine bekommen auch jeden Tag etwas Heu in die Bucht. „Mir ist wichtig, dass die Fleischqualität stimmt und es ist nicht so schlimm, wenn sie langsamer wachsen“, meint Bernhard.

Kreativität kennt kaum Grenzen

Schießl-Kutter sign

Bernhard und Verena sind beide ausgebildete Köche. Vielleicht ist auch das der Grund, weshalb sie immer wieder gerne neue Rezeptvarianten ausprobieren und ihre Kunden mit neuen Kreationen überraschen.

Die hohe Qualität der Produkte aus der Hofmetzgerei Schießl kommt nicht nur bei den Kunden gut an. Sie haben dafür auch schon einige Preise erhalten. Ihr Rohschinken wurde beispielsweise 2019 mit dem Culinarix in Gold ausgezeichnet. Für diesen Schinken verwendet Bernhard nur ganz besondere Teilstücke. Diese werden ganz leicht angeräuchert, speziell gewürzt und durch die längere Reifezeit besonders mürbe.

Auch beim Gewürzschinken kennt die Kreativität der beiden kaum Grenzen. Hier haben sie Varianten mit Kräuter, Pfeffer, Kümmel, Koriander, Knoblauch oder Kürbiskernen im Angebot. Im Frühjahr kommt auch Bärlauch in so manche Rezeptur. „Die Bärlauchknacker kann ich gar nicht früh genug im Angebot haben!“, erzählt Bernhard, so ungeduldig, wie ihre Kunden auf so manches Schmankerl warten.

Ein Klassiker im Sortiment ist ihr Innviertler Surspeck vom Wollschwein. Dieser wird nicht geräuchert, sondern nur eingesalzen. Fett pur. Hauchzart geschnitten zergeht er förmlich auf der Zunge! Kein Wunder, dass er auch bei Kunden in den Einkaufskorb wandert, die sonst nur zu mageren Teilstücken greifen.

Es wird auch wieder gefeiert werden

Als Koch war Bernhard viele Jahre für das Cateringunternehmen Do&Co unterwegs und hat auf Großevents wie etwa Formel 1-Rennen gekocht. Dabei haben sich Bernhard und die aus Südtirol stammende Verena auch kennengelernt.

Die Erfahrungen aus dem Eventbusiness und ihre Eindrücke aus aller Welt nutzen die beiden nun auch für ihren eigenen Betrieb.

Sie haben in den letzten Jahren einen Cateringdienst aufgebaut und mit ihrem Service zahlreiche Hochzeiten, Veranstaltungen, Firmen- oder Familienfeiern kulinarisch begleitet.

Dabei können sie auch die komplette Organisation des Festes übernehmen. Mit Corona ist dieser Geschäftsbereich in den letzten Wochen völlig ausgefallen. „Es wird aber auch in Zukunft wieder gefeiert werden!“, sind die beiden zuversichtlich und planen schon die nächsten Veranstaltungen.