Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Wintertagung 2022

Regionale Produktion braucht Herkunftskennzeichnung

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 03.02.2022 - 06:00

Pflicht zur Kennzeichnung kann Schub für Wertschöpfungskette vor Ort bringen. EU muss flexibler werden.

Wintertagung2022-Ackerbau

Einen wichtigen Anteil an einer regionalen Wertschöpfungskette hat eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln. Allerdings passen die derzeitigen EU-Vorgaben nicht so recht dazu. Das stellte EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber (ÖVP), beim Fachtag Ackerbau zum Thema „Herkunft kennzeichnen – Perspektiven für die regionale Wertschöpfungskette“ auf der Wintertagung des Ökosozialen Forums klar.

„Die aktuellen Rahmenbedingungen der EU für Herkunftsbezeichnungen spiegeln nicht wider, was sich die österreichische Landwirtschaft wünscht und was die Konsumentinnen und Konsumenten fordern,“ so Bernhuber. Er sieht aber mit dem gemeinsamen Beschluss für die Farm to Fork-Strategie im Europäischen Parlament einen Zwischenerfolg. „Sie wird durch eine klare und transparente Herkunftskennzeichnung die Grundlage für ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem bilden,“ ist der Abgeordnete überzeugt.

Ende des Jahres will Brüssel für eine verbindliche Herkunftskennzeichnung einen Vorschlag unterbreiten. Für den Präsidenten des Ökosozialen Forums ist ohnehin klar: „Ohne Herkunft keine Zukunft. Herkunft gibt Sicherheit“. Nur dann wisse man, wie etwas produziert wird und ob es verfügbar sei.  

Moosbrugger: Handel in Wertediskussion einbeziehen

Josef Moosbrugger, Präsident der LK Österreich sieht es als vorrangig an, regionale Kreisläufe und Transparenz zu schaffen sowie das Bewusstsein bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu stärken. „Wir müssen dazu aber einen gemeinsamen Effekt der Wertschätzung für Lebensmittel auf Konsumentenseite schaffen und endlich auch mit dem Handel in eine Wertediskussion einsteigen,“ forderte er.

Eine Grundlage für einen zukunftsfitten Ackerbau wird zudem das Schaffen regionaler Kreisläufe und Wertschöpfungsketten sein. Gerhard Zinner, Geschäftsführer der Waldland Holding, sieht die Herausforderung, möglichst viele Betriebe in der Landwirtschaft zu halten und diesen ein adäquates Einkommen zu ermöglichen. „Die transparente Kennzeichnung der Herkunft von Produkten und das Vermeiden von Überproduktion sind wesentliche Voraussetzungen dafür,“ so Zinner.

AMA-Experte fordert weitere Regionalprogramme

Nach Einschätzung von Martin Greßl, Leiter des Qualitätsmanagements bei der Agrarmarkt Austria Marketing, erwartet der Großteil der Konsumenten, dass in österreichischem Brot auch heimisches Getreide und Mehl enthalten sind. Dazu hält er eine Re-Lokalisierung des Rohstoffs bei traditionellen Backwaren und weitere Regionalprogramme für nötig, um Partnerschaften zu schmieden.“

Dabei könne die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie darauf aufbauen, dass das Vertrauen in österreichische Lebensmittel hoch sei, so Matthias Krön, Obmann vom Verein Donau Soja: Er sieht verständlicherweise Soja als Futtermittel für einen wichtigen Teil der Produktionskette, weil gerade bei tierischen Lebensmitteln aus Österreich ein GVO-frei gefüttertes Tier, hohe Standards beim Tierschutz und verbesserte CO2-Werte erwartet werden. „Es braucht neue Programme, um die von österreichischen Bäuerinnen und Bauern produzierten Lebensmittel im eigenen Land nicht nur zu produzieren, sondern auch im Produktkreislauf zu behalten und zu vermarkten,“ so Krön im Gleichklang mit dem AMA-Vertreter. 

Regionalität bedingt Saisonalität

Beim Fachtag Gemüse-, Obst- und Gartenbau waren sich die Diskussionsrunde schnell einig, dass es neben der Regionalität auch einen stärkeren Fokus auf Saisonalität braucht. „Für den Lebensmittelhandel sind Partnerschaften mit regionalen Betrieben enorm wichtig, um ein vielfältiges Sortiment aus der Region zu schaffen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass wir in Österreich Saisonen haben. Es braucht daher ein Umdenken, denn es muss nicht immer alles verfügbar sein,“ forderte Carlos Steidl von gurkerl.at:“

„Wir wurden darauf konditioniert, dass Warten unzumutbar ist“, ergänzte der Generalsekretär der LK Österreich, Ferdinand Lembacher. Die ständige Verfügbarkeit nehme jedoch die Vorfreude auf saisonale Lebensmittel. Das werde verstärkt durch Angebote ausländischer Ware, die vor heimischer Ware erhältlich ist. „Das ist nicht notwendig. Wir sollten den Menschen die Vorfreude wieder zurückgeben,“ argumentierte Lembacher.  

Über klimaschädlichen Import aufklären

Mayr-Ewald

Einen Ansatzpunkt, wie man die Saisonalität erfolgreich kommunizieren kann, lieferte Christina Tönniges von der GfK Austria. „Wir müssen den Konsumentinnen und Konsumenten die Saisonalität erklären und zwar mit dem Hinweis auf die klimaschädlichen Wirkungen von Importware. Die Eigenverantwortung gegenüber der Umwelt ist momentan hoch. Diese Chance sollte man nutzen.“

Als große Chance sieht Ewald Mayr vom Verband der Obst- und Gemüseproduzenten Oberösterreich die Kennzeichnungspflicht. Sie nehme die Konsumentinnen und Konsumenten stärker in die Verantwortung. „Der entscheidende Punkt wird aber die Kennzeichnungspflicht insbesondere bei verarbeiteten Lebensmitteln sein. Da werden einigen die Augen aufgehen“, so Mayr.