Schweinemarkt

Preiskrise: Drei-Punkte-Plan für Soforthilfen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 31.12.2020 - 06:20

Österreichische Landwirtschaftskammern fordern für Tierhalter weitere schnelle Hilfe vom Bund. Das bisherige Paket reicht nicht.

Landesanstalt für Landwirtschaft

Dramatische Erlösverluste durch Corona: Lage der Schweinebauern spitzt sich weiter zu. Seit April 2020 ist bereits ein Schaden von 70 Millionen Euro entstanden. Und noch ist kein Ende der massiven Markt-Turbulenzen in Sicht.

Nach recht positiven Aussichten zu Jahresbeginn, sind die Erlöse für die Schweinebauern seit dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr in ein untragbares Preistief abgesackt. Hauptursache sind die fehlenden Bestellungen durch die Gastronomie und Hotellerie.

„Die Schweinemäster und Ferkelhalter können die enormen Erlösverluste nicht mehr schultern. Als Vorlieferanten für die Gastronomie brauchen die Schweinebauern dringend einen Verlust-Ersatz, um die Existenzgefahr abzuwenden“, verlangen der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher und die oberösterreichische Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

 Die auflaufenden Verluste werden nach Auffassung beider Kammerchefs von Tag zu Tag größer. Die Bauern könnten die Tiere nicht in Kurzarbeit schicken. Anders als bei anderen Branchen ist der Betriebsmittel-Einsatz weiterhin sehr hoch. Seit April 2020 ist den österreichischen Schweinebauern bereits ein Schaden von 70 Millionen Euro entstanden. Bis Ende Februar sei von einem Gesamtschaden von 100 Millionen Euro auszugehen, so Langer-Weninger und Titschenbacher.

Um eine latente Existenzgefährdung spürbar abzuwenden, verlangen der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher und die oberösterreichische Präsidentin Michaela Langer-Weninger ein 3-Punkte-Maßnahmenbündel:

1. Von der Bundesregierung einen wirkungsvollen Verlust-Ersatz, um die Schäden, die den Schweinebauern als Vorlieferanten für die Gastronomie erwachsen sind, abzufedern.

2. Von Brüssel, das Marktinstrument „Private Lagerhaltung“ vorzubereiten, um den Markt vorübergehend zu entlasten.

3. Vom Lebensmittelhandel, dass dieser nach deutschem Vorbild für Fleisch einen besseren Preis zahlt, der auch direkt bei den Bauern ankommt. Von dem Mehrpreis spüren die deutschen Bauern bisher nichts, da die Schweinepreise noch nicht angezogen sind. Teilweise beziehen sich die Preisaufschläge nur auf bestimmte Schweinefleischartikel.

Titschenbacher und Langer-Weninger appellieren an die Politik:„Wenn aktuell von allen Seiten die Leistungsbereitschaft der heimischen Bauern für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung hochgepriesen wird, darf die aktuelle Krisensituation der fleischliefernden Nutztierhalter nicht übersehen werden. Die Sicherstellung der Eigenversorgung ist ein hohes Gut, die nur dann gewährleistet ist, wenn auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit auf den Höfen gegeben ist“.