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Österreich

Pflanzenschutz: Verbändebündnis stellt sich gegen EU-Pläne

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 30.06.2022 - 14:39

15 Organisationen in Österreich fordern wissenschaftsbasierte statt populistischer Ziele. Sie halten eine Folgenabschätzung für EU-Umweltpaket für nötig.

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In einem Positionspapier warnt ein Bündnis aus 15 Organisationen vor den hohen Risiken und Schwächen des Entwurfs für die Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln („Sustainable Use Regulation“ - SUR) für die Versorgungssicherheit.

So sieht der am 22. Juni präsentierte EU-Entwurf vor, die Ziele der Farm to Fork-Strategie in einen rechtlichen Rahmen zu gießen. Unter anderem ist dabei eine Halbierung der eingesetzten Pflanzenschutzmenge vorgesehen, ohne Effizienz des Wirkstoffes und Vorleistungen der Mitgliedstaaten zu berücksichtigen.

Um negative Folgen für Versorgungssicherheit, Landwirtschaft und Forschungsstandort Europa zu verhindern, sprechen sich die 15 Organisationen mit Nachdruck dafür aus, die SUR vor dem Beschluss einer wissenschaftlich fundierten und umfassenden Folgen- und Umsetzbarkeitsabschätzung zu unterziehen. Große Bedeutung zur weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit sieht das Bündnis außerdem in digitalen, innovativen Konzepten.

Moosbrugger sieht Österreich als Vorreiter

Österreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger teilt das Ziel, den nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu fördern, was in Österreich bereits seit Langem gelebte Praxis ist. Seiner Meinung nach gilt Österreich in Europa und international als Vorreiter beim integrierten Pflanzenschutz, bei dem primär alle verfügbaren vorbeugenden, nicht-chemischen Maßnahmen wie Fruchtfolge, moderne Anbauverfahren, Züchtung, Sorten- und Saatgutwahl, mechanische Maßnahmen etc. genutzt werden. Seit Jahren laute das Motto „So wenig wie möglich, so viel wie notwendig“.

Menge alleine sagt wenig über Wirkung aus

Der LK-Präsident sieht die Herangehensweise der EU-Kommission als vollkommen faktenbefreit und widersinnig an, da diese kaum etwas über die Wirkung und das Risiko aussagt. Je weniger effektiv eine Substanz, desto größere Mengen brauche es in der Anwendung. So sind laut Moosbrugger in der österreichischen Statistik seit einiger Zeit auch Substanzen wie der natürliche Luftbestandteil Kohlendioxid enthalten, der 38% der statistisch ausgewiesenen Menge umfasst. Verwendet wird dieses Gas zum Beispiel auch zur Behandlung von biologischem Saatgut.

Statistiken sind nicht vergleichbar

„In anderen Ländern wird dieser Stoff hingegen nicht angeführt, weshalb in der EU-Auflistung quasi Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die stark vereinfachten Zielsetzungen von minus 50% berücksichtigen auch unsere bisherigen Bemühungen und Nachhaltigkeitserfolge in keiner Weise und werden mehr Probleme als Verbesserungen bringen“, warnt Moosbrugger. Er sieht durch das EU-Vorhaben Österreichs Selbstversorgung geschwächt. Zudem würden klimaschädliche Importe aus Ländern verstärkt, die unter deutlich niedrigeren Umweltstandards wirtschaften beziehungsweise sogar Regenwälder abholzen.

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