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Der persönliche Kontakt fehlt

Hofladen
Paul Kannamüller
am Dienstag, 05.01.2021 - 08:02

Auftakt ins Agrarjahr 2021: Was Tirol plant und Salzburg sich wünscht. Dank an Landwirte und Konsumenten.

Das alte Jahr ist vorbei, nun richtet sich der Blick wieder nach vorn. So wünscht sich etwa die Salzburger Landesbäuerin Claudia Entleitner für 2021 wieder mehr Normalität, weil sie den persönlichen Kontakt zu ihren Bäuerinnen schon sehr vermisse.

Insbesondere wünscht sich Claudia Entleitner fürs neue Jahr wieder den Kontakt zu Kindern in den Schulen, um für heimische Lebensmittel  werben zu können. „Für mich sind Kinder enorm wichtige Multiplikatoren“, betont die vor einem Jahr neu gewählte Salzburger Landesbäuerin zum Jahreswechsel.

Information mittels sozialer Netzwerke

Nichtsdestotrotz habe man aber aus der Not eine Tugend gemacht und sich den sozialen Netzwerken bedient. So sei beispielsweise unter dem Hashtag „ichbinregional“ ein Kochbuch mit gesammelten Rezepten von Bäuerinnen entstanden.

Insgesamt aber hadere sie ein wenig mit der Kommunikation über soziale Netzwerke. Sie böten zwar durchaus Chancen, „gewisse Dinge zu transportieren und in die Breite zu gehen“. Nachdenklich stimme sie allerdings, dass dort die Gesprächskultur vernachlässigt werde, ebenso das Online-Mobbing unter Jugendlichen.

Den Jahreswechsel nützte die Salzburger Landesbäuerin auch, um „meinen Ortsbäuerinnen und jeder einzelnen Bäuerin, die sich vor Ort engagiert, einfach mal Danke zu sagen“. Sie pflegten in den Gemeinden das Brauchtum und machten die Landwirtschaft für die Konsumenten erlebbar.

Diesen möchte Entleitner für das Vertrauen danken, „das sie uns Bäuerinnen und Bauern entgegenbringen“. Durch den Einkauf regionaler Lebensmittel unterstützten und wertschätzten sie die hiesige Landwirtschaft, unterstrich die Landesbäuerin, die zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern einen Bio-Milchviehbetrieb in Piesendorf (Bezirk Zell am See) bewirtschaftet.

Bei ihrem Amtsantritt vor einem Jahr bekräftigte Claudia Entleitner, dass sie das Werk ihrer Vorgängerin Ök.-Rätin Elisabeth Hölzl in bewährter Manier fortführen wolle.

Mehr Nachfrage nach regionalen Produkten

„Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns haben auch die Landwirtschaft hart getroffen“, so Salzburgs LK-Präsident Rupert Quehenberger. Die Auswirkungen seien immer noch stark zu spüren.

Dabei verweist er vor allem auf die fehlenden Abnehmer aus Gastronomie und Hotellerie und den damit einhergehenden Preisabfall beispielsweise beim Fleisch. Nicht zu vergessen die vielen Betriebe mit Urlaub am Bauernhof, die im vergangenen Jahr viel weniger Gäste hatten.

Dennoch könnten Salzburgs Bäuerinnen und Bauern stolz sein auf ihre Leistungen. Die bäuerlichen Betriebe hätten laut Quehenberger gezeigt, dass auf sie Verlass sei und sie die Lebensmittelversorgung gewährleisten können.

Deren Wertschätzung sei deutlich gestiegen, was sich an der hohen Nachfrage nach regionalen Produkten zeige. Besonders stolz sei er darauf, dass mit dem SalzburgerLand-Herkunftszertifikat bereits 150 Betriebe ausgezeichnet werden konnten.

Tirol will mehr Direktvermarkter

In Tirol will man im neuen Jahr verstärkt auf Direktvermarktung setzen und damit auch „Lehren“ aus der Coronakrise ziehen, in der sich Lebensmittel aus bäuerlicher Erzeugung großer Beliebtheit erfreuten. So will die Tiroler Landwirtschaftskammer in der Direktvermarktung 2021 einen Beratungs- und Informationsschwerpunkt setzen.

„Corona hat gezeigt, wie wichtig es ist, eine gesicherte Lebensmittelversorgung im eigenen Land zu haben“, erklärt LK-Präsident Josef Hechenberger. Man wolle die Chance nutzen, mit verstärkter Beratung Betriebe zum Einstieg in diese Sparte zu motivieren. Dabei soll über verschiedene Vermarktungsformen, rechtliche Grundlagen sowie entsprechende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten informiert werden.

Insbesondere soll dabei aufgezeigt werden, dass auch kleine Betriebe in der Direktvermarktung Chancen haben. Rund 4000 bäuerliche Betriebe in Tirol nutzen bereits direkte Vermarktungskanäle, um ihre Produkte zu den Konsumenten zu bringen. Für rund 1500 davon sei diese Sparte eine wesentliche Säule des erwirtschafteten Einkommens.

Am beliebtesten sei dabei der Ab-Hof-Verkauf, rund 80 % der Direktvermarkter verkaufen ihre Produkte über diesen Weg. Am häufigsten würden Fleisch bzw. Fleischmischpakete sowie Milch- und Milchprodukte und Eier verkauft. Dabei gibt es laut Landwirtschaftskammer unterschiedliche Konzepte. „Die Direktvermarktung ist aus meiner Sicht ein wesentlicher Schlüssel zum Erhalt der flächendeckenden Landwirtschaft“, so Hechenberger.

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Salzburg: Frauen als „starker Motor“

  • Kaum in einem anderen Bundesland treten Landfrauen stärker in Erscheinung als in Salzburg. Dort wird rund ein Drittel der knapp 8000 landwirtschaftlichen Betriebe bereits von Frauen geführt.
  • Auch in der Interessenvertretung wird diese Gleichberechtigung gelebt: So besteht der Vorstand der Landwirtschaftskammer Salzburg mehrheitlich aus Frauen.
  • Die Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen wurde 1972 gegründet und vertritt heute als Verein die Interessen von 130 000 Bäuerinnen in allen neun Bundesländern.
  • In Salzburg wurden in den vergangenen Wochen und Monaten 120 Ortsbäuerinnen neu bzw. wiedergewählt. Mit den fünf Bezirksbäuerinnen und der Landesbäuerin bilden die Bäuerinnen ein sehr aktives Netzwerk im ländlichen Raum.

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