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Ernährungssicherung

Ist Österreichs Versorgung wirklich gesichert?

Totschnig- Gewessler
Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 07.12.2022 - 20:00

Regierung will mit Bericht zur Versorgungssicherheit beschwichtigen. Doch es gibt durchaus auch Risiken.

Laut dem Bericht zur nationalen Lebensmittelversorgungssicherheit ist die Lebensmittelversorgungslage in Österreich ist derzeit gesichert. Aktuell ist jedoch im globalen Lebensmittelhandel die Situation durch gestörte Lieferketten und knappe Transportkapazitäten angespannt.

Dies geht aus dem ersten Bericht zur Versorgungssicherheit hervor, den Agrarminister Norbert Toschnig am Mittwoch (7.12.) im Ministerrat vorgestellt hat. "Derzeit muss sich in Österreich niemand Sorgen machen", erklärte Totschnig. Er will künftig quartalsmäßig über aktuelle Entwicklungen zur Versorgungslage mit Lebensmitteln informieren.

Mit Düngemittel rechtzeitig eingedeckt

Allerdings heißt es im Bericht, aufgrund der hohen Gaspreisvolatilität müsse die Düngemittelversorgungssituation weiterhin genau beobachtet werden. Die hohen Mineraldüngerpreise seien für die österreichische Landwirtschaft weiterhin herausfordernd.

Dennoch erwartet das Ministerium für die kommende Anbausaison aus aktueller Sicht keine Auswirkungen. So habe sich Landwirte rechtzeitig mit Düngemitteln eingedeckt.

Teure Energie erhöht Produktionskosten

Trotz gestörter Lieferketten liefen die Lebensmittelproduktion und der Lebensmittelhandel in Österreich und Europa derzeit ohne größere Störungen, so der ÖVP-Minister. "Die hohen Energiekosten, die wir alle spüren, wirken sich jedoch auf die Produktionskosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft aus", warnt er.

Umso wichtiger sei es, die Bäuerinnen und Bauern unterstützen. Totschnig verwies auf das 110 Mio. Euro Versorgungssicherungspaket, das noch heuer an Bauern ausgezahlt wird, die 9 Mio. Euro für den geschützten Anbau, die bereits im September ausgezahlt wurden, oder den 120 Mio. Euro Stromkostenzuschuss für die Landwirtschaft, der aber bis Mitte kommenden Jahres wirksam wird.

Futtermittel vorhanden, aber deutlich teurer

Bei Futtermitteln sieht das Ministerium ebenfalls eine ausreichende Versorgungslage. Laut Totschnig sind die Futtermittelpreise beispielsweise bei Mais derzeit um rund 35% höher als im Vorjahr, bei Übersee-Soja gar um 50%. Durch die schwächere Maisernte in Österreich und der EU ist die Versorgung der Mischfutterindustrie schlechter als im Vorjahr.

Die Verfügbarkeit sei jedoch gut und stabil, da der Eigenfutteranteil in den meisten Bereichen (Rinder-, Milch- und Schweineproduktion) mit über 80% sehr hoch ist. Es müssen daher wenig Futtermittel zugekauft werden, erläuterte der Minister in seinem Vortrag.

Wo es Lücken in der Versorgung gibt

Die Versorgung mit tierischen Produkten sei aufgrund des hohen Selbstversorgungsgrades ebenfalls gesichert. "Die Konsumenten halten besonders Bioprodukten die Treue. Der Bio-Markt weist über die ersten drei Quartale 2022 eine wertmäßige Steigerung von 2,8% auf", so Totschnig.
 
Der Selbstversorgungsgrad in Österreich liege deutlich über oder nahe an 100%:

  • 94% bei Getreide,
  • über 100% bei Wein,
  • 90% bei Kartoffeln,
  • 177% bei Trinkmilch,
  • 145% bei Rind- und Kalbfleisch sowie
  • 106% bei Schweinefleisch.

Anders sieht jedoch bei Butter, Eiern, Geflügel oder Obst und Gemüse aus:

  • 73% Butter,
  • 90% Eier,
  • 77% Geflügel,
  • 88% Äpfel,
  • 58% Gemüse,
  • 48% Obst.

Für Zucker nennt der Bericht indes keine Zahlen.  "Unser aller Ziel muss sein, dass unsere bäuerlichen Familienbetriebe weiter produzieren und so die Lebensmittelversorgung gewährleisten können. Denn eine Verknappung beim Angebot würde sich wiederum auf die Lebensmittelpreise auswirken", betonte Totschnig.
 

Für einige Hersteller wird es eng

Die Lebensmittelversorgungssicherheit (Ernährungssicherheit) erscheint laut aktuellen Bericht auch mittelfristig nicht gefährdet. Nichtsdestotrotz haben die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft weiterhin die Herausforderungen des Klimawandels, des Boden- bzw. Flächenverbrauchs, der Energiekrise, der Teuerung und der verzögerten internationalen Lieferketten zu bewältigen.

Allerdings gibt es auch eine Warnung: Für einige Betriebe in der Lebensmittelindustrie und im Lebensmittelgewerbe seien in der aktuellen Energie- und Teuerungskrise die Grenzen der Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit bald erreicht, so der Ausblick.

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