Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Tierwohl-Paket

Österreichs Verbände sind überwiegend optimistisch

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 04.07.2022 - 14:51

Höhere Erlöse und Haltungskennzeichnung gefordert, damit Bauern höhere Auflagen finanzieren können.

Stroh-Schweinestall-Tierwohl

Für umsetzbar hält der Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS) die geplanten Novellierungen des Tierschutzgesetzes und der 1. Tierhaltungsverordnung. Der Beschluss des Pakets vom vergangenen Freitag (1.7.) werde Ruhe in eine oft unsachliche mediale Auseinandersetzung bringen und die notwendige Planungssicherheit gewährleisten, meint der Dachverband.


Die geplanten Novellierungen sehen unter anderem ein Verbot der Haltung von Mastschweinen, Aufzuchtferkeln und Zuchtläufern in unstrukturierten Vollspaltenbuchten ohne Funktionsbereiche vor. Für Neu- und Umbauten bedeutet dies ein erhöhtes Platzangebot (bis zu 33% über EU-Standard), eine ausgewiesene Liegefläche, Mindestgrößen für Buchten (10m2 in der Aufzucht, 20 m2 in der Mast), zusätzliches Beschäftigungsmaterial sowie eine Klimatisierungsmöglichkeit.

23 Jahre Investitionsschutz sorgt für Planungssicherheit

"Mit diesem Paket gibt Österreich Standards vor, die weit über dem Großteil der europäischen Produktion liegen", so VÖS-Obmann Walter Lederhilger. Durch den Investitionsschutz von 23 Jahren für alle Schweineställe ohne unstrukturierte Vollspaltenbuchten wurde laut VÖS-Obmann auch eine wesentliche Verbesserung der Planungssicherheit erreicht.

Mit der Weiterentwicklung im AMA-Gütesiegel wurden die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen, um bei entsprechender Nachfrage möglichst vielen Betrieben einen raschen Einstieg in Tierwohlsysteme zu ermöglichen. „Die Bereitschaft zu mehr Tierwohl in der Landwirtschaft ist da - nun müssen auch unsere Partner entlang der Wertschöpfungskette bis hin zu den Konsumentinnen und Konsumenten Verantwortung übernehmen. Die Mehrleistung der Landwirte muss auch honoriert werden", fordert VÖS-Geschäftsführer Michael Klaffenböck.  
 

Umfassende Kennzeichnung gefordert

Fleisch-Kennzeichnung

Hannes Royer, Obmann von Land schafft Leben sieht das Tierwohl-Paket als absolute Chance für Österreichs Landwirtschaft: „In Österreich werden wir den Kampf um den kleinsten Preis immer verlieren. Wir können uns daher nur durch Qualität von der Konkurrenz abheben,“ so Royer.

Er hält es aber dafür eine umfassende Kennzeichnung am Produkt und in der Gastronomie sowie in allen Bereichen der Gemeinschaftsverpflegung für nötig. Nur so könnten die neuen Standards auch für Konsumentinnen und Konsumenten sichtbar sein.

Öffentliche Kantinen sollen vorangehen

"Die österreichische Gemeinschaftsverpflegung muss nun mit gutem Beispiel vorangehen und auch Lebensmittel einkaufen, die nach den hohen österreichischen Standards produziert wurden", fordert Markus Lukas, Obmann der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG). Schließlich sehe das Tierwohl-Paket wesentliche Verbesserungen bei der Haltung von Geflügel vor, wie Verbot des Schredderns von Küken oder der Käfighaltung bei Junghennen, Elterntieren und Wachteln. Österreich ist laut ZAG damit das einzige EU-Land, in dem die Käfighaltung von Geflügel zur Gänze verboten wird.

Für Hühner in der Freilandhaltung sollen naturnahe Hecken und Bäume im Umkreis des Stalles den Tieren eine vielfältige, tiergerechte Lebensumwelt ermöglichen. Bei Gänsen wird die Tierzahl im Stall maßvoll an die EU-Bio-Bestimmungen angehoben, sofern den Tieren mehr Auslauf auf den Wiesen gewährt wird.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt